Kolosse und Eidechsen: So sieht die „Rennstrecken“-Baustelle Kelheim-Ihrlerstein aus

Von Etienne Nückel · 27. Juni 2024 um 15:00

Der erste Bauabschnitt beim Ausbau der Staatsstraße 2233 („Rennstrecke“) zwischen Kelheim und Ihrlerstein läuft. Während mächtige Maschinen Straße und Hang abtragen, läuft eine Rettungsaktion für ganz kleine „Anwohner“. Eindrücke von der Baustelle.

Die Fräse frisst sich unaufhaltsam durch den Asphalt. Links und rechts wird sie von zwei Bauarbeitern flankiert. Die werfen prüfende Blicke zwischen die Ketten, wo die stählerne Fräswalze die knochenharte Fahrbahn binnen Sekunden zu Staub zermahlt. Weil früher Teer verwendet wurde, gilt die Fahrbahn als belastet und muss entfernt werden. Den Schutt spuckt die Maschine über ein Förderband auf einen Laster. Vielleicht 50 Meter weit kommt das Gespann, dann ist der Laster voll und muss den Schutt wegfahren. Die gefräßige Fräse darf kurz durchschnaufen.

Alle Details zur Sperrung der Staatsstraße finden Sie hier.

Der Ausbau der Staatsstraße 2233 zwischen Kelheim und Ihrlerstein, gemeinhin Rennstrecke genannt, hat ein Schneise in das idyllische Kelheimer Tal, zwischen Wiesen, Felder und die Gärten der Anwohner am Sonnenhang geschlagen. Kolosse graben, fräsen und buddeln sich durch die Natur, um Platz für die verbreiterte Fahrbahn, den neuen Geh- und Radweg, den Kreisel an der Abzweigung zur KEH 25 (Richtung Frauenhäusl, Viehausen und Sinzing) und ein Regenrückhaltebecken zu schaffen. Neben der Fräse sind da auch drei Bagger, die in einer Mondlandschaft aus Baumstümpfen einen Hügel abtragen, um Patz für das Rückhaltebecken zu schaffen. Ein mächtiger Muldenkipper fährt mühelos tonnenweise Aushub weg.

Neben der „Rennstrecke“ entsteht ein Paradies für Eidechsen

Am anderen Straßenrand macht sich derweil ein weiterer Hüne ans Werk, diesmal ein menschlicher: Andreas Handl von der Paintner Firma Holzprofi Handl hat sich eigentlich auf besonders schwierige Baumfällungen spezialisiert – beispielsweise an unzugänglichen Hängen, wo er sich mit der Kettensäge in der Hand abseilen muss. Aber heute kümmert sich Handl, der schon in der Schule immer der Größte und Stärkste war, um ganz kleine Lebewesen: Im Auftrag des Staatlichen Bauamtes Landshut (hat die Gesamtverantwortung) soll er die Böschung mähen, damit Naturschützer die dort lebenden Eidechsen einsammeln und in ein Reservoir umsiedeln können.

Hinter dem Stadl des ehemaligen „Strobl-Gütl“ – auch das musste dem Ausbau weichen – wurde ein kleines Echsen-Paradies angelegt, mit Stein- und Totholzhaufen zum Sonnen und Verstecken und einem Kunststoff-Zäunchen. Das soll verhindern, dass die kleinen Echsen sozusagen auf dumme Gedanken kommen und in ihr altes Domizil an der Rennstrecke zurückkehren wollen.

Auch am alten Stadl wurde Lebensraum für Tiere geschaffen. Handl hat dort Kästen für die Fledermäuse angebracht und die Fensterlöcher mit Holz verschalt. Mit kleinen Durchlässen für Schwalben. Die nisten dort, weiß Handl, er habe schon etliche beobachtet. Eidechsen hat er indes noch keine gesehen. Naturschutz ja, aber man müsse manchmal „schon die Kirche im Dorf lassen“, sagt Ihrlersteins Bürgermeister Thomas Krebs über die Eidechsen-Schutzmaßnahmen. Er hat während der Baumaßnahmen vor allem die Verkehrssituation im Blick. Denn eine Umfahrung über die KEH 5 („Panzerstraße“) gibt es zwar und von Lkw werde diese auch genutzt, so Krebs. Aber Ortskundige würden vielfach über den Gronsdorfer Weg, beziehungsweise Am Herzberg und Hauptstraße fahren, was bei den Anliegern zu entsprechender Belastung führe.

Ihrlersteins Bürgermeister: „Froh, wenn es vorbei ist“

Ein Großteil der Anwohner hat laut Krebs Verständnis für die Maßnahme. Eine Ampel oder Tempo 30, wie mehrfach angefragt, werde man wohl nicht einführen, kündigt Krebs an. Man wolle schließlich den Verkehr möglichst schnell aus dem Ort heraus haben und die Polizei habe sich auch gegen solche Maßnahmen ausgesprochen. Nun gelte es, gemeinsam die rund zwei Jahre Straßenbau auszuhalten, sagt Krebs. Denn für Ihrlerstein sei der Ausbau eine gute Sache und von den Bürgern mehrheitlich gewollt. Als Bürgermeister ist Krebs „froh, dass es gemacht wird. Und froh, wenn es vorbei ist.“

Andreas Handl, von Beruf Baumfäller, mäht die Böschung, damit Naturschützer Eidechsen einsammeln können.
Fräse trägt die alte Fahrbahn ab.
Die Fahrbahn enthält Teer, darum muss sie entfernt werden.
Die Eidechsen werden in dieses „Paradies“, ein Stück abseits der Straße, umgesiedelt.
Die Baustelle von der Abzweigung KEH 25 (Richtung Frauenhäusl, Viehausen und Sinzing) in Blickrichtung Ihrlerstein
In dieser Schneise soll der neue Geh- und Radweg angelegt werden.
Fledermauskästen wurden an dem alten Stadl angebracht.