Umfrage zeigt: Regensburger Bahnhofsareal wird gemieden

Gewalt, Diebstähle und Drogenkonsum: Die Situation rund um den Regensburger Hauptbahnhof steht seit Jahren im Zentrum hitziger Debatten. Nun haben sich sogar Studenten der OTH im Rahmen eines Forschungsprojekts mit der dortigen Lage beschäftigt – und kamen zu eindeutigen Ergebnissen.
Regensburger Politiker fällten zuletzt teils harte Urteile zur Lage rund um den Bahnhof. Michael Lehner von der CSU etwa bezeichnete diese als „katastrophal“. Es sei „eine Schande für die Stadt“. Etwas zurückhaltender äußerte sich Thomas Burger von der SPD. Er forderte zwar auch, dass etwas getan werden muss, findet aber, dass es nicht so ist, dass das Areal von den Bürgern nicht mehr betreten werden kann.
Knapp 400 Personen befragt
In einem Forschungsprojekt an der OTH Regensburg unter der Leitung von Caroline Dotter wollten es Studenten nun genau wissen. Sie beschäftigten sich hier unter anderem mit der Frage, welchen Effekt Obdachlosigkeit auf die Wahrnehmung eines Ortes hat – und analysierten hier als ein Fallbeispiel die Lage am Regensburger Hauptbahnhof. Dabei führten sie eine Online-Umfrage durch, an der knapp 400 Personen teilnahmen. Die Antworten ließen an einem keinen Zweifel: Die Bahnhofsumgebung wird eindeutig – von 92Prozent der Befragten – als sozialer Brennpunkt wahrgenommen. Ebenfalls ein klares Bild ergab sich bei der Frage, ob sich im Bahnhofsareal ein subjektives Unsicherheitsgefühl einstellt. Mehr als zwei Drittel der Befragten antworteten mit „ja“ oder „eher ja“.
Die Studenten fragten die Teilnehmer auch, ob diese die Bahnhofsumgebung – Albertstraße, Busbahnhof oder Fürst-Anselm-Allee – bei Möglichkeit meiden würden. Auch hier antwortete eine – allerdings knappe – Mehrheit mit „Ja“. Aus den Daten der Teilnehmer der Umfrage konnten die Studenten ableiten, dass Frauen noch mehr als Männer dazu neigen, das Areal möglichst nicht zu betreten.
Nachts bleiben die Menschen möglichst weg
Hier wurde zudem nach Tageszeiten gefragt, zu denen die Teilnehmer die Gegend – wenn sie es tun – vermeiden. Hier ergab sich, dass die Bahnhofsumgebung wie zu erwarten nachts (76,4 Prozent) am meisten gemieden wird. Abends sind ebenfalls mehr als 40 Prozent der Beragten ungern dort. Morgens, vormittags, mittags und nachmittags ergibt sich ein anderes Bild. Zu diesen Zeiten spart nur ein ganz geringer Teil der Befragten das Areal konkret bei seinen Planungen aus.
Die Studenten wollten zudem wissen, welche Personengruppen die Teilnehmer der Umfrage an einem sozialen Brennpunkt am stärksten wahrnehmen. Hier wurden Konsumierende von Alkohol und Drogen am häufigsten genannt. Danach folgten Obdachlose und Menschen mit Migrationshintergrund. Für die Studenten der OTH waren die Ergebnisse der Umfrage nach eigenen Aussagen auch Belege dafür, wie sehr bestimmte Personengruppen – etwa Obdachlose – teilweise stigmatisiert werden.
Luisa Reitberger, eine der Projektteilnehmerinnen, etwa sagt, dass die Umfrage aufzeige, dass es ein weit verbreitetes Gefühl der Unsicherheit im Umfeld des Bahnhofs gibt. Es müsse „der Frage, warum das so ist, noch intensiv nachgegangen werden“, findet sie.
Teufelskreis vermeiden
Ihre Kommilitonin Kira König sieht das genauso: Ansonsten gebe es nämlich weiter „einen Teufelskreis, bei dem das Gefühl der Unsicherheit bleibt oder sich sogar immer weitertransportiert und verstärkt, ohne dass genau geklärt ist, woran dieses eigentlich liegt“.
Bürgermeisterin Astrid Freudenstein, in deren Bereich die Sozialarbeit der Stadt fällt, sagt, dass es zuletzt auch bei der städtischen Jugendumfrage viel Feedback zum Bahnhofsumfeld gegeben habe: „Da hat man schon gesehen, wie präsent das Thema ist.“ Sie selbst finde es „absolut gut“ , dass sich nun auch Studierende damit beschäftigen. Und sie stimme auch der Forderung zu, dass die Ursachen für das Unsicherheitsgefühl noch genauer untersucht werden müssen: „Da ist allerdings die Frage, ob wir so etwas als Stadt leisten können, oder ob es nicht in der Tat in der Wissenschaft am besten angesiedelt ist.“