Tierhilfe Weiding-Walting hat klare Regeln: So klappt es mit dem Tierheimhund

Es gibt die Freundlichen, die Verspielten, die Aufgeregten oder die Aggressiven. Daher gilt es die Zeichen, die Hunde geben, zu verstehen und sich richtig zu verhalten. Wenn nicht, kann es schmerzhaft werden. So geschehen vor kurzem bei der Tierhilfe Weiding-Walting (Landkreis Cham).
Auf der Facebook-Seite des Vereins beschreibt die Vorsitzende Catrin Röhricht, was passiert war: „Ob eine Besichtigung der Pension Kuschelkörbchen ansteht, ein Kennenlerntermin für einen unserer Schützlinge, oder eben auch eine Besichtigung der Tierhilfe. Aus diversen und guten Gründen haben wir uns vor langer Zeit gegen Spontanbesuche entschieden und bitten stets um Terminvereinbarung“, beschreibt sie die Grundsätze des Vereins. Das natürlich aus gutem Grund: Im Heim der Tierhilfe landen auch Problemfälle, so will man Sicherheit für Hund und Mensch gewährleisten.
Brief vom Anwalt
Dann gibt es aber doch die Spontanbesuche, bei denen man einmal eine Ausnahme macht. Vor allem wenn Röhricht das Gefühl hat, ihr Gegenüber verhält sich vernünftig. Doch weit gefehlt. Der Besucher betritt den Freilauf, bewegt sich, statt die Hunde erst einmal zu ignorieren, darauf zu und will einen streicheln. Sein vierbeiniger Kollege empfand das wohl als zu übergriffig, wollte sein Revier verteidigen und schnappte zu. Das Ende vom Lied: Auch wenn nicht viel passiert ist, landet doch ein Schreiben vom Anwalt auf Röhrichts Schreibtisch.
Regel Nummer 1: Immer passiv verhalten
Dabei gibt es ein paar ganz einfache Regeln, um Hundebegegnungen im Tierheim und auch sonst weitgehend unproblematisch zu gestalten. „Man sollte sich immer passiv verhalten, nicht direkt auf den Hund zugehen, nicht anschauen und nicht ansprechen“, sagt Röhricht.
Wer das schon einmal ausprobiert hat, weiß, dass sich die Fellnasen von selbst nähern, wenn sie Interesse haben. So wie Menschen auch, haben die Vierbeiner ihren persönlichen Wohlfühlabstand, in den sie nicht jeden eindringen lassen wollen. Man rennt ja auch nicht auf jedes Kind zu und begrapscht es. Julia Wallner, die seit vielen Jahren eine Hundeschule betreibt und ebenfalls mit der Tierhilfe verbunden ist, beobachtet es immer wieder: „Die Hunde müssen heute schlauer sein, als die Menschen. Sie sollen sich jeder Situation anpassen und dürfen nicht sie selbst sein.“ Dabei sei zum Beispiel ein Knurren ja nichts falsches oder schlechtes. Es soll verstanden werden, als das, was es ist: eine Warnung, dass dem Tier etwas nicht gefällt. Dazu gehört eben, dass der Mensch auf die Zeichen der Tiere achtet und Rücksicht nimmt.
„Aber seit Corona habe ich sowieso das Gefühl, dass alle immer rücksichtsloser werden“, hat die Vereinsvorsitzende beobachtet. Und weil das so ist, haben viele Hunde Probleme, wenn sie in Walting oder einer anderen Anlaufstelle landen. Der freundlich aussehende Golden Retriever Chicco zum Beispiel. Er ist alles andere als ein Schmusekater. Wegen einiger Beißvorfälle wird der achtjährige Rüde nicht mehr vermittelt und hat in Walting seine Heimat gefunden. Auch Flocke, ein schwarz-weißer Mischling bleibt für immer bei der Tierhilfe, weil es zu viele negative Ereignisse gab.
Regel Nummer 2: Feste Regeln und Grenzen setzen
Um diese Schicksale zu verhindern wäre ein Hundeführerschein eine gute Sache, sind sich die beiden Tierschützerinnen einig. Nur an der Umsetzung in der Praxis können beide nicht so Recht glauben. Dann müsste sich jeder Verkäufer diesen Führerschein zeigen lassen. „Wie soll das gehen?“, fragt sich Wallner, die sich nach eigenen Aussagen bei ihren Kunden häufiger mal unbeliebt macht, wenn sie fragt: „Musste es ausgerechnet diese Rasse sein?“ Ist eigentlich logisch: Wer seine Tage am liebsten in der Horizontalen auf dem Sofa verbringt, sollte sich keinen Hund holen, der viel Beschäftigung braucht. Zu ihr in die Hundeschule kommt natürlich immer das Mensch-Hund-Gespann, aber eigentlich könnten die Vierbeiner auch zuhause bleiben. Trainiert werden muss meistens der Mensch. Sein Gefährte folgt ganz automatisch, wenn die Kommunikation stimmt. „Feste Regeln und Grenzen setzen, die auch eingehalten werden“, das ist laut Röhricht ein Schlüssel zum Erfolg. Feste Regeln gibt es auch, wenn man in Walting einen Hund adoptieren möchte. Drei Besuche um sich gegenseitig zu beschnuppern sind obligatorisch. „Wenn wir das Gefühl haben, dass es passt, kommen wir am Tag des Umzugs mit ins neue Heim unseres Schützlings und schauen uns die Situation vor Ort an.“ Erst dann ziehen sich die Hunde-Kümmerer zurück.
Zuvor müssen natürlich auch sie und ihr Team einen Neuankömmling einschätzen lernen, so wie Coco, der gerade eingezogen ist. Das Herrchen kann sich um den reizenden Labrador-Mix aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kümmern. Leicht zitternd und mit traurigen Augen sitzt er auf seinem Platz. Wir gehen in sein Zimmer. Ich schaue ihn nicht an und setzte mich in einer Ecke auf den Boden.
Coco ist etwas schüchtern
Während ich mich mit Röhricht und Wallner unterhalte kommt er zögerlich näher und schnuppert ein wenig an mir, ich streichle ihn kurz und ganz vorsichtig an der Seite. Genug Erstkontakt. Coco geht zurück auf seinen Platz und blickt mich von dort aus an. Ich bin in diesem Moment sicher, dass wir uns bald wiedersehen und Freunde werden.
