Die Welt der Reichen und Schönen – Die Geschichte hinter den Luxusyachten aus Saal

Von Martin Rutrecht · 8. Juli 2024 um 19:00

Die Luxusyachten aus Saal (Landkreis Kelheim) gingen um die Welt. Königshäuser, Oligarchen und Selfmade-Millionäre griffen bei den Prunkstücken der PR marine zu. Peter Rammelmayr gründete den Yachtbau. In einem Buch enthüllt der 78-Jährige jetzt interessante Hintergründe – und blickt in die Welt der Reichen und Schönen.

Es war ein außergewöhnliches, spannendes, am Ende auch umstrittenes Kapitel der Wirtschaftsgeschichte. Peter Rammelmayr baute von Mitte der 1980er-Jahre bis ins Jahr 2000 mit der PR marine Luxusyachten nahe Kelheim. „Wenn ich über diese Zeit erzählte, wurde ich immer wieder angesprochen: Schreib das doch mal nieder“, sagt der heute 78-Jährige, der nun das Buch „Mutig und verrückt“ veröffentlichte. Drei Jahre Arbeit samt Auswahl von Bildern stecken drin.

Bei Michail Gorbatschow an Bord

Allein die Fotos zeigen die schillernde Welt, die der Niederbayer mit seinen Yachten erschloss: das schwedische Königspaar Carl Gustaf und Silvia an Bord eines Saaler Schmuckstücks, ein Treffen mit Ex-Präsident Michail Gorbatschow auf dessen Yacht oder Ball-Vergnügen in Monaco mit dem amerikanischen Autohandel-Multimillionär John Staluppi (geschätztes Vermögen: 500 Millionen US-Dollar). Letzterer bestellte auch die „Golden Eye“, die glanzvoller Höhepunkt der PR marine mit damals fast 200 Mitarbeitern war und gleichzeitig den Niedergang einleitete, als sie 1998 beim Transport zur Bootsmesse in Düsseldorf vom Haken fiel.

„24 Millionen Mark haben uns der Unfall und die Folgen gekostet“, verrät Rammelmayr im Buch. Das brachte die PR marine zum Kentern. „Ich hätte früher Insolvenz anmelden sollen“, gesteht der Gründer, gegen den ein Gericht später auch eine Bewährungsstrafe verhängte. Doch ein geplanter Börsengang und weitere Aufträge – unter anderem eine 38-Meter-Yacht („Tilac“) – ließen ihn noch hoffen. „Ich wollte weiter kämpfen.“

Früh begeisterte sich Rammelmayr für Wassersport und Yachten. „Als 17-Jähriger bewunderte ich in St. Tropez das Leben von Menschen wie Brigitte Bardot oder Gunter Sachs.“ Im Buch schreibt er: „Ich entdeckte, dass Luxusgüter ein Markt sind.“ Zuvor probierte er auch andere Wege aus − und trat als junger Gitarrist mit einer Band auf.

Fluchthelfer für DDR-Bürger mit zwei Kindern

Mit dem An- und Verkauf von Booten begann Rammelmayr, der heute noch einen Verleih im Hafen Kapfelberg betreibt, in 1973. Ein Jahr später verhalf er einem Vater mit zwei Kindern zur Flucht aus der DDR, als er in Berlin mit einem Lkw ein ramponiertes Boot abholte. „Er sprach mich auf einem Parkplatz an.“ Im Motorraum des Schiffchens versteckt, passierten sie unentdeckt die Grenzkontrolle. Die Schilderung der Aktion zählt zu den fesselndsten Kapiteln des Buchs.

Im Jahr 1986 schlug die Geburtsstunde der PR marine. Mit seinem Schwager, einem Schiffsbauingenieur, baute Rammelmayr, der nach FH-Studium als Maschinenbauzeichner arbeitete, eine 22-Meter-Yacht für den damaligen Präsidenten von Ghana. Mit Grundstückskäufen verlegte die Firma, die anfänglich vier Mitarbeiter zählte, ihren ursprünglichen Sitz von Kapfelberg nach Saal. „Lady C“, „Natalie“ oder „Galactica“ hießen die nächsten Yachten, die Ausstattungen wurden immer luxuriöser, bis hin zur 24-Karat-Vergoldung des Interieurs.

Faible fürs Fliegen, Oldtimer und Opernball

Zwischen flechtet der Autor auch ein, wie er die Fliegerei entdeckte. Und sich einen Helikopter anschaffte, mit dem er auch Kunden vom Flughafen in München abholte. Dem Reisen oder Oldtimern fröhnte Rammelmayr ebenso – oder dem Wiener Opernball. Bei den Yachten tastete man sich an die 25-Meter-Länge heran. Als „Competence-Serie“ wurden mehrere Boote ausgeliefert, eines über 7000 Kilometer auf dem Wasser nach Dubai.

Ein umfangreiches Schlusskapitel gehört der „Golden Eye“ und dem „Crash“, wie Rammelmayr die Folgen bis zur Insolvenz im Jahr 2000 betitelt. „Man kann umfallen, muss aber wieder aufstehen“, notiert der 78-Jährige, der als Berater einer Nachfolgefirma auch für eine Yacht für den Präsidenten der Malediven verantwortlich zeichnete. Als „sehr persönlich“ stuft Rammelmayr sein Buch ein. Anspruch auf Objektivität erheben Lebensbiografien ohnehin selten.

Das Buch

Werk: Das Buch „Mutig und verrückt – Mein Leben vom Wassersportler zum Luxus-Yachtbauer“ ist im Bauer-Verlag (Schierling) erschienen. Die 200 Seiten kosten als Hardcover 49,50 Euro, als Softcover 43,50. Erhältlich ist das Buch direkt bei Peter Rammelmayr unter E-Mail: peter-rammelmayr@t-online.de.

Autor: Ursprünglich wandte sich Rammelmayr an einen Ghostwriter. „Meine ersten Versuche lasen sich wie Gebrauchsanweisungen.“ Letztlich verfasste er die Texte aber alle selbst.

Peter Rammelmayr erstellte sein Buch in rund drei Jahren Arbeit. Foto: Rutrecht
Auch das schwedische Königspaar Carl Gustaf (l.) und Silvia (3. v. r.) ließ sich von Peter Rammelmayr (2. r.) eine Saaler Yacht zeigen. Foto: Rammelmayr
Drei Yachten liegen im Saaler Hafen: Ab Mitte der 1990er-Jahre florierte PR marine – bis es zur Insolvenz kam. Foto: Rammelmayr