Ist eine Mückenplage in Neumarkt zu befürchten? Eine Expertin klärt auf

Von Anika Ferko · 4. Juli 2024 um 17:00

Mückenspray und starke Nerven: Ein Muss für diejenigen, die derzeit in Süddeutschland, etwa am Ammer- oder Bodensee, unterwegs sind. Das Hochwasser hat ideale Bedingungen für Überschwemmungsmücken geschaffen – nicht zu verwechseln mit der gewöhnlichen Stechmücke. Im Landkreis Neumarkt sind die Plagegeister noch in der Minderheit. Eine Biologin erklärt die Gründe.

Thomas Dietmayr ist selbst überrascht von der geringen Anzahl an Mücken heuer. Dietmayrs Vater betreibt den Campingplatz Sippelmühle in Deining – mit einem Weiher direkt am Campingplatz. Ideal für die lästigen Plagegeister, sollte man meinen. „So wenig Mücken hatten wir noch nie“, sagt Dietmayr jedoch. Es kämen auch keine Beschwerden von den Gästen, im Gegenteil. Die Besucher, die aus den Großstädten anreisten, würden mehr von Mücken in den Städten, die von Hochwasser betroffen waren, klagen. Auffällig sei jedoch die Anzahl an Wespen inklusive ihren Nestern am Campingplatz, stellt Dietmayr fest.

Eine Plage bedeutet: 20 Stiche pro Minute

Auf Anfragen beim Landratsamt Neumarkt und diversen Gemeinden im Landkreis Neumarkt wird schnell klar: von einer ungewöhnlichen Mückenplage kann man bislang nicht sprechen. Auch die Gemeinden Freystadt, Velburg, Sengenthal, Pilsach und Berngau, die von dem Hochwasser durchaus betroffen waren, könnten bislang nichts Außergewöhnliches feststellen.

Laut Silke Göttler kann erst dann von einer Mückenplage gesprochen werden, wenn eine Person pro Minute 20-mal gestochen wird. Göttler ist Biologin in Regensburg und arbeitet für das Unternehmen Biogents, das sich mit Mücken und deren Bekämpfung beschäftigt.

20 Stiche pro Minute: Solche Ausmaße seien aktuell in Süddeutschland, etwa am Starnberger See oder Ammersee zu finden. Der Grund: die Überschwemmungsmücke. Dort seien regelrecht „schwarze Wolken am Himmel“ zu sehen, berichtet die Biologin.

Überschwemmungsmücken schlüpfen schlagartig

Die Überschwemmungsmücke, die sich klar von der gewöhnlichen Hausmücke unterscheidet, trete gehäuft an Seen und Flüssen auf. Sobald das Ei in Wiesen abgelegt wird, kann dies mehrere Jahre überdauern. „Die Wiesen müssen geflutet werden, damit die Überschwemmungsmücke sich entwickeln kann“, erklärt Göttler. Innerhalb von zwei Wochen würden die Plagegeister massenhaft schlüpfen und sich auf die Suche nach menschlichem Blut machen. Bis zu 100 Millionen Tiere pro Hektar würden schlagartig ausschwärmen, heißt es in einer Presseinformation von Biogents.

„Eine Plage von Überschwemmungsmücken in Neumarkt hätte man bereits mitbekommen“, betont die Biologin. Zwar sei Neumarkt und Umgebung nicht von dem Hochwasser verschont geblieben, jedoch sei es „keine klassische Region für Überschwemmungsmücken“. Es fehlen große Grünflächen an Gewässern die überschwemmt werden wie zum Beispiel entlang der Donau.

Eine andere Strategie dagegen fährt laut Göttler die gemeine Hausmücke, die ihre Eier zum Beispiel in Regentonnen, Gießkannen oder Pflanzenuntertöpfe ablegt. Die Regenfälle der vergangenen Wochen und die warmen Temperaturen seien ideal für die Insekten. „Die Brutstätte wird immer wieder neu befüllt mit Regen.“ Ein leichtes Spiel für die Tiere.

Hausmücke: Vermehrtes Auftreten im Landkreis Neumarkt möglich

Nach dem Schlüpfen der Mücke folge die Suche nach der Blutmahlzeit. Fündig geworden, legt die Hausmücke ein Eierpaket mit bis zu 300 Eiern ab. „So wächst die Population stetig an. Es ist eine dauerhafte Schleife“, sagt Göttler. Im Landkreis Neumarkt sei deshalb ein „vermehrtes Auftreten an normalen Hausmücken“ durchaus möglich.

In Zukunft wird laut der Mückenexpertin noch eine weitere Art bayernweit Einzug halten: die Tigermücke. Es sei nur eine Frage der Zeit. In Fürth etwa hat sich bereits eine ziemlich große Population etabliert. Im Kreis Neumarkt und Regensburg seien bislang noch keine Funde bestätigt worden, sagt Göttler. Die Tigermücke könne Krankheiten wie das Dengue-Virus übertragen und müsse gefährlicher eingestuft werden.

Höhere Nachfrage in Neumarkter Apotheken

Ein Blick in die Regale der Neumarkter Apotheken zeigt: Noch gibt es genügend Mittel gegen die kleinen Blutsauger. Peter Dorfner ist Inhaber der Kloster-, Rathaus- und Marienapotheke in Neumarkt. Im Mai und Juni seien mehr Mückenmittel als sonst verkauft worden, berichtet Dorfner. Das habe seiner Meinung nach jedoch eher mit der Aktualität in den Medien und den Urlaubsplänen der Kunden zu tun – weniger mit der Lage in Neumarkt. Von Lieferengpässen seien Dorfners Apotheken bislang nicht betroffen.

Auch die Löwenapotheke habe aktuell Mückenmittel vorrätig, erklärt Michaela Benz, zuständig für die Bestellungen. Jedoch seien sowohl die Sprays Autan und Anti Brumm sowie der Stichheiler Biteaway über den Großhandel nicht mehr bestellbar.

Was hilft gegen die Plagegeister

Natürliche Abwehr: Laut Apotheker Peter Dorfner soll es helfen, stark riechende Pflanzen an die Fenster zu stellen, beispielsweise Zitronenmelisse, Lavendel, Rosmarin oder Basilikum. Zudem können Insektenschutzgitter und Moskitonetze zur Mückenabwehr dienen.

Stichheiler: Wenn die Mücke zugestochen hat, helfen sogenannte Stichheiler wie von der Marke „Biteaway“. Über eine heiße kleine Platte, über 60 Grad, wird die Einstichstelle für einige Sekunden erhitzt. Die Hitze tötet das Eiweiß in der Einstichstelle ab. Laut Dorfner sollte der Stichheiler jedoch nicht im Gesicht angewendet werden und ist für Kinder ungeeignet. Zudem empfiehlt Dorfner typische juckreizstillende Salben wie „Fenistil Gel“ griffbereit zu haben.

Abwehrsprays: Chemische Sprays wie etwa „Autan“ oder „Anti Brumm“ helfen laut Dorfner sehr gut bei Insektenabwehr.

Wasserstellen vermeiden: Da die Hausmücke ihre Eier in stehendes Wasser ablegt, sollte man etwa Regentonnen und Pflanzenuntersetzer regelmäßig ausleeren.

Stichheiler und Abwehrsprays sind besonders beliebt bei den Neumarktern, weiß Apotheker Peter Dorfner. Foto: Anika Ferko