Mit Reis und Wasserpistole zum Time Warp

Das Musical „The Rocky Horror Show“ in der Regensburger Donau Arena verspricht zügellosen Spaß. Das Publikum zeigt sich routiniert beim Reiswerfen und Wasser spritzen – und kennt natürlich auch die Schrittabfolge zum Time Warp.
In der Donau-Arena ist es heiß – und daran sind nicht allein die sommerlichen Temperaturen Schuld. Bei der Premiere der „Rocky Horror Show“, die das Theater Regensburg in Kooperation mit den Landesbühnen Sachsen zur Aufführung bringt, kommen Publikum und Darsteller ins Schwitzen.
An die 10000 Tickets haben die Veranstalter im Vorfeld verkauft. Kein Wunder, immerhin hat die „Rocky Horror Show“ seit ihrer Uraufführung am Londoner Royal Court Theater Kultstatus erreicht. Besonders die Verfilmung mit Tim Curry als Dr. Frank N‘Furter und Musical-Urheber Richard O’Brien als Butler Riff Raff, die auch heute noch regelmäßig in Programmkinos gezeigt wird, erlangte internationale Bekanntheit. Die Premiere des intergalaktischen Lustspiels machen am Freitag rund 1500 feierlaunige Gäste zum Spektakel. Die Choreographie entwarf Gabriel Pitoni, Regie, Ausstattung und Licht besorgte Sebastian Ritschel.
Intendant im Glitzer-Korsett
Diese Show lebt auch von der Show des Publikums. Und dafür braucht es unter anderem Reis, Konfetti, Wasserpistolen und Tröten. Am Eingang wurden entsprechende Fanbags angeboten. Viele Premierengäste haben, wie es sich gehört, ihre Outfits passend zum Stück gewählt. Intendant Sebastian Ritschel legt dabei mit hautengem paillettenbesetztem Korsett und Plateauschuhen vor, andere sind mit ausgefallenen Hüten und einigen Farbakzentuierungen etwas dezenter unterwegs. In den folgenden zweieinhalb Stunden erwartet sowohl Kenner als auch Neulinge eine extravagante, aufpolierte Weiterführung der „Rocky Horror“-Tradition. Die Handlung ist simpel und vermischt zahlreiche Elemente der Horror- und Science-Fiction-Literatur. Was dem Musical seinen Wiedererkennungswert verleiht, ist seine schonungslose Obszönität.
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Und darum geht es: Kurz nach ihrer Verlobung suchen Janet (Monika Schweighofer) und Brad (Felix Rabas) nach einer Autopanne Schutz vor Regen und Gewitter in einem nahe gelegenen Schloss. Eigentlich wollen sie nur das Telefon benutzen, doch sie werden bereits von der schillernden Persönlichkeit des Dr. Frank N’Furter (gespielt von Philipp Dietrich) und seinen Bediensteten erwartet. Ehe sie sich versehen, werden Brad und Janet Teil einer entfesselnden Orgie.
In der Regensburger Inszenierung gibt es eine „Einweisung für Erstlinge“. Schließlich soll sich niemand noch zusätzlich über die lautstarken Zwischenrufe und konzertierten Mitmachaktionen – Reis werfen, Tröten, Wasser spritzen – des Publikums, die als Pflichtprogramm zu den Aufführungen der „Rocky Horror Show“ dazugehören, wundern müssen – gibt es doch auf der Bühne schon genug Bilder zu verarbeiten.
Moderator Thomas Hermanns – vielen bekannt aus dem Quatsch Comedy Club – führt das Publikum in die besondere Thematik ein und erläutert vorab die wichtigsten Elemente der „Rocky Horror Show“, darunter auch die Choreografie zum bekanntesten Stück „Time Warp“.
Eine Live-Band spielt die rund zwei Dutzend Songs aus der Feder von Richard O’Brien hinter der Bühne. Neben der imposanten musikalischen Begleitung wartet die Inszenierung des Theater Regensburg passend zum schrägen Flair des Musicals mit schriller und detailverliebter Lichtgestaltung und Ausstattung auf. „Unaufwendig“ scherzt Sebastian Ritschel in seiner Danksagung, wohlwissend der Mühen, die hinter dem künstlerischen Gesamtkonzept von Kostüm und Maske stecken.
Waren Janet und Brad zunächst noch adrett gekleidet, fallen nach ihrer Ankunft im Schloss zügig die Hüllen und ihre Baumwollunterhosen werden im Labor von Frank N’Furter durch Latex, High Heels und Netzstrumpfhosen ersetzt. Das Ensemble liefert eine beeindruckend choreografierte Performance, die die sexuelle Erweckung des Paares und ihre Abkehr von der gesellschaftlichen Prüderie inszeniert.
Aufbegehren gegen Spießer
Genau wie die ursprüngliche Bühnenfassung von 1973 zelebriert das Musical auch heute noch ein zügelloses Aufbegehren gegen das Spießertum. Fast schon majestätisch mutet es an, wenn Frank N’Furter die Heteronormativität entthront, mit sexuellen Tabus bricht und sich von kulturellen Konventionen löst. Passend zum Pride-Monat inszeniert das Theater Regensburg mit der „Rocky Horror Show“ sehr gelungen eine Feier der Diversität und Queerness und ermutigt das Publikum, es den Darstellern gleichzutun und jegliche Etikette für einen Abend über Bord zu werfen.
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Irgendwann ist jedoch die letzte Wasserpistole leer, das Parkett im Zuschauerraum so weit das Auge reicht mit Reis bedeckt und das Publikum hat sich zu Standing-Ovations erhoben. „Time is fleeting“ heißt es im bekanntesten Song des Musicals – die Zeit verfliegt. Zurück bleibt die Erinnerung an ein fulminantes Spektakel.
