Zweites Urteil nach Silvester-Randalen in Regensburg: Tunesier muss in Haft

Das neue Jahr begann für die Besucher des Hemingways in der Oberen Bachgasse in Regensburg mit einem Alptraum: Drei Tunesier begrapschten Frauen, wurden hinausgeworfen und warfen daraufhin mit Flaschen gegen das Lokal.
Am Dienstag stand ein 31-Jähriger vor dem Amtsgericht, der einem Besucher eine abgebrochene Flasche in die Lende geworfen haben soll. Der junge Mann wurde dadurch schwer verletzt. Vor Gericht stellte sich heraus, dass alles doch ein wenig anders war.
Aber von vorne: Zunächst räumte der Angeklagte über seinen Anwalt Shervin Ameri die Vorwürfe ein – darunter auch die Attacke auf den jungen Mann. Sein Mandant sei in jener Silvesternacht sehr betrunken gewesen, so Ameri. Eine Art Gruppendynamik habe zu dem Vorfall geführt. Der 31-Jährige fiel seinem Verteidiger immer wieder ins Wort. Unter Tränen erklärte der Tunesier, dass ihm die Haft zusetze. Er habe keinen Tabak, sagte er in brüchigem Deutsch. Anwalt Ameri betonte, dass seinem Mandaten die Tat leidtue.
Silvester-Randale in Regensburg: Mann durch Not-OP gerettet
Vor Amtsrichterin Andrea Costa nahm sodann ein 25-Jähriger Platz, dem in der Tatnacht eine Flasche in die Lende geworfen wurde. Er verlor sehr schnell viel Blut, eine Not-Operaration rettete ihm wohl letztlich sein Leben. Zunächst betonte der junge Mann, dass der Angeklagte „sein Täter“ gewesen sei. Dann die Wende: Die Prozessbeteiligten sahen sich ein Video der Tat an, das nach Silvester auch in sozialen Netzwerken schnell die Runde machte. Dabei deutete der Geschädigte auf einen anderen der drei Tunesier und bekräftigte, dass dieser ihm die Flasche in die Lenden geworfen habe. Richterin Costa: „Das ist aber nicht der Angeklagte.“
Dem Zeugen wurde daraufhin ein Foto eines weiteren der drei Tunesier vorgelegt. Darauf glaubte er, denjenigen zu erkennen, der ihn verletzt habe. Dieser Mann steht allerdings erst am Donnerstag vor Gericht. Dann wird auch der Geschädigte erneut aussagen. Der Dritte im Bunde wurde bereits vor zwei Wochen zu drei Jahren Haft verurteilt. Eine Reihe weiterer Zeugen beschrieben den Angriff der drei Männer als äußerst brutal. Flaschen seien regelrecht auf das Lokal eingeprasselt.
Angeklagter kam nach Deutschland, um nach einem „besseren Leben“ zu suchen
Der Angeklagte sagte, er sei vor rund einem Jahr nach Deutschland gekommen, um „ein besseres Leben“ zu suchen. Seine achtjährige Tochter ließ er zurück. Bruder und Vater des Angeklagten lebten bereits in der Bundesrepublik. Nach der Schule habe er in Tunesien eine Autowerkstatt aufgebaut, durch Corona geriet er allerdings ins Straucheln. Außerdem sei er an Hautkrebs erkrankt. Auf Nachfrage seines Anwalts sagte er, er möchte Deutschland erst mal nicht verlassen, sondern Arbeit finden, wenn er aus der Haft entlassen wird.
In seinem Plädoyer forderte Staatsanwalt Konstantin Voges eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Es bestehe kein Zweifel daran, dass der Angeklagte an den Ausschreitungen beteiligt war, so Voges. Anwalt Shervin Ameri betonte, dass die Geschehnisse in dieser Nacht ein No-Go seien. Sein Angeklagter habe sich mitreißen lassen und sei sehr betrunken gewesen. Zudem solle man nicht alle drei Beteiligten über einen Kamm scheren, weshalb zwei Jahre Haft auf Bewährung genügten.
Silvester-Randale: So fällt das zweite Urteil aus
Richterin Andrea Costa verurteilte den 31-Jährigen schließlich zu zwei Jahren und vier Monaten Haft. Es sei klar, dass er mit Flaschen geworfen habe. „Sie hatten riesiges Glück, dass sie niemanden getroffen haben. Das war reiner Zufall.“ Die Tat sei durch massive Gewalt geprägt gewesen. „Ein Jahr sollte schön beginnen, nicht mit einer solchen Tat.“
Der Angeklagte kann gegen das Urteil Berufung einlegen.
Am Donnerstag steht der letzte der drei Tunesier vor Gericht. Dann wird sich zeigen, ob er es war, der dem 25-Jährigen eine Flasche in die Lenden geworfen hat.