Nach Silvester-Randalen in Regensburg: Höchste Strafe für tunesischen Hauptaggressor

Dritte Runde im Prozess um die Randale im Hemingways in Regensburg. Am Donnerstag bekam ein 35-jähriger Tunesier die Quittung für einen Gewaltexzess in der Silvesternacht. Er soll damals der Hauptaggressor gewesen sein – und muss nun für fast vier Jahre in Haft.
Gemeinsam mit zwei anderen Tunesiern belästigte der Angeklagte in jener Nacht mehrere Frauen in der Gaststätte in der Oberen Bachgasse. Die Mittäter waren am Dienstag und vorvergangene Woche zu drei Jahren sowie zwei Jahren und vier Monaten Haft.
Das Trio wurde rausgeworfen – und begann damit, Flaschen in die Menschenmenge und gegen die Fenster zu werfen. Kurz ließen sie ab, bogen einmal um die Ecke, doch der Angeklagte kam noch einmal zurück, brach eine Flasche ab und warf sie in die Lendengegend eines Gastes.
Silvester-Randale: Junger Mann wäre fast gestorben
Der junge Mann nahm am Donnerstag abermals im Zeugenstand Platz. Ursprünglich war die Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass der Tunesier, der am Dienstag verurteilt wurde, den Zeugen mit der Flasche attackiert hatte. Im Prozess vor wenigen Tagen betonte er allerdings, dass er vielmehr von dem 35-Jährigen, der am Donnerstag angeklagt war, angegriffen wurde. In der Verhandlung am Donnerstag erkannte der junge Mann den Täter. Durch die Attacke wurde der Zeuge schwer verletzt. Nur eine Not-Operation rettete sein Leben.
Er habe schon zuvor unter Depressionen und einer Angststörung gelitten, durch die Vorfälle an Silvester sei alles aber noch einmal schlimmer geworden. Weitere Zeugen, die in der Silvesternacht im Hemingways zugegen waren, unterstrichen, mit welcher Brutalität die drei Tunesier vorgegangen waren. Der 35-Jährige scheint nach diesem Angriff allerdings noch nicht genug gehabt zu haben. Er zog mit einem Freund weiter in eine nahe gelegene Cocktailbar und zechte weiter. Zu vorgerückter Stunde wurde er hinausgebeten – und rastete erneut aus. Er schmetterte dem Bar-Betreiber ein gläsernes Teelicht an die Stirn und flüchtete. Dabei rannte er gegen eine Regenrinne und blieb halb bewusstlos liegen, wie Zeugen schilderten.
Angeklagter kam wegen Geld nach Deutschland
Der Angeklagte schwieg über weite Strecken des Prozesses. Er sagte, er sei im September nach Deutschland gekommen, „wegen Geld.“ Aus Tunesien sei er geflohen, weil er in Streitigkeiten zwischen seiner Familie und einer anderen verwickelt wurde. Kurz vor Ende der Beweisaufnahme meldete er sich nochmals zu Wort. Er gab zu, in eine Schlägerei verwickelt gewesen zu sein, er selbst sieht sich aber als Geschädigter.
Staatsanwalt Konstantin Voges bezeichnete es in seinem Plädoyer als „Meisterstück“, dass die Justiz ein solch diffuses Tatgeschehen wie in der Silvesternacht lückenlos aufgeklärt habe. Er forderte vier Jahre Haft. Verteidiger Marius Hoser stellte keine Anträge zur Strafhöhe.
Das Schöffengericht unter Vorsitz von Andrea Costa verurteilte den Mann schließlich zu drei Jahren und zehn Monaten Haft. Der Angeklagte sei Hauptaggressor in der Silvesternacht gewesen. Sein eigenes Schicksal sei kein Grund für so einen gewalttätigen Exzess gegen friedlich feiernde Menschen in einem Land, in dem er selbst Schutz suche. „Denken Sie mal darüber nach.“