Jubel! Ganz Bad Abbach huldigt seinem Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde

Sie kämpften mit Schwertern, tanzten zu fröhlicher Musik und bestaunten eine spektakuläre Feuershow: Am Wochenende eroberten zahlreiche Mittelalterfans aus Nah und Fern den Burgberg in Bad Abbach (Landkreis Kelheim). Sie feierten ein rauschendes Fest zu Ehren des berühmtesten Abbachers, Kaiser Heinrich II.
Oh Schreck! Gerade will Kaiser Heinrich II. mit seiner Gemahlin Kunigunde in einem prunkvollen Festzug durch den Ortskern von Bad Abbach marschieren, da passiert es: Gauner, Bettler und Räuber stürmen auf ihn zu. Ein Überfall! Sie wollen ihm die Krone rauben, den Inbegriff seiner Herrschaft. Zum Glück ist die kaiserliche Leibgarde sofort zur Stelle. Mit Speeren und Hellebarden halten sie die Aufständischen beim Höhepunkt des zweitägigen Heinrichsfests in Schach.
Alle Blicke richten sich auf den Kaiser. Wird er befehlen, das Gesindel in den Kerker zu werfen? Nein. In seinem mutmaßlichen Geburtsort beweist Heinrich II. Edelmut: Er öffnet sein Säckel und verteilt Silbertaler an die meist minderjährigen Aufwiegler. Welch gütiger Kaiser – „Jubel!“Der „Überfall“ kam überraschend, verraten der Ortsgruppenleiter der Bad Abbacher Wasserwacht, Bernhard Schöberl, und seine Jugendgruppe am Rande des Festzugs mit einem Augenzwinkern.
Der Schreckmoment konnte beim fröhlichen, farbenprächtigen Festzug am Sonntagnachmittag die Stimmung nicht trüben. Zahlreiche Schaulustige verfolgten ihn. Unzählige Majestäten, Geistliche, Gaukler, Ritter – und auch das einfache Fußvolk gaben sich die Ehre, um Kaiser Heinrich und seine Gemahlin Kunigunde in „seinem“ Bad Abbach zu begrüßen.
Anlass: 1000. Todestag von Kaiser Heinrich
Der Anlass war allerdings eher traurig. Das Heinrichsfest am Wochenende fand nämlich anlässlich des 1000. Todestags des berühmtesten Bad Abbachers statt. Doch der Kaiser trug seinem Volk schon bei der Eröffnung am Samstag auf, nicht zu trauern, sondern ihm zu Ehren lieber ein rauschendes Fest zu feiern. Das musste er den Bad Abbacher Mittelalter-Fans nicht zweimal sagen.
Rund um den mit rot-gelben Bannern geschmückten Heinrichsturm auf dem Burgberg schlugen sie ihre Lager auf und entführten die Besucher in längst vergangene Zeiten. Die konnten zwar durchaus fröhlich sein, wie die Musiker der „Ritterschaft zue Drachenfels“ bewiesen, aber nicht nur.
Zwei packende Schwertkämpfe, an denen ein gar nicht so braver Mönch wohl nicht unbeteiligt war, zogen die Besucher ebenfalls in ihren Bann. Das schafften – allerdings in friedlicherer Manier – auch die Beteiligten der Feuershow am Samstagabend. Sie sorgten mit waghalsiger Akrobatik für Gänsehaut – und hatten trotz des zeitgleich stattfindenden Achtelfinals der Fußball-Europameisterschaft zahlreiche Zuschauer. Dank etwas modernerer Technik in Form von Handys verbreitete sich schließlich auch die frohe Kunde vom Sieg der deutschen Nationalmannschaft im Lager – und sorgte natürlich für reichlich „Jubel!“, verriet Andreas Diermeier von der Königlich Privilegierten Feuer- und Zimmerstutzengesellschaft.
Mit Tonia Lohr, Johann Brinsteiner und Markus Jakomet war er bei der Organisation des Heinrichsfests federführend. „Ich bin sehr zufrieden. Die heißen Temperaturen am Samstag waren vielleicht eine Hürde, aber trotzdem kamen bislang an die 1500 Leute“ lautete Diermeiers Fazit am Sonntagnachmittag. Gut zweieinhalb Jahre habe das Orga-Team auf dieses Wochenende hingearbeitet. Das Heinrichsfest findet etwa alle fünf Jahre statt – immer verknüpft mit Lebensereignissen des Kaisers. Ist das Heinrichsfest anlässlich seines Todes nun also das Letzte? Dazu kann Diermeier noch nichts sagen. „Es ist ein schönes Fest, aber auch viel Arbeit. Mal schauen, wie es weitergeht.“
Viel Lob vom Kaiserpaar
Während Diermeier und die anderen Organisatoren zum Festzug aufbrachen, brandeten gegenüber wieder „Jubel!“-Rufe auf. Das Kaiserpaar war aus dem Zelt getreten. Bevor sie losgingen, hatten sie noch Zeit für ein kurzes Interview. „Das ist eine große Ehre für uns. Und es ist wunderschön, wie die Vereine zusammenarbeiten“, loben Heinrich und Kunigunde (bürgerlich Werner und Tina Wickert).
Neben dem Festzug seien auch die Fanfarenklänge, die sie begleiten, ein absolutes Highlight. Die jüngsten Mittelalter-Fans hatten direkt nebenan im Kinderland des Heimat- und Kulturvereins Bad Abbach ihren Spaß. Dort konnten sie sich unter anderem beim Armbrustschießen oder beim Bockstechen ausprobieren. Das war nicht nur etwas für Jungs. Auch Mädchen schlugen sich dabei bravourös. So wie die siebenjährige Leonie, die trotz eines Helms mit geschlossenem Visier sechs Punkte beim Bockstechen holte. Sonntagabend beendete ein Gewitter das kaiserliche Fest etwas früher als gedacht. Dennoch gab es in Bad Abbach viele glückliche Gesichter. Zwei heiße, gelungene Tage liegen hinter dem Markt.













