Haus Ritter Haug: Nach Insolvenz des Trägers steht Parsberger Seniorenheim auf eigenen Füßen

Das Seniorenheim Haus Ritter Haug in Parsberg stand Ende November vor der Schließung. In dramatischen Verhandlungen gelang es damals, die Einrichtung zu erhalten. Doch damit standen die Einrichtungsleiterin Andrea Bogner und ihr Team erst am Anfang eines steinigen Wegs in eine sichere Zukunft.
Wer auf die zwei turbulenten Tage, den 29. und 30. November, zurückblickt, kommt nicht umhin, sie als tränenreich einzustufen. „Erst haben wir wegen der Schließung geweint, dann flossen die Freudentränen als klar war, dass es weiter geht“, erzählt Bogner. Dazwischen gab es Verhandlungen zwischen Lars Urbansky, Vorstand des Immobilieneigentümers Deutsche Wohnen, Fabian Blanda, Geschäftsführer der damals insolventen Novent-Holding GmbH, und Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer. Die dort ausgearbeitete Vereinbarung ermöglichte den Aufbruch in eine neue Zeit.
Denn während das Haus Ritter Haug unter der Trägerschaft der Korian Deutschland GmbH und der Novent GmbH zentral durch den Träger verwaltet wurde, führte der neue Weg zuerst einmal in die Selbstständigkeit. Unter dem Dach der damals neugegründeten Noventus Care GmbH gibt es zwar mehrere Seniorenheime in ganz Deutschland, die dem Träger gehören, die aber jeweils als eigenständige GmbH geführt werden.
Viele neue Aufgaben für das Leitungsteam
In Parsberg ist das die Parsberg Betriebs GmbH. „Das heißt, es gibt niemanden mehr, der ein Defizit ausgleicht. Wir müssen so gut arbeiten, dass wir uns selbst finanzieren können und profitabel sind“, berichtet Bogner, die nun ganz neue Aufgaben übernehmen musste.
„Ich habe ja noch nie einen Versorgungsvertrag beantragt und auch noch nie eine Pflegesatzverhandlung gemacht“, erzählt die Einrichtungsleiterin von ihren ersten Schritten im Januar. Sie sei hier den Ansprechpartnern beim Verband der Pflegekassen unheimlich dankbar, dass diese ihr geholfen haben, mit der Materie vertraut zu werden. Dies sei ein sehr gutes Zusammenarbeiten gewesen, bei dem sie immer ein „gegenseitiges Wohlwollen“ gespürt habe. Bogner: „Da hat man schon gemerkt, die wollen uns ja helfen, die wollen, dass das Haus weiter besteht und auch gut funktionieren kann.“ Inzwischen habe sie sehr viele gute Kontakte aufgebaut.
Gleichzeitig wurden die Weichen dafür gestellt, dass die Einrichtung künftig profitabel ist. „Wir haben natürlich durch die neuen Pflegesätze eine moderate Kostensteigerung für die Bewohner erlebt“, sagt Bogner. Die Einrichtung habe diese Preiserhöhung aber unbedingt gebraucht, denn bei rund 90 Prozent Personalkosten müsse die tariftreue Pflege eben bezahlt werden. Außerdem müsse am Ende des Tages ein bisschen was übrig bleiben, damit man einen Puffer, zum Beispiel für ausfallende Geräte oder Reparaturen, schaffen kann. Bogner: „Sonst steckst du ja gleich wieder in der Insolvenz.“ Jetzt sei ein Status erreicht, dass die GmbH das erwirtschaftet, was sie braucht.
Spannendes Vierteljahr mit viel mehr Verantwortung
Zurückblickend sprechen sie und die Pflegedienstleiterin Susanne Wörpel von einem anstrengenden, aber spannenden ersten Vierteljahr: „Wir haben uns mit vielen neuen Themen auseinander gesetzt. Das war unglaublich bereichernd, weil wir wahnsinnig viel gelernt haben.“ Besonders positiv sei es zu erleben, was es bewirkt, wenn sie an Stellschrauben drehen und die Auswirkungen schnell erkennen können. „Es ist einfach spannend, die Verantwortung zu haben“, sagt Wörpel. Früher habe man einfach so vor sich hingearbeitet. Wenn nicht geschimpft wurde, hatte es gepasst. Jetzt sei es ein ganz befriedigendes, tolles Gefühl, wenn man auf den Kontostand schaut und sieht: „Schön ist es.“
Gut entwickelt hat sich laut Bogner die Personalsituation. „Wir haben trotz des Wirbels um die drohende Schließung keinen einzigen Mitarbeiter verloren“, berichtet sie. Aktuell werde der Personalstamm noch angepasst. Im August und September würden noch Mitarbeiter dazukommen. Parallel habe man die Bewohnerzahl etwas nach unten angepasst. „Wir haben jetzt 83 Bewohner und, wenn wir voll belegt sind, auch wirklich das Personal, um diese Anzahl gut zu versorgen.“
Verzögert haben sich bis jetzt allerdings die anstehenden Renovierungsarbeiten, die der Eigentümer im November zugesagt hatte. Deswegen sei der Zeitraum, in dem die Einrichtung eine vergünstigte Miete bezahlt, ebenfalls verlängert worden.
Die Vorgeschichte des Seniorenheims
Gründung: 1995 wurde die Einrichtung von Thomas Weidlich gebaut. Später wurde das Pflegeheim wie die Weidlich-Einrichtungen in Breitenbrunn und Seubersdorf von der Phönix-Gruppe – einer Tochter der Korian Deutschland – übernommen, später als Korian-Einrichtung geführt.
Neuer Name: Der Korian-Konzern hat das Pflegeheim in Parsberg 2021 an die Novent Holding GmbH abgegeben. Damals wurde aus dem Phoenix-Seniorenheim das Haus Ritter Haug. Im November 2023 folgte dann der Übergang zum neuen Träger.
us