Söder fordert von Berlin Tempo beim Schienenausbau: „Wir wollen ein Prag-Ticket“

Bayerisch-tschechische Offensive für eine bessere Zuganbindung von Prag nach München und Nürnberg: Ministerpräsident Petr Fiala berichtet beim Grenzlandkongress in Cham, wie zügig sein Land unterwegs ist.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und der tschechische Regierungschef Petr Fiala drängen auf eine endlich schnelle Zugverbindung von Prag über Furth im Wald und Schwandorf nach München und Nürnberg: Beim Grenzlandkongress am Montag in Cham schilderte Fiala, wie stark sein Land in Vorleistung geht. „Wir unternehmen bereits konkrete Schritte“, sagte er mit Verweis auf die 2025 beginnende Elektrifizierung des Streckenabschnittes Pilsen-Domazlice, die 2030 fertiggestellt sein soll. „Wir wollen die Geschwindigkeit auf 200 Kilometer pro Stunde erhöhen.“ Auch Autobahnen und Staatsstraßen, die im grenzüberschreitenden Verkehr wichtig sind, würden ausgebaut.
Kein Geld für grenzüberschreitenden Verkehr?
Söder bekräftigte, dass Bayern alles tun werde, damit die Bundesregierung auf deutscher Seite Tempo zulegt. „Es geht furchtbar langsam“, kritisierte er. Berlin fokussiere sich zu sehr auf das Deutschland-Ticket. „Das verbilligte Ticket ist gut“, aber wenn es am Ende nur dazu führe, dass das Angebot in Großstädten gut sei, grenzüberschreitende Verbindungen aber nicht ausgebaut werden könnten, weil kein Geld mehr dafür da sei, mache das keinen Sinn. „Wir wollen nicht nur ein Deutschland-Ticket, wir wollen auch ein Prag-Ticket haben.“
Mit dem Grenzlandkongress setzten Söder und Fiala ihre enge Zusammenarbeit fort. Erst vor einem Jahr hatten sich beide zu einer gemeinsamen Kabinettssitzung in Regensburg getroffen. Mit „ziemlich beste Freunde“ umschrieb Söder das gemeinsame Verhältnis. Das Treffen in Cham hat für die Grenzregion hohe Bedeutung. Der Chamer Landrat und Oberpfälzer Bezirkstagspräsident Franz Löffler sieht das ganz klar so. „Manche Tage haben das Potenzial in die Geschichte eines Landkreises einzugehen“, sagte er. Löffler ist stellvertretender Vorsitzende des „Beirats der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit Tschechien“, das beim Kongress ebenfalls an Bord war – erstmals unter Beteiligung der tschechischen Bezirke.
In Cham wurden Weichen für eine noch engere Vernetzung gestellt: „Wir bauen die Zusammenarbeit aus, wo es nur geht“, sagte Söder. Beide Seiten verpflichteten sich darauf, bei Rettungsdiensten, Feuerwehren und im Tourismus noch stärker zu kooperieren. Kommunikationssysteme der Feuerwehr-Einsatzzentralen werden optimiert. Auch eine gemeinsame Bekämpfung von Waldbränden ist beschlossene Sache.
Drei bilinguale Schulen geplant
Sprachbarrieren zwischen beiden Ländern will Bayern durch drei bilinguale Schulen aus dem Weg räumen: die Oberpfalz, Niederbayern und Oberfranken nannte Söder bei einer Pressekonferenz als Standorte. Die bayerisch-tschechische Parlamentariergruppe, die auf Einladung der Landtags-Koordinatoren Gerhard Hopp (CSU) und Jürgen Mistol (Grüne) am Rande zusammenkam, steckte sich ebenfalls große Ziele. Man werde die „Desinformation und Aufklärung von russischer Propaganda angehen“, so Hopp.
