40 Jahre RVV: Der Verkehrsminister kommt ohne Geschenk nach Regensburg

Nach rauschenden Jubiläumsfeiern kann sich mitunter ein Gefühl der Abgeschlagenheit einstellen. Beim 40. Geburtstag des Regensburger Verkehrsverbunds (RVV) war am Montag schon während der Feier eine gewisse Katerstimmung zu verspüren.
Ein Grund dafür liegt gerade einmal zwei Wochen zurück, es ist der zu Ungunsten der Stadtbahn ausgefallene Bürgerentscheid. Sandra Schönherr hat im Lauf der vergangenen beiden Jahre so leidenschaftlich wie sonst kaum jemand für die Stadtbahn geworben. Die Betriebsleiterin beim Stadtwerk Mobilität (SMO) gehört auch der Geschäftsführung des RVV an und war mit deutlichen Worten zur Stelle, als sie von ihrem Kollegen Kai Müller-Eberstein nach Alternativen gefragt wurde.
Die Aufgabe, mehr Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Verkehr zu bewegen, bestehe weiterhin, stellte sie klar. „Aber ich glaube, diese Aufgabe ist schwieriger geworden.“
Landrätin ist besorgt
E-Busse stünden zwar für eine „schöne Mobilität“, doch an den hohen Anschaffungs- und Wartungskosten der Fahrzeuge werde sich in absehbarer Zeit nichts ändern. Zudem erneuerte Schönherr ihre während des Stadtbahn-„Wahlkampfs“ fast mantrahaft formulierte Sorge vor einem Busfahrer-Mangel; das Finden von genügend Personal am Lenkrad bleibe die zentrale Herausforderung der nächsten Jahre.
Und damit der Bus überhaupt eine Chance hat, die eigentlich der Stadtbahn zugedachte Rolle als „Rückgrat des öffentlichen Verkehrs“ einnehmen zu können, müsse im Straßenraum viel passieren. „Der Bus braucht Platz, Geschwindigkeit und Freiraum. Er muss sich breitmachen dürfen.“
Während sich dieser Appell an die Stadtpolitik richtete, sprach Landrätin Tanja Schweiger als amtierende RVV-Aufsichtsratsvorsitzende den anwesenden bayerischen Verkehrsminister Christian Bernreiter an. Sie erinnerte an die Zeit vor der Gründung des Verbunds, als eine Busfahrt vom Landkreis in die Stadt ein kompliziertes Unterfangen gewesen sei. Heute sei man mit dem RVV von Kelheim bis Weiden mit einem Ticket unterwegs.
„Wir haben viel geschafft, Bus und Bahn sind eine Alternative zum Auto geworden“, so Schweiger zum stetigen Ausbau von Netz und Angebot. Selbst im ländlichen Raum sei deshalb das zweite Familienauto keine unbedingte Notwendigkeit mehr.
Dennoch sieht die Landrätin den RVV nun am Scheideweg, da die Abdeckung des Defizits für die beteiligten Städte und Landkreise immer herausfordernder werde. „Wenn man die Mobilitätswende will, ist der jetzige Standard das Mindestmaß.“ Städte und Landkreise stünden gerne bereit, auch für die Fortentwicklung ihren Beitrag zu leisten – „aber ich hoffe, dass es ein bisschen leichter zu finanzieren wird“.
Bernreiter nahm diese Wünsche der „lieben Tanja“ zur Kenntnis, beschied aber kühl: „Ich habe leider kein Geschenk dabei.“ Stattdessen reichte der Minister den Schwarzen Peter in Sachen Budgetfragen an Berlin weiter.
Status quo als Maximum?
So verwies er darauf, dass den Ländern bis 2031 eine Finanzierungslücke von 40 Milliarden Euro im öffentlichen Verkehr drohe. In der Region koste allein die Organisation des Schienenersatzverkehrs während der Sanierung der Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg-Passau 1,5 Milliarden Euro. Wie das zu bestreiten sei, stehe nicht fest. Außerdem sei die Finanzierung des Deutschland-Tickets, die bis 5. Juli fix sein sollte, noch nicht absehbar.
Anhand dieser drei sehr unterschiedlichen Beispiele meinte Bernreiter in Bezug auf Expansionspläne eines Verbunds wie dem RVV: „Ich wäre froh, den Status quo beizubehalten.“
Müller-Eberstein stimmte insofern zu, dass das Deutschlandticket auch für den RVV ein zweischneidiges Schwert sei. 30000 Abonnenten pro Monat seien „wunderbar“ – allerdings handle es sich kaum um Neukunden, sondern um Tarif-Optimierer. Verlässliche Angaben zur künftigen Finanzierung wünsche sich der RVV genauso wie der Minister. Dennoch sagte der Geschäftsführer zum Gast aus München: „Wir feiern das ganze Jahr, Geschenke sind auch im Nachhinein möglich.“