Über Wirtshaussingen zum Virtuosen: Kelheimer glänzt auf Akkordeon und Steirischer

Begonnen hat er schon als Vierjähriger. Mit der „Inselmusi“ sang er im Wirtshaus. 20 Jahre später ist aus dem Kelheimer Josef Wallner ein Akkordeon-Virtuose geworden, der jüngst einen Musikwettbewerb in Bamberg gewann. Sein Talent spielt der Student auch auf anderen Instrumenten aus.
Erster Preis beim Irmler-Wettbewerb (benannt nach einem Musikförderer) an der Uni Bamberg, zweiter Platz mit der Steirischen beim Musikpreis des Deutschen Harmonika-Verbandes in Ettlingen: Josef Wallner hat gerade abgeräumt. „Das ist eine schöne Bestätigung. Wobei ich auf solche Wettbewerbe anfangs nicht so scharf war, weil ich nicht im Rampenlicht stehen muss“, sagt der 24-jährige Kelheimer.
Ein Schnitzel und eine Limo für den Buben
Dabei ist er die Öffentlichkeit seit seiner Kindheit gewohnt. Sein Vater Dietmar („Didi“) spielt Gitarre und begründete mit Stefan Fritz am Akkordeon vor vielen Jahren die – inzwischen aufgelöste – „Inselmusi“. „Bei den Proben hat er als Vierjähriger daheim mitgesungen und uns zu Musikantenstammtischen begleitet“, erinnert sich der Papa. Beim Berzl, blickt der Sohn zurück, gab’s nach Auftritten „ein Schnitzel und eine Limo für mich – das Schönste für einen Buben“.
Von einem Akkordeon war damals noch nicht die Rede, auch nicht später, als er die musikalische Früherziehung besuchte. „Aber meine Mutter spielt Akkordeon und so bin ich auf das Instrument gekommen.“ Ab dem Alter von sieben Jahren erhielt Wallner Unterricht an der Städtischen Musikschule Kelheim. „Er hat immer freiwillig geübt und musste nie dazu angehalten werden“, sagt der Papa. Nach sechs Jahren ging es weiter an die Musikwerkstatt in Saal a. d. Donau. „Da hatte ich die konkrete Vorstellung, dass ich auch Klavier lernen wollte.“
Seit 2019 lebt er in Bamberg
Bei Musiklehrer Fritz Krebler reifte er auf beiden Instrumenten heran, absolvierte die Realschule in Riedenburg und die FOS Kelheim. Und wurde von Krebler angestupst: „Mach’ doch was aus deinem musikalischen Talent.“ An der Uni Bamberg fand Wallner einen Studiengang für Lehramt an Berufsschulen für Sozialpädagogik und Musik, wo er nach erfolgreicher Eignungsprüfung auch im Akkordeonspielen unterrichtet wurde. Im Jahr 2019 zog er nach Bamberg, wo er auch heute lebt.
Seine Akkordeon-Dozentin Oksana Reiter war angetan von den Fortschritten des Kelheimers und schlug ihm vor, es doch auch mit einem Studium an der Hochschule für Musik in Nürnberg zu versuchen. „Ich wollte auch weiterkommen. Mit einem Akkordeon kann man wahnsinnig viel machen“, sagt Wallner. Nach wiederum erfolgreicher Aufnahmeprüfung studiert Wallner seit dem Wintersemester 2022/23 nun auch in Nürnberg und hat dort zweimal in der Woche Akkordeon-Unterricht.
Er unterrichtet schon eigene Schüler
Damit pendelt der 24-Jährige zwischen zwei Unis – und hat an der Musikschule Forchheim schon eigene Schützlinge. „Das ist ein wenig Zubrot, um beide Studien und die Instrumente zu finanzieren.“ Im Lehramts-Studium in Bamberg hat er mittlerweile den Bachelor abgelegt und strebt den Masters-Abschluss an. Dort war auch der Irmler-Musikwettbewerb aufgerufen, der zum 35. Mal stattfand. Ein 20-minütiges Programm hatten die Teilnehmer vorzutragen, Dozenten saßen in der Jury.
