„Einst war in Bad Gögging der Hund verreckt“ – dann gründete sich ein besonderer Verband

Kurhaus, Limestherme, Kurplatz – all das gehört längst zum Ambiente des Kurorts Bad Gögging. Es war im Neustädter Ortsteil nicht immer so. Ein Defizit bestand, das der langjährige Vorsitzende des hiesigen Tourismusverbandes mit deftigen Worten beschreibt.
„In Bad Gögging war der Hund verreckt“, lässt Karl Zettl im Gespräch mit unserer Zeitung von sich hören. Deshalb habe sich im Jahr 1974 der Tourismusverband gegründet, dessen 50-jähriges Bestehen am 17. Juli mit einem Festakt im Kurhaus begangen wird.
Genau an diesem Kurhaus habe es lange Zeit gemangelt. Zettl spricht dabei von einem Kurmittelhaus, das dringend notwendig gewesen sei. Er erklärt, was damit gemeint ist.
Vor 50 Jahren habe es zwar schon eine stattliche Anzahl an Übernachtungsbetten gegeben. Anwendungen boten jedoch nur Römer- und Trajansbad an. Wollte etwa einer von Zettls Hotelgästen eine Anwendung haben, musste erst nachgefragt werden, ob es in den Bädern freie Kapazitäten gibt. Mit einem Kurmittelhaus, also einem Gebäude, in dem für alle solche Angebote vorgehalten würden, hätte man das Defizit behoben gehabt.
Eine Gruppe von Gögginger Bürgern fand sich zusammen, um hier voranzukommen. Es gab auch eine Reaktion des Bezirks. Der sagte finanzielle Unterstützung zu – unter dieser Voraussetzung: Auch aus Bad Gögging heraus müsse es Engagement geben. Bis dahin habe es da nichts gegeben – weder einen Fremdenverkehrsverein noch eine ähnliche Organisation.
Engagement gefordert
Die Vorgaben seien klar gewesen: Und so fanden sich 1974 schließlich 46 Gründungsmitglieder, die den damaligen Fremdenverkehrsverein aus der Taufe hoben. „Es waren Menschen, die am Tourismus im Ort interessiert waren“, erklären Zettl und seine Tochter Margit Zettl-Feldmann, die mittlerweile dem Verband vorsteht.
Jetzt waren die Voraussetzungen geschaffen für den Zweckverband, den es mittlerweile gibt. Die örtliche Beteiligung zeige sich bei dessen Finanzierung bis heute. 60 Prozent der Kosten trage der Bezirk, den Rest übernehmen laut Zettl zu gleichen Teilen der Landkreis und die Stadt. Noch heute gebe es nur dann staatliche Gelder, wenn es eine örtliche Fremdenverkehrsorganisation gebe.
In Bad Gögging gibt es ein weiteres Jubiläum.
Die Initialzündung hatte Wirkung: Fünf Jahre nach der Gründung des Verbandes eröffnet die Limestherme. Das Kurhaus im Stile eines römischen Landhauses mit offenem Atrium mitsamt Kurplatz entstand bis 1992.
Beide Gebäude sind aus dem Kultur- und Freizeitleben nicht mehr wegzudenken. Zahlreiche Konzerte gehen im Kurhaus über die Bühne. Zettl-Feldmann erinnert daran, dass seither der Kurplatz oftmals Schauplatz großer Feste ist. Hier trete der Verband, wie etwa beim Maifest oder dem Leonhardiritt, oft als Organisator auf.
Wer weiß, vielleicht würde es die organisatorische Infrastruktur nach wie vor nicht geben, die sich mittlerweile etabliert hat. Es gibt einen Tourismusdirektor und eine Touristinformation, die nicht zuletzt online mittels Internetseite viele Informationen an die Bürgerinnen und Bürger der Region, aber auch die Gäste von weiter her gibt. Grundsätzlich ist Zettl-Feldmann mit der Entwicklung des Tourismusverbandes zufrieden. Derzeit gebe es 108 Mitglieder. Sicherlich fänden sich noch potenzielle Mitglieder, aber es wollen sich eben nicht alle unter das Dach eines Verbandes begeben.
Bindeglied zur Stadt
Der laut Zettl-Feldmann weiterhin an Angeboten für Gäste arbeitet. So verweist sie etwa auf die Wanderwege rund um Bad Gögging, die ausgeschildert sind. Dazu gebe es regelmäßige Informationsveranstaltungen für die Mitglieder.
Aber vor allem fungiere der Verband als Bindeglied zwischen den Gewerbetreibenden des Kurorts und der Kommune. Einfach gesagt sei das so: Habe ein Unternehmer ein Problem, wende er sich an Zettl-Feldmann oder jemand anderen aus dem Vorstand. Der bringt dann das Thema im Rathaus vor. Andersherum funktioniere der Informationsfluss ebenso.
Im Rahmen eines Festakts auf die vergangenen fünf Jahrzehnte zurückzublicken, sei in den Augen von Vater und Tochter Zettl absolut gerechtfertigt. „Die Gründung des heutigen Tourismusverbandes war die Grundvoraussetzung für die Entwicklung des Gesundheits- und Urlaubsortes Bad Gögging.
