Heißmann trifft Schmidt: Wilder Ritt von Stadtbahn bis Penispumpe

Talk, Musik und Altherren-Witze verknüpften Late-Night-Talker Harald Schmidt und Komödiant Volker Heißmann zu einer vergnüglichen Plauderei im Theater Regensburg. Einen roten Faden gab es zwar nicht, dafür zeigten sich die beiden sehr gut informiert zu lokalen Themen.
Podcast. Das ist ja ein ziemlich angesagtes Format. Aber was machen zwei Männer im fortgeschritteneren Alter, die auf diese Art von Audio-Geplauder Bock hätten, aber zu Hause weder über Studiomikrofon noch schallisoliertes Arbeitszimmer verfügen? Sie lassen sich zwei Sessel auf eine Bühne stellen, vier Jazz-Musiker drumherum platzieren und reden einfach drauflos. So wie Ex-Late-Night-Talker Harald Schmidt und Komödiant Volker Heißmann am Montagabend im Theater Regensburg.
Für das Publikum im ausverkauften Saal ein zweistündiger, wilder Ritt. Von Körpersäften und Penispumpen, was ergraute Herren halt so beschäftigt, bis zu Traumschiff und Fürstin Gloria. Und das Örtchen Bach an der Donau wird zum regionalen roten Faden. Wenn sich die Protagonisten einen solchen denn überhaupt zurecht gelegt hatten.
Ein Wort gibt das andere
Denn dass das Talk-Format der beiden bühnenerfahrenen Künstler, die sich vor einiger Zeit in Wien nach einer Theatervorstellung von Harald Schmidt kennengelernt hatten, so gut funktioniert, liegt wohl genau an diesem Konzept. Ein Wort gibt das andere. Wenngleich die Redeanteile durchaus ungleich verteilt sind. Schmidt lässt Heißmann nur selten ausreden. „Als Rentner redet man ja ständig so vor sich hin und das Tolle ist, da kommen jetzt Leute und hören einem zu“, gibt Schmidt unumwunden zu. Auch zehn Jahre nach dem endgültigen Ende der Harald Schmidt Show hat er halt immer noch ziemlich viel zu sagen, der Mann, den sie einst „Dirty Harry“ nannten.
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Etwa über Gloria von Thurn und Taxis. Zwei Mal sei er bei ihr zum Essen eingeladen gewesen, sagt Schmidt. „Wird die Fürstin hier kritisch gesehen?“, fragt er ins Publikum. Und wird mit Raunen und einem deutlich zu vernehmenden „Ja“ bedacht. „Für mich als jemandem, der in der Französischen Revolution groß geworden ist, ist das Alltag“, schiebt er unter lautem Gelächter hinterher, um dann gleich auf Außenministerin Anna-Lena Baerbock überzuleiten. Politisch eine völlig andere Richtung, aber schon wenige Minuten später ist er wieder beim Fürstenhaus. Zum 60. Geburtstag, den Gloria von Thurn und Taxis für den damaligen Bischof Gerhard Ludwig Müller ausgerichtet habe, sei er auch eingeladen gewesen. Wieder geht ein lautes Raunen durch den Saal. Er verstehe gar nicht, warum die Fürstin hier so ambivalent gesehen werde, pulvert Schmidt hinterher. Und Heißmann kommentiert die Reaktion mit den Worten: „Jetzt brauchen wir Luis Trenker. Auffi aufn Berg.“
Schmidt legt nach: „Chef der Glaubenskongregation: Der würdige Nachfolger der Inquisition“, spottet er über Müller, um dann noch einmal einen Haken zu Baerbock zu schlagen, die Angst vor einem Bürgerkrieg oder einer Revolution habe. „Das glaube ich nicht“, sagt Schmidt. „Wir finden nämlich keinen mehr, der die Guillotine aufbaut.“ Auch das leidige Regensburger Stadtbahn-Thema schnappt sich der Late-Night-Talker. „Sie wollen keine, hab ich gelesen. Gute Entscheidung, würde ich als Tourist sagen. Wenn man hier so durch die Fußgängerzone geht, fragt man sich: Wo soll da eine Bahn fahren?“, setzt er nach.
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Roter Faden? Überleitung? Heißmann kommt zum wiederholten Male auf Bach an der Donau zu sprechen. Mit dem Schiff sei er da mal hingefahren und habe Wein getrunken, lenkt er in unverfänglichere Fahrwasser. Unterhalb von der Walhalla sei das. Und in der Oberpfalz sei es ja so schön, schmeichelt er dem Publikum. Er, der Franke, der als Kunstfigur „Mariechen“ einem breiten Publikum bekannt wurde. Wobei, in Bach an der Donau, wirft er ein, habe ihn ein alter Mann gefragt, wo er denn Nilpferd Amanda gelassen habe. Schmidt kennt diese Verwechslungen: Er habe schon Autogramme als Günther Jauch gegeben, sagt er.
Heißmanns Bayern-Schwärmereien setzt Schmidt entgegen, dass er Bayern am schönsten im Vorbeifahren finde. Auffi, aufn Berg, will er nicht. Dann schon lieber aufs Traumschiff, wo er seit 15 Jahren in die Rolle von Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle schlüpft. „Da geht der Drehort vor Inhalt“, kalauert er.
Gerne noch ein Lied mehr
Es ist unmöglich, den Abend mit Schnellredner Schmidt und dem zurückhaltend agierenden Komödianten Heißmann thematisch umfänglich abzubilden. Gerade in der kunterbunten Mischung – mit allerdings herausfordernd vielen Gedankensprüngen – hat die Nähkästchen-Plauderei ihren Charme entwickelt. Die eingebauten Witze, man muss sie leider als Alt-Herren-Witze abtun, hätte es nicht unbedingt gebraucht. Die sind schon ziemlich abgewetzt. So abgewetzt, wie die Cordhose mit den Sperma-, Urin- und Kotproben, die der alte Mann in Schmidts Witz beim Arzt abgegeben hat. Dafür hätte Volker Heißmann gerne noch ein zweites Lied von Udo Jürgens singen dürfen. Und auch vom Thilo Wolf Jazz Quartett wären ein paar Töne mehr ganz schön gewesen. Podcast? Schmidt und Heißmann können das. Definitiv. Sogar besser als manche dieser jungen Plaudertaschen.
