Das Paradies liegt mitten in Cham: Die Erfolgsgeschichte des „Garten Eden“

Täglich im Garten Eden arbeiten – das würde sich mancher wünschen. Gabi Reittinger tut das schon seit 20 Jahren in Cham. Und – wen wundert’s – sie ist glücklich dabei. Und ihre Kunden sind es auch.
Der 25 Quadratmeter kleine Laden in der Fuhrmannstraße hat seinen ganz eigenen Charme. „Edelsteinparadies“ steht über dem Eingang. Doch der Weg in den Garten Eden war nicht gleich vorgezeichnet und am Anfang dornig. Die Eingangsdebatte wird in vielen Familien gleich geführt: „Lern erst was G‘scheid’s“, hieß es.
Urplötzlicher Anfang
Die Gabi lernte Arzthelferin und war das auch zehn Jahre lang in der Praxis Dr. Holzinger. Und zwar mit Leib und Seele. Doch irgendwann wurde der Kundenkontakt weniger und die Bürokratie mehr. Da nahm sie ihr Herz und den Bausparer in die Hand und kündigte. „Ich war nicht einmal arbeitslos gemeldet. Ich habe vier Wochen lang in Brunnendorf neben der Pizzeria Orlandini meinen Laden eingerichtet und dort mein Geld investiert. Ich hab mir gedacht: Andere kaufen sich ein Auto...“
Es war ein harter Anfang. Im ersten Jahr tröpfelten die Kunden. „Acht Stunden im Laden, fünf Kunden, 45 Euro Umsatz – da war ich ganz stolz“, erinnert sie sich. Aber sie erinnert sich auch noch an die Sorgen, ob das Geschäft wirklich einmal trägt. „Irgendwann habe ich mir gedacht: Wenn es nur ein Jahr wird, dann war es ein glückliches...“ Es wurden 20 Jahre und wirklich glückliche.
Der Garten Eden blüht
Heute blüht der Garten Eden und Gabi Reittinger ist stolz: „Es läuft wirklich sehr gut!“ Die Inhaberin wird von ihren Kunden mit dem Edelsteinparadies identifiziert. Nadine kommt am Montagmorgen durch die Tür und holt einen Ring ab. Einen zweiten lässt sie sich reservieren. Einen anderen trägt sie am Finger und die beiden lachen laut, als sie feststellen, dass es derselbe ist.
Nadine verrät eines der Erfolgsgeheimnisse des kleinen Ladens, der in der Innenstadt zwischen vielen Leerständen aufgeblüht ist: „Wenn man hier hereinkommt, ist man nicht irgendjemand, man ist Mensch.“ Und Gabi Reittinger erklärt, warum ihr das selbst so viel Spaß macht: „Die Leute, die zu mir kommen, die wollen sich etwas Gutes tun. Die kommen schon glücklich rein und gehen glücklich wieder raus. Das macht Freude.“
Falsches aus der Gerüchteküche
Ihren Hang zu Gold, Silber und Edelsteinen hat sie über ihre Schwester Evi entdeckt, die damals mit ihr schon Schmuck aus Italien bestellte. In einem Punkt allerdings irren viele Chamer: Die Gerüchteküche will ja genau wissen, dass die Gabi das Geschäft nur besitzt, weil sie den Alex geheiratet hat, der selbst aus einem alteingesessenen Schmuckgeschäft kommt. Das stimmt so allerdings nicht. Den Alex hat sie kennengelernt, weil der immer die Rezepte für seine Oma beim Dr. Holzinger geholt hat. Allerdings hatte sie schon eine Weile ihr Geschäft in Brunnendorf, bis ihr aufging, dass der Alex ihr ständig irgendwelche Dinge vorbeibrachte: Seitenschneider, Lötstation...
Irgendwann stellten die beiden fest, dass sie füreinander wie geschaffen waren. Und der blühende Garten Eden sorgte für so manche kuriose Situation. So war die Gabi unglaublich damit beschäftigt, ihre Ketten aufzufädeln, die reißenden Absatz fanden. Das machte auch keinen Halt vor den vier Tagen Jahresurlaub, die die beiden immer am Attersee verbrachten, wo der Alex mit der Wasserwacht Tauchtrainings absolvierte. „Ich musste immer ganz langsam fahren, damit die Perlen nicht vom Tablett kugelten“, erinnert sich der Ehemann an manche gemächliche Fahrt. Dort angekommen, ging der Alex Tauchen und die Gabi setze sich in einen Campingstuhl und fädelte ihre Geschäfte ein.
Kunden im Kinderwagerl
Die Arbeit hielt auch daheim Einzug. Am Abend saßen die beiden zusammen. Alex schaute Fernsehen und Gabi fädelte nebenbei. „Das war in Ordnung. Sie war ja da. Das war mir wichtig. Aber irgendwann habe ich dann schon mal gesagt: Mach langsamer. Das ist schon viel!“ Und Gabi machte langsamer – zumindest ein wenig. Und sie merkte, dass das auch ein Stück Lebensqualität ist.
„Heute habe ich eine Aushilfe, damit ich auch einmal einen Vormittag frei habe, oder einmal wegfahren kann. Oft passiert das sowieso nicht. Aber es war am Anfang wichtig, weil ich mir die Personalkosten gespart habe. Und Corona habe ich mit einem Online-Shop überlebt“, erzählt die Besitzerin des Garten Eden. Und der blüht, dank einer Schar glücklicher Stammkunden: „Manche kenne ich schon aus dem Kinderwagerl. Heute holen sie Schmuck für ihre Freundinnen.“ Das nennt man dann wohl Kundenbindung.
