Euphorie in Regensburg: Die Bayerischen Theatertage kommen ins Welterbe

Regensburg ist im Frühjahr 2026 Gastgeber des Festivals. „Das ist eine Euphorie, die einsetzt“, sagt Thomas Schwarzer vom Bühnenverein. Ingolstadt, wo die Theatertage gerade zu Ende gingen, zählte 15000 Besucher.
Nach dem Fest ist vor dem Fest: In Ingolstadt gingen gerade die Bayerischen Theatertage zu Ende, in Regensburg freut man sich, der nächste Gastgeber zu sein. Das Theater Regensburg, das mit der neuen Saison den Ritterschlag als Bayerisches Staatstheater erhält, hat im Frühjahr 2026 Inszenierungen aus ganz Bayern zu Gast.
Ingolstadt hatte 25 Produktionen eingeladen und meldete 15000 Besucher. „Hier in Bayern wird einfach gutes Theater gemacht“, sagt Ingolstadts Intendant Knut Weber der Mediengruppe Bayern. Er zeigt sich hochzufrieden mit der Auswahl der Jury und mit der Resonanz. Die Auslastung lag bei 84 Prozent. Nicht nur in Sälen war Programm geboten; auch Stadtteile wurden bespielt, im Theaterzelt wurde gesungen, getanzt, gelesen, performt.
Knut Weber zieht vor seinen 200 Mitarbeitern den Hut: „Für das Haus sind Theatertage eine Riesenbelastung, aber die Abteilungen haben sich da unfassbar gut reingefuchst. Am Anfang hat es ein bisschen geruckelt. Aber je länger das Festival dauerte, desto organischer fügte sich alles.“
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dddd Regensburgs Intendant Sebastian Ritschel nennt die Theatertage ein wunderbares Forum des Austauschs für Kunstschaffende. Die Auswahl sei stets breit aufgestellt, mit Produktionen von kleinen und großen Häusern und der freien Szene. „Mehr Vielfalt an einem Ort gibt es nicht.“ Gerade im ersten Jahr als Staatstheater werde das Festival ein besonderes Highlight .
„Wir freuen uns sehr, dass die Kreativität der bayerischen Theater in Regensburg zu erleben sein wird“, sagt Matthias Schloderer, Finanzchef des Hauses. Man wolle sich in der Vorbereitung eng mit Ingolstadt austauschen.
Die Bayerischen Theatertage finden seit 1983 statt, inzwischen im zweijährigen Turnus. Welche Inszenierungen eingeladen werden, entscheidet eine Jury, die die Gastgeberstadt beruft. Offen ist der genaue Termin 2026; auch den legt der Gastgeber fest. Über den Schauplatz entscheidet der Landesverband Bayern des Deutschen Bühnenvereins. Einerseits bedeutet es Anerkennung, zum Austragungsort gekürt zu werden. Andererseits ist es gar nicht so einfach, Gastgeber zu finden, sagt Thomas Schwarzer von der Geschäftsstelle. „Man muss erst sehen: Wer hat überhaupt ein spielfähiges Haus?“ Viele bayerische Theater stecken mitten in Sanierungen. Augsburg etwa hat nur eine Ersatzspielstätte. Und Würzburg, das das Fest 2028 ausrichten sollte, hat abgewunken: Am Mainfranken Theater – ebenfalls künftiges Staatstheater – knirscht die Sanierung gewaltig, das dritte Planungsbüro sei abgesprungen bzw. insolvent, so Schwarzer. „Dort kümmert sich nun ein Spezialist für gescheiterte Kulturbauten – so was gibt’s, muss man sich mal vorstellen – um den Fall.“
Ingolstadt baut gerade eine Ersatzspielstätte auf, ein Holztheater aus der Schweiz. Das Haus hat kein eigenes Musiktheater. Regensburg ist vergleichsweise gut aufgestellt, das Festival in der Welterbestadt dürfte eine große Nummer werden. Zwar fällt das Velodrom mit 600 Plätzen noch jahrelang wegen der aufgeschobenen Sanierung aus. Aber das Haus kann mit fünf Sparten und vier Spielorten ein üppiges Programm ermöglichen und hat als Kirsche auf der Torte noch den Reiz der Welterbestadt.
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Das Fest kostet seinen Preis. In Ingolstadt lag das Budget bei 500000 Euro, 75 Prozent zahlte Bayern, 105000 Euro der Bühnenverein, hinzu kam Geld von Sponsoren. Der Aufwand ist enorm, allein für Technik und Logistik. Oft wird, wie in Ingolstadt, ab 8 Uhr auf- und bis in die Nacht abgebaut. „Aber für die Gastgeber sind Theatertage ein absoluter Gewinn“, so Schwarzer. Besucher können die Vielfalt bayerischer Bühnen erleben, vergleichen. „Es setzt eine Euphorie ein.“
Regensburg war vier Mal Gastgeber, zuletzt 2016 unter Intendant Jens Neundorff von Enzberg. Das Motto „Wildes Bayern“ sieht man noch heute auf Fahrradsattel-Überzügen oder an Café-Fenstern kleben, die Stadt schwelgte im Theater-Taumel. „Es dauert immer ein bisschen, bis es sich herumspricht“, sagt Schwarzer aus eigener Erfahrung bei fünf Festivals. „Aber dann wollen da alle hin und fragen am Ende: Was, schon vorbei?“
