Aus Berching an die Wiener Staatsoper: Hannah-Theres Weigl macht Karriere als Opernsängerin

Am 14. Juli tritt Hannah-Theres Weigl bei der Veranstaltung „Ein Fest für Gluck“ in Berching auf. Was die 25-jährige Opernsängerin mit ihrer „Bachamer Heimat“ verbindet, warum sie gerne ins Fußballstadion geht und welchen Traum sie sich ab Herbst erfüllt, verrät sie im Interview mit unserer Zeitung.
Frau Weigl, Sie treten am 14. Juli (Sonntag) bei der Veranstaltung „Ein Fest für Gluck“ in Berching auf. Welche Erinnerungen haben Sie an die Stadt, in der Ihr Opa Günter lebte?
Hannah-Theres Weigl: Ich war als kleines Kind oft in Berching – und mit meinem Opa am Fußballplatz des TSV. Er war auch Trainer und in unserer Familie spielte Fußball immer eine große Rolle.
Für wen schlägt denn Ihr Fußball-Herz?
Weigl: Für den FC Bayern. Da folge ich meinem Opa und Papa nach. Bei den Spielern war Mario Gomez als Teenager meine Nummer Eins. Jetzt begeistern mich Jamal Musiala und vor allem Thomas Müller, weil er so sympathisch ist. Von ihm habe ich auch ein Trikot mit der Nummer 25.
Und damit geht es dann auch ins Stadion?
Weigl: Ja, ich gehe unglaublich gerne ins Stadion. Fußball ist meine Auszeit vom Singen. Dort kocht die Begeisterung hoch und meine Stimme kommt dann einfach mal nur laut zum Einsatz, wenn ein Tor fällt.
Für Ihre Stimme, die in Ihrem Beruf als Opernsängerin essenziell ist, ist das aber nicht das Beste...
Weigl: Das stimmt. Aber ich achte schon sehr darauf, ansonsten meine Stimme zu schonen – vor allem in der Erkältungszeit.
Was Ihre Stimme leisten kann, davon können sich Berchinger am 14. Juli überzeugen.
Weigl: Ich bin bei drei Programmpunkten mit dabei, unter anderem bei einer konzertanten Version der Gluck-Oper „Orfeo ed Euridice“. Stephanie Eineder (Anm. d. Red.: die Tochter des Altbürgermeisters Rudolf Eineder) singt den Orpheus und ich die Eurydike.
Bereits 2023 sind Sie in der Heimat Ihres Großvaters aufgetreten. Was fasziniert Sie so an Berching?
Weigl: Das Berchinger Publikum war letztes Jahr fantastisch. Und ich freue mich schon jetzt auf Sonntag, weil ich es toll finde, nicht nur auf der Bühne zu stehen, sondern danach auch mit den Zuhörern in Kontakt zu kommen. Dieser intime Rahmen ist toll. Und ich finde es schön, wenn wir die Begeisterung für Glucks Musik miteinander teilen.
Wann entfachte sich bei Ihnen die Begeisterung für Opern?
Weigl: Meine Großväter haben ihre Leidenschaft für Musik an mich weitergetragen. Mein Opa mütterlicherseits wollte selbst immer Opernsänger werden, musste sich aber daheim um das familiengeführte Hotel kümmern.
Und dann?
Weigl: Irgendwann hat unser Wahlopa und Nachbar zu meiner Mutter gesagt: „In dem Stimmchen ist etwas ganz Feines, das muss gefördert werden.“ Die erste klassische Gesangsstunde zeigte mir dann, wie leicht sich Singen mit der richtigen Technik anfühlen kann. Da war ich 13 Jahre alt.
Und mit 16 Jahren haben Sie debütiert.
Weigl: Ich war dann Mitglied der Staatlichen Förderklasse und habe als 16-Jährige bei einer Jubiläumsfeier des Erlangers Musikinstituts in der Oper „Dido and Aeneas“ als Belinda mein Debüt gegeben. Danach hat mich der Dirigent ermutigt, klassischen Gesang zu studieren.
Und nach dem Studium stehen Sie jetzt vor Ihrem vorläufigen Höhepunkt.
Weigl: Ab September beginnt für mich eine sehr große und neue Aufgabe. Ich bin für zwei Jahre festes Mitglied im Opernstudio der Wiener Staatsoper. Das ist der absolute Höhepunkt meines bisherigen Weges. Damit geht ein Wunsch in Erfüllung, von dem ich früher nur geträumt habe. Von über 800 Bewerbern weltweit wurden 14 Sängerinnen und Sänger eingestellt, die ab September regelmäßig in die Produktionen des Hauses eingebunden werden.
Was kann danach überhaupt noch kommen?
Weigl: Ich bin gerade einfach sehr dankbar für diesen Schritt an der Staatsoper. Das will ich erst einmal genießen, ohne mich darauf auszuruhen. Aber natürlich hat man noch Wünsche, wo es hingehen könnte.
Zum Beispiel?
Weigl: Ich würde auf jeden Fall gerne einmal die Rolle der Susanna in der Oper „Die Hochzeit des Figaro“ singen. Aber alles zu seiner Zeit. Meine Entwicklung soll gesund verlaufen, damit ich meine Rollen zum richtigen Zeitpunkt finde. Neben der Oper reizt mich auch das Lied.
Wieso?
Weigl: In diesem intimeren Rahmen kann man noch direkter mit dem Publikum in Kontakt treten. Es ist eine sehr unmittelbare Begegnung.
Welches Ziel verfolgen Sie als Sängerin neben Oper und Lied noch?
Weigl: Ich will einfach diese wunder, wunder, wundervolle Kunstform mit dem Publikum teilen und auch die jüngere Generation für Klassik begeistern.
Das ist die Opernsängerin Hannah-Theres Weigl
Ausbildung: Hannah-Theres Weigl schließt derzeit ihren Master an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien ab. Davor schloss sie in Innsbruck das Gesangs-Diplom mit Auszeichnung und ihren Bachelor ab.
Auftritte: Parallel zum Studium war sie auf der Bühne des Tiroler Landestheaters zu hören – unter anderem in Mozarts „Die Zauberflöte“.
Aufgabe: Nach ihrem Debüt bei den Bayreuther Gluck Festspielen im Mai wird die 25-Jährige mit Beginn der Spielzeit 2024/25 Mitglied des Opernstudios der Wiener Staatsoper.
Ausblick: Am Sonntag tritt Weigl in Berching auf. Um 17 Uhr spielen Bläser vom Turm der Lorenzkirche. Um 17.30 Uhr startet in der Kirche ein Konzert, ehe um 18.30 Uhr im Hof des Hotels Post Chöre aus Glucks „Orpheus“ gesungen werden. Ab 19.30 Uhr kann man einkehren, in der Stampfermühle und in der Post mit musikalischer Begleitung. Um 20.30 Uhr geht es in der Pfarrkirche und im Apotheker-Garten weiter. Abschluss ist ab 21.30 Uhr im Garten des Engelwirts. Den Tag selbst läuten um 15 Uhr schon Bernhard Strunz mit seiner Camerata des Gymnasiums Beilngries am Gluckdenkmal am Reichenauplatz ein.
Abendkasse: Karten gibt es auf www.okticket.de und an der Abendkasse (30 Euro für den gesamten Abend). Einzelne Konzerte kosten je 15 Euro.


