A93: So entsteht die neue Entwässerung im Mittelstreifen – Blow-Ups bleiben im Blick

Von Martin Rutrecht · 1. Juli 2024 um 19:00

Ein Höllenlärm tost um die Baustelle – der Verkehr auf der A93 donnert links und rechts vorbei. Im Mittelstreifen laufen Arbeiten für das neue Entwässerungssystem von Regensburg-Süd bis Saalhaupt. Was sich unspektakulär anhört, ist eine diffizile Aufgabe mit Tiefgang. Nebenbei stets im Blick: mögliche Blow-ups.

„Nach so einem Arbeitstag sind alle platt“, sagt Tho Tran, Projektleiter für die A93-Erneuerung zwischen Regensburg-Süd und Saalhaupt (Landkreis Kelheim) bei der Autobahn Südbayern. Lärm und Hitze begleiten die knapp 50 Arbeiter und Fahrzeugführer, die in sechs Kolonnen täglich von 7 bis 17.30 Uhr ihrem Job nachgehen. In einer Tiefe von 1,50 bis 2,50 Meter werden im Mittelstreifen Rohre verlegt, die längs der Fahrbahn das Wasser über Gullys und Schächte aufnehmen.

Acht Kilometer an Abflussleitungen werden verbaut, Stahlbetonrohre mit 60 Zentimetern sowie Kunststoffrohre mit 30 bis 60 Zentimetern Durchmesser. Seit Anfang April ist der Abschnitt zwischen Bad Abbach und Saalhaupt in Arbeit, ab August folgt bis Ende des Jahres das Teilstück von Regensburg-Süd bis nach Abbach.

Baufahrzeuge manövrieren auf engstem Raum

Aufbaggern, alte Rohre raus, neue rein, zuschütten – geht doch zügig. Theoretisch. Tran schmunzelt: „Wir haben eine absolut beengte Baustellensituation. Links und rechts fließt der Verkehr zweispurig, übrigens weitgehend ohne Staus. Uns bleibt für das Baufeld eine Breite von zehn Metern.“ Und darin müssen die 26 Fahrzeugführer ihre Bagger und Laster herummanövrieren. „Unendlich viele Baufahrzeuge haben da nicht Platz.“ Maßarbeit sei das Verlegen der Rohre zudem.

Dass ein Entwässerungssystem im Mittelstreifen erforderlich ist, liegt an der Neigung der A93. „Grundsätzlich sind Fahrbahnen wie ein Dachprofil angelegt, sie steigen zum Mittelstreifen hin etwas an. Das Wasser fließt zum Fahrbandrand in die Böschungen ab“, erklärt der Projektleiter. In vielen Bereichen des Sanierungsabschnitts rinnt das Wasser allerdings von der Außenseite auf die Mitte zu. „Deshalb müssen wir es dort auffangen.“

Gereinigt zurück in die Natur

Von den Entwässerungsrohren führen Querleitungen unter der Autobahn zu den Böschungen. Letztlich fließt das Wasser in Rückhaltebecken, wo es gereinigt wird und wieder in die Natur abläuft. Dem A93-Nutzer bleibt vieles davon verborgen.

Wie wichtig der funktionierende Abfluss bei Regenfällen aber ist, zeigt ein Beispiel, an das sich Projektsprecher Christoph Graebel erinnert: „2021 hatten wir auf der A3 bei Neutraubling einen derartigen Starkregen, dass selbst die Rohre das Wasser nicht mehr aufnehmen konnten. Die Fahrbahn war geflutet.“ Auf solche Ereignisse könne die Dimensionierung der Leitungen jedoch nicht ausgelegt werden. „Da müssten wir Riesenrohre einbauen“, so Tran.

Immer wieder Risse in alter Betondecke

Der Bau der Entwässerung steht als Zäsur zwischen der Erneuerung der alten Betonfahrbahn in zwei Schritten. Während die Arbeiten in Richtung München im Vorjahr erfolgten und der Verkehr schon auf neuem Asphalt rollt, steht die Gegenrichtung auf elf Kilometern Länge in 2025 an. Bis dahin bleibt die alte Betondecke ein Sorgenkind, weil sie an manchen Stellen aufbricht, weshalb hier Tempo 60 gilt (Gegenrichtung: 80). „Die Straßenmeisterei entdeckt immer wieder Risse“, sagt Graebel.

Erst vergangene Woche wurde nach einer kurzfristigen Sperre eine Schadstelle mit Asphalt ausgebessert. Dieser ist beweglicher als Beton und reißt bei Ausdehnungen durch Hitze nicht. „Mit den Reparaturen verhindern wir Blow-ups“, so der Projektsprecher, also das plötzliche Aufbrechen des Betons. Im Juni 2013 hatte ein solcher Blow-up bei Abensberg einen Motorradfahrer (59) das Leben gekostet. „Die Straßenmeisterei kontrolliert häufig. Potenzielle Stellen werden umgehend repariert, um die Gefahr von Blow-Ups so gut wie auszuschließen“, sagt Graebel.

Gesamtkosten steigen auf 90 Millionen Euro

Mit der Erneuerung der Fahrbahn Richtung Regensburg im nächsten Jahr endet die A93-Sanierung in diesem Abschnitt. Auf die veranschlagten Kosten von 75 Millionen Euro müssen weitere 15 Millionen draufgepackt werden, da unerwartet eine Sicherung der Dammböschungen notwendig und 2022 ausgeführt wurde. „Dann kommt noch die Inflation.“

Und nach der Sanierung ist vor der Sanierung: Von Saalhaupt bis Elsendorf bedarf die A93 auch einer Erneuerung. „Wir sind in den Vorplanungen“, erklärt Projektleiter Tran. Ob man schon 2026 mit den Arbeiten beginnen werde, könne er nicht sagen. Der Abschnitt werde in Teilstücken erneuert und nicht auf den 30 Kilometern zwischen Saalhaupt und Elsendorf auf einmal.

Zahlen und Fakten

Personal: 30 Facharbeiter im Tiefbau sowie 26 Fahrzeugführer sind auf der Baustelle tätig.

Firmen: Neben einem Bauunternehmen werden auch Firmen zur Verkehrssicherung eingesetzt.

Aushub: 35.000 Kubikmeter Erde werden bewegt.

Solche Schächte werden senkrecht eingelassen.
Die Entwässerungsrohre haben 60 Zentimeter Durchmesser.
Blick in die Tiefe: Das Hauptrohr nimmt das Wasser auf.