Geheimes Gutachten über Regensburger Busverkehr: Schneckenspuren wegen der Stadtbahn?

Ein Gutachten schlägt Maßnahmen zur Beschleunigung des Busverkehrs in Regensburg vor. Viel umgesetzt wurde davon allerdings noch nicht. Sowohl RVV, als auch Stadt Regensburg bestreiten, dass die zögerliche Umsetzung mit der Stadtbahn, die gescheitert ist, zu tun hat. Das sind die Maßnahmen.
Die Busse in Regensburg bewegen sich oftmals auf der Schneckenspur. Staus können nur umfahren werden, wenn eigene Busspuren vorhanden sind. In der aufgeheizt geführten Debatte um eine Stadtbahn klagten Gegner häufig: Die Stadt Regensburg hat einiges versäumt in den vergangenen Jahren, um den Busverkehr attraktiv zu gestalten. Ein Gutachten, das der Mediengruppe Bayern exklusiv vorliegt, legt dies nahe.
Das Problem: Der Verwaltungsrat des Regensburger Verkehrsverbundes tagt nichtöffentlich. Laut einer Sitzungsvorlage aus dem Dezember 2023 wurde bereits vor der Pandemie ein Gutachten zur Busbeschleunigung in Auftrag gegeben.
41 Maßnahmen benannt
Ziel der Untersuchung der Firma VCDB VerkehrsConsult Dresden-Berlin sei es, ein „Konzept zur Vermeidung ungewollter Geschwindigkeitsreduzierungen“ sowie für eine „grundsätzliche Qualitätssicherung des Busverkehrs im Stadtgebiet und im Landkreis Regensburg“ vorzulegen. Erhöhung der Pünktlichkeit und Verlässlichkeit des Bussystems stünden dabei im Vordergrund laut dem Papier, das uns vorliegt.
In dem Papier sind 41 Maßnahmen in Stadt und Landkreis vom Gutachter identifiziert. Doch lediglich sechs waren bereits umgesetzt. Acht seien bereits in der Umsetzung, zwei geplant und zehn weitere im Prüfverfahren. Fünf habe man entweder zurückgestellt oder verworfen.
Ist die Planung der Stadtbahn ein Grund dafür, wieso erst wenige Maßnahmen umgesetzt wurden? Der zuständige Planungsreferent Florian Plajer weist das von sich. „Die Untersuchung wurde parallel, unabhängig von den Planungen der Stadtbahn durchgeführt“, sagte Plajer zur MZ. „Daher wurden die Maßnahmen aufgrund der Stadtbahnplanungen nicht hintenangestellt.“ Auch der RVV-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein sagt, es sei ja viel passiert in den vergangenen Jahren. „Im Stadtbusverkehr wurden beispielsweise zusätzliche Wohngebiete erschlossen, der Nachtverkehr ausgebaut und zusätzliche Linienangebote eingerichtet“, so Müller-Eberstein. „Im Regionalbusverkehr wurde eine Angebotsoffensive umgesetzt, mittlerweile fahren im Zulauf auf Regensburg 24 Linien vertaktet mit einem ergänzenden Angebot im Abendverkehr und an Wochenenden.“ Laut dem ÖPNV-Experten dürfe man von den am Tisch liegenden Vorschlägen auch nicht zu viel erwarten. „Grundsätzlich handelt es sich bei dem angesprochenen Busbeschleunigungskonzept um Vorschläge und mögliche Maßnahmen unter Einbindung der Busunternehmen.“ Im Gutachten wurde untersucht, wie hoch die Reisezeitverluste sind. „Weitgehende Beschleunigungen, die größere Eingriffe bei der Infrastruktur oder deutliche Auswirkungen auf andere Verkehrsträger haben können, sowie Linien- und Netzplanungen sind ebenfalls nicht Bestandteil der untersuchten Maßnahmen.“ Richtig sei aber, „dass auf Basis des vorliegenden Gutachtens einzelne Maßnahmen noch vertieft fachlich untersucht werden“.
Wann das alles geschehen wird, ist laut Referent Plajer noch offen. Denn einen konkreten Zeitplan gibt es nicht. Man habe bislang erste „Diagnosen und Steckbriefe“ erstellt und zur weiteren Prüfung an den RVV, die Stadt, das Landratsamt und deren Nahverkehrsgesellschaft GFN übergeben. Während im Landkreis aber vorwiegend kleinere Maßnahmen auf Gemeindeebene im Plan stehen oder aber gleich Bundesstraßen mit überregionalen Trägern, geht es in der Stadt um verkehrlich neuralgische Punkte.
Die neuralgischen Punkte liegen dabei etwa an der Friedenstraße, aber auch an der Frankenstraße und an der DEZ-Kreuzung beziehungsweise kurz davor. Diese wichtigen Verkehrsachsen, über die auch viele Busse fahren müssen, sind auch die Schwachstellen bei Staus.
Jetzt soll es aber auch schneller gehen, wie aus der Antwort Plajers hervorgeht. Demnach hätten jene Maßnahmen für die Stadt Priorität, „die eine detaillierte Untersuchung benötigen. Dies umfasst räumliche Auswirkungen, Leistungsfähigkeit des Verkehrs sowie Nutzen-Kosten-Analysen“.
Ein heißes politisches Eisen sind dabei natürlich auch Einschränkungen des Individualverkehrs. Die Koalition zwischen CSU, Freien Wählern und SPD ist kürzlich geplatzt. Die CSU ist traditionell eher autofreundlich. Dabei stehen auch Maßnahmen auf der Liste, die beispielsweise mit einer Verkehrsberuhigung in der Altstadt einhergehen würden. Ein Projekt, das eine Rolle bei der Busbeschleunigung spielen soll, ist das geplante Parkhaus am Unteren Wöhrd. Dadurch soll die Goldene-Bären-Straße – zwischen Kepler und Thundorferstraße – von Autos befreit werden, so das Gutachten.
Viele neue Ideen
Auch zusätzliche Busspuren sind eine Belastung für den Autoverkehr – das sagt auch Plajer. Er sagt auch, dass seit dem Scheitern der Stadtbahn viele Ideen für den Busverkehr bei der Stadt und dem RVV eingehen würden. Wieso allerdings nur so wenige Maßnahmen umgesetzt wurden – und wieso das nichts mit der Stadtbahn zu tun haben soll – bleibt offen.