„Ich freu mich jedes Jahr wie ein Kind“: In Regensburg startet am 30. Juli das Palazzo

Von Friederike Klett · 10. Juli 2024 um 17:00

Palazzo ist eine Institution im Regensburger Musikjahr. Seit 1998 veranstaltet Alex Bolland das Festival im Hof des Thon-Dittmer-Palais’. Bei der zweiwöchigen Konzertreihe, die am 30. Juli startet, setzt er auf Stammkünstler und neue Entdeckungen. „Ich freu mich jedes Jahr wie ein kleines Kind“, sagte er vor dem Start.

Der Spannungsbogen erstreckt sich von den 1930ern, bei einem Abend mit den Comedian Harmonists, bis zum Indie aus der Jahrtausendwende. Dazwischen liegen Paul Simon, französische Chansons und Jazz.

Alex Bolland hat die üblichen Verdächtigen an Bord: Das Kammerorchester wird eine Mischung aus Klassik, Barock und Filmmusik auf die Bühne bringen. Markus Engelstädter, der für die großen Hits der vergangenen 50 Jahre bekannt ist, wird sich einen Abend lang Paul Simon widmen, und Steffi Denk, die die Fans für riesige musikalische Bandbreite inklusive Jazz, Soul und Rock feiern, bringt eine neue Formation mit. „Ich freu mich jedes Jahr wie ein kleines Kind auf das Palazzo“, sagte Alex Bolland vor dem Start.

Sängerin Steffi Denk mit vollkommen neuem Programm

„Das Festival ist natürlich immer ein Heimspiel für unsere Local Heroes“, so der Veranstalter. Denn die können sich nicht nur auf gut besuchte Shows verlassen. „Sie haben auch das Vertrauen und die Freiheit, immer etwas Neues auszuprobieren. Steffi Denk überlegt sich jedes Jahr ein vollkommen neues Programm für das Palazzo.“ 2023 widmete die Sängerin ihr Konzert der Soul-Ikone Aretha Franklin. Was Denk dieses Jahr auf die Bühne bringen wird, weiß auch Bolland noch nicht, nur dass die Proben längst begonnen haben. „Ich werde auch selbst jedes Jahr überrascht von dem, was auf der Bühne passiert.“

Seine Mission ist, die Shows so auszuwählen, dass sie einerseits zum Charakter des Palais’ passen, aber auch immer wieder frischen Wind in das Konzept von Palazzo bringen. Ende der 1990er hat das Festival sehr blues- und jazzlastig begonnen, heute sind weit mehr Genres auf der Bühne vertreten. „Ich weiß auch, dass mein Publikum mit mir wächst“, sagt der Veranstalter. Heute probiert er alles aus, auch weil er weiß, was zum Thon-Dittmer-Palais passt. „Zu laute, zu große Besetzungen brauchen auch eine große Bühne. Wir sind vor allem für die emotionalen, leiseren Töne zuständig.“

Neuentdeckungen für Palazzo: Bananafishbones und Radio Europa

Das zeigt auch die Zusammenstellung der Künstler beim Festival 2024. Es ist zwar eine Vielzahl an Musikrichtungen vertreten, aber die Auswahl orientiert sich deutlich mehr an den Epochen des 20. als des 21. Jahrhunderts. Eine Ausnahme bildet Bananafishbones. Die Indie-Band, die Rock-Sound aus den 2000er Jahren spielt, ist zum ersten Mal dabei und eine der Neuheiten, die Bolland in diesem Jahr präsentieren will. „So ganz jugendlich wird es beim Palazzo aber nicht, das würde auch nicht zu mir passen“, sagt der 64-Jährige.

Die wahrscheinlich gewagteste Neuheit ist die Formation Radio Europa. Fünf Instrumentalisten spielen Musik aus ganz Europa, von französischem Musette über Irish Folk bis hin zu Rhythmus-Musik vom Balkan. „Die werden es beim Publikum schwer haben, obwohl die geniale Musik machen“, sagt Bolland. Denn wenige Zuschauer sind experimentierfreudig. Deshalb will er besonders Bands hervorheben, die noch kein Stammpublikum bei Palazzo haben. „Ich weiß nicht, ob das eine speziell bayerische Mentalität ist, dass die Zuschauer lieber auf Nummer sicher gehen“, sagt er. Sein Appell ans Publikum: sich auch mal überraschen lassen.

Eine zweite Empfehlung von Bolland: sich nicht auf den Wetterbericht versteifen, auch wenn der Arkadenhof nicht überdacht ist. Denn Regen tue der Stimmung keinen Abbruch. „Regenkonzerte bleiben viel länger im Gedächtnis, weil das eine gemeinschaftliche Erfahrung ist, bei der das Publikum noch enger zusammenrückt.“

„Palazzo“ bietet von 30. Juli bis 11. August 13 Konzerte, Beginn ist immer um 19.30 Uhr.