„Hechelnde“ Tiere bei Schwandorf: Streit um Schafherde spitzt sich zu

Ein Schäfer aus der Region sorgt wieder einmal für Schlagzeilen. Besorgte Bürger hatten am Mittwoch die Behörden verständigt, weil etliche der 600 Tiere zählenden Herde hechelnd am Boden gelegen sein sollen. Polizei und Veterinäramt schritten ein. Der Schäfer wittert derweil eine Schmutzkampagne gegen sich.
Immer wieder taucht im Bereich von Schwandorf ein Schäfer mit seiner Herde auf. Die Merinoschafe auf Wanderschaft sind allerdings nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, vor allem wenn sie sich durch Straßen drücken. Sie sorgen auch immer wieder für besorgte Anrufe bei den Behörden.
Kontrolle vor Ort
So war es auch am Mittwoch. Gegen 13.30 Uhr erhielt die Polizeiinspektion Schwandorf nach eigenen Angaben die Mitteilung, dass sich am südöstlichen Stadtrand eine Herde Schafe aufhalten solle, die „sichtlich unter der starken Sonneneinstrahlung leiden würde“.
Die Beamten nahmen den Hinweis ernst. Bei einer Überprüfung vor Ort zusammen mit Vertretern des Schwandorfer Veterinäramts zeigte sich laut Polizei, „dass ein Großteil der Tiere hechelnd am Boden lag“. Weitere Tiere hätten Schatten bei anderen Schafen gesucht. Zudem habe eines der Tier gehinkt. Auf Anweisung des Veterinäramtes wurden die Schafe laut Polizei zum Trinken an einen nahe gelegenen Bachlauf geführt. Gegen den Schäfer wurden Ermittlungen wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet, teilt die Polizei abschließend mit.
Das Landratsamt Schwandorf konkretisiert auf Anfrage den Zustand der Schafe bei der Kontrolle. Dieser sei nicht der Beste gewesen, „bedingt durch den Aufenthalt in der prallen Sonne von Sonnenaufgang bis etwa 14.30 Uhr, ohne jegliches Angebot von Wasser“. Lebensgefahr für die Tiere habe allerdings nicht bestanden, zumal später ein Gewitter aufzog.
Das Veterinäramt könnte wegen der vorgefundenen Umstände nun ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen den Schäfer einleiten. Dieser kann mit seiner Herde aber wie geplant weiterziehen. „Eine Wegnahme der Tiere steht derzeit nicht im Raum“, teilt Landkreissprecher Manuel Lischka mit.
Betroffenee Schäfer sieht die Sache ganz anders und setzt sich zur Wehr
Der betroffene Schäfer sieht die Sache ganz anders und setzt sich zur Wehr. Er hat gegen den bei der Kontrolle eingesetzten Veterinärmediziner nun selbst Anzeige wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung erstattet. Das bestätigt auch die Polizei in ihrem Pressebericht. Der Tierhalter will Stellung beziehen. Bereitwillig hat er sich dazu kurzfristig mit der Mittelbayerischen vor Ort bei seiner Schafherde getroffen, die am Donnerstag bei Irlaching lagerte.
Nach der jüngsten Kontrolle versteht er die Welt nicht mehr. „Das ist alles übertrieben“, sagt er. Zum Zeitpunkt der Kontrolle seien seine Tiere „entspannt im Pferch gelegen“. Schafe, so erklärt es der Halter, würden sich bei Sonnenschein zusammen in eine Gruppe legen. „Das ist ein natürliches Verhalten“, sagt der Schäfer.
Beschuldigte Schäfer ärgert sich über die Vorwürfe seitens der Behörden
Ein hechelndes Schaf würde sich dagegen aufrichten und unruhig verhalten. Seine Herde sei entgegen der Darstellung des Landratsamts ausreichend mit Wasser versorgt gewesen. „Die Tiere hatten am Vortag der Kontrolle den ganzen Tag Zugang zu Wasser. Bei einer Wanderschafherde reicht es aus, wenn einmal am Tag eine Tränkung stattfindet“, erklärt der Tierbesitzer. Eine Anweisung seitens der Behörden, die Tiere nach der Kontrolle zu einem