Wallner spielte Stücke aus dem Barock, der Neoromantik und neuere Musik. „Das allein zeigt, wie vielfältig ein Akkordeon ist. Klanglich hat es eine ungemeine Bandbreite, mit der man alle Emotionen ausdrücken kann. Leider steckt es immer noch in der Ecke eines Musikantenstadls.“ Der Tango Nuevo, geprägt von Astor Piazollo, ist eine weitere Stilrichtung, die der Kelheimer liebt. Sein Vortrag brachte ihm den ersten Preis.
Ein Volksmusik-„Bladlbeißer“
Echte Volksmusik lehnt der Kelheimer keineswegs ab. Als Mitglied der „Bladlbeißer“ tritt er in seiner Heimat auf, in die er alle „zwei, drei Wochen“ fährt. Und mit seiner Steirischen – die er neben einem Akkordeon für 13.000 Euro besitzt – brachte er beim Wettbewerb des Deutschen Harmonika-Verbandes Landler und andere Weisen zu Gehör. Platz zwei hinter einem Kommilitonen sprach ihm die Jury zu.
Ohne Fleiß kein Preis gilt hier wortwörtlich. Wallner übt zwei bis drei Stunden pro Tag auf dem Akkordeon. Zwischendrin fliegen die Finger auch übers Klavier. Und ein drittes Instrument nimmt er auch unter die Hände: Orgel. Bei Organist Roman Puck-Biersack erhält er in der Kelheimer Pfarrei Maria Himmelfahrt Unterricht. „Es macht Freude, mal eine Messe zu spielen“, sagt Wallner. In dieser Pfarrei gehörte er früher auch dem Kirchenchor an, ebenso dem inzwischen aufgelösten Ensemble „Kreuz und Quer“ in Affecking.
Profi-Musiker ist mit Akkordeon ein ferner Traum
Den Traum vom Profi-Musiker hegt Wallner, „aber mit Akkordeon ist das schwierig. Man kann nicht wie mit Geige eine Orchesterstelle anvisieren.“ Daher sieht er sich eher als Lehrer an einer Berufsschule oder ähnlichen Einrichtung, mittelfristig auch im Raum Kelheim. „Parallel könnte ich an einer Musikschule unterrichten und auch auftreten. Ich lasse mir alle Türen offen.“
An der Musikhochschule in Nürnberg dauert seine Akkordeon-Ausbildung noch zwei Jahre, vielleicht knüpft er mit dem Master an, „vielleicht mache ich ein Auslandssemester“. Seine Eltern würden dann die Heimat-Besuche wohl noch mehr vermissen, denn Vater Didi Wallner sagt: „Wenn er zu Hause ist und übt, haben wir praktisch jeden Tag Konzert.“
Nicht nur Musik im Kopf
Unterschied: Mit einem Akkordeon, so erklärt Josef Wallner, könne man alle Tonarten spielen. Die Steirische Harmonika bilde vier Tonarten ab, je nach Drücken oder Ziehen erklingen bei einem Knopf zwei unterschiedliche Töne.
Auftritte: Wallner spielt nicht nur bei Wettbewerben oder Prüfungen vor. Um sich auf solche Herausforderungen vorzubereiten, gehen die Musikstudenten auch in Altheime, wo sie ihr Programm wie bei einer Generalprobe vortragen. Mit ihm studieren vier weitere Kommilitonen in der Akkordeon-Klasse.
Hobbys: „Musik allein wäre mir zu einseitig“, sagt Wallner. Über die Wasserwacht Kelheim entdeckte er das Schwimmen für sich. Zuhause paddelt er auch im Kanuclub. Abstecher in Kneipen gehören für den Single auch zur Freizeit.
