Vorbild Paris: SUV raus aus Regensburg? So einfach ist das nicht

Die Deutsche Umwelthilfe appelliert an Regensburg, die Parkgebühren für schwere SUV zu erhöhen. Paris macht das nach einem Bürgerentscheid.
Juliana Meinhardt schnallt ihre kleine Tochter im Kindersitz an. Aus dem Heckfenster des SUV schaut ihr Hund, ein Australian Shepherd. „Nein“, sagt die 36-Jährige. Sie halte nichts vom Vorstoß der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die Parkgebühren für SUV in Innenstädten zu erhöhen. „Ich fahre ein großes Auto, habe aber auch viel zum Einladen. Meine Kinder mit zwei und vier Jahren, Kinderwagen und Laufrad.“ Hund Leo brauche auch Platz. Sie öffnet die Heckklappe. Im Kofferraum hat sich der Vierbeiner ausgestreckt. „Es gibt sicher kleinere, ältere Autos, die schlechter für die Umwelt sind.“ Ihr BMW X7, den sie am Obermünsterplatz geparkt hat, rollt zum Teil mit Batterie.
Meinhardt (Name geändert) ist überzeugt, dass auch nach einer Erhöhung der Parkgebühren die Stadtgeländefahrzeuge nicht aus den Straßen verschwinden werden. Dann zahlten die Leute eben mehr.
„Ich kaufe Bio-Lebensmittel“
Unter dem Motto „Monster-SUV raus aus meiner Stadt!“ fordert die DUH 150 Kommunen, darunter auch Regensburg, auf, höhere Parkgebühren für besonders große und schwere Autos zu verlangen. Das missbräuchliche Parken zu großer SUV (Sport Utility Vehicle) über die markierte Fläche hinaus solle konsequent kontrolliert und geahndet werden. Die DUH schickt den Städten ein Rechtsgutachten, das ihnen ihre Möglichkeiten aufzeigt. „Autos mit über fünf Metern Länge haben in unseren Städten nichts zu suchen“, sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Der BMW X7 von Juliana Meinhardt ist mit mehr als fünf Metern Länge und einem Gewicht von 3,2 Tonnen so ein Wagen.
Mit höheren Parkgebühren könnten Städte mehr Platz für umweltfreundliche Mobilität schaffen, sagt Resch. Regensburg ist auf der DUH-Liste, weil sich bei einer Mitmach-Aktion im Frühjahr Bewohner der Domstadt beteiligt haben. „Wir haben die Städte kontaktiert, die uns am häufigsten genannt wurden“, sagt Kornelia Mattern, DUH-Referentin für Verkehr und Lufteinhaltung. Ingolstadt, Erlangen und Nürnberg wurden ebenfalls angeschrieben.
SUV bundesweit im Trend
Durch Regensburg kurven immer mehr breite und schwere SUV. Laut Kraftfahrtbundesamt entfielen 2023 bundesweit über 30 Prozent der Neuzulassungen auf die Stadtgeländewagen. Die Fahrzeuge sind laut ADAC Südbayern bundesweit im Trend. Im bergigen Freistaat seien Modelle mit Allradantrieb besonders beliebt. Viele Geländewagen sind zumindest optional damit ausgerüstet.
Die DUH verweist auf Paris, wo eine knappe Mehrheit bei einem Bürgerentscheid dafür votiert hat, die Parkgebühren für schwere Besucher-Autos zu verdreifachen. Der Deutschen Umwelthilfe geht es jedoch um Einheimische und Gäste.
Die Sache ist aber nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick aussieht. Juliana Meinhardt sagt, sie denke durchaus umweltbewusst. „Man muss natürlich irgendwo anfangen. Ich kaufe Bio-Lebensmittel.“ Die Familie hat zwei E-Bikes mit Anhängern angeschafft. Doch zurzeit bremst sie der Regen aus. Christine F. parkt mit ihrem Porsche Macan (4,7 Meter lang, 2,4 Tonnen schwer) vor dem Denns Biomarkt an der Kumpfmühler Straße ein. Eine Gebührenerhöhung nur für SUV lehnt sie ab, weil ihr ein Parkplatz reiche. Die 69-Jährige hat sich für den hohen Macan entschieden, weil sie mit ihrer künstlichen Hüfte besser einsteigen kann. Wegen des Wagens werde sie schief angeschaut. Sie habe nicht gewusst, dass SUV so verpönt seien, sagt sie. „Dafür muss man sich heute entschuldigen. Ich würde mir keinen mehr kaufen.“
Gesamtkonzept stimme nicht
Ein Mittsechziger steigt bei Denns aus einem Volvo-SUV aus. Die Gebührendebatte kennt er. „Wenn die meinen, es bringt was, dann sollen sie es tun.“ Der Berufstätige betont, das Gesamtkonzept stimme nicht. Er würde oft gerne das Fahrrad nehmen. Weil die Radwege schmal seien oder fehlten, ist es ihm zu riskant. Der Fahrer, der anonym bleiben möchte, fordert, den motorisierten Verkehr weitgehend aus der Stadt zu verbannen. „Wenn man sicher Rad fahren kann, wird das in Anspruch genommen.“ Michaela Fröhlich ist vom VW ID.4 (4,5 Meter lang, 2,5 Tonnen schwer) auf einen Fiat 500 (3,5 Meter, eine Tonne) umgestiegen. Die 64-Jährige bezeichnet sich als Umweltmensch. „Wenn man die Städte autofreier haben will, sind teure Gebühren für SUV sinnvoll.“
Stadt will Gleichbehandlung
In ihren Augen müsste die Stadt mehr Parkmöglichkeiten am Stadtrand schaffen und die Anbindung optimieren. Das empfiehlt auch der ADAC Südbayern.
Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra erinnert an den gesetzlichen Rahmen bei den Parkgebühren. Diese dürften höchstens 50 Cent, in Gebieten mit besonderem Parkdruck allenfalls 1,30 Euro je angefangener halber Stunde betragen. Weitere Anpassungen der 2022 aktualisierten Verordnung seien derzeit nicht geplant. Es gebe auch keine Pläne, für einzelne Nutzergruppen in den Parkhäusern Preisaufschläge einzuführen. „Und es bleibt bei der Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmer bei Parkverstößen.“ In Bayern gebe es keine Möglichkeiten, für verschiedene Fahrzeugtypen unterschiedliche Parkgebühren zu verlangen.
Wie stellt sich das die DUH vor? Robin Kulpa, der stellvertretende Bereichsleiter Verkehr und Luftreinhaltung, hält höhere Parkgebühren für SUV am einfachsten bei den Bewohnerparkausweisen für realisierbar. Bei Kurzzeitparkplätzen mit Automaten sei der Verwaltungsaufwand nicht zu unterschätzen, sagt selbst der DUH-Fachmann.
Pariser Entscheid
Bürgerentscheid: Im Februar stimmte in Paris eine Mehrheit dafür, die Parkgebühren für „schwere, umweltverschmutzende Fahrzeuge“ ab 1,6 Tonnen zu verdreifachen. Ab September kostet eine Stunde Parken im Zentrum für Besucher 18 statt sechs Euro, in Außenbezirken zwölf statt vier Euro. Wie das Vorhaben umgesetzt wird, ist noch unklar.
Umwelt: Aus Pariser Sicht verstopfen die SUV die Straßen, stoßen viel CO2 aus, brauchen zu viel Parkraum und gefährden durch Gewicht und hohe Stoßstange die Radfahrer und Fußgänger stärker.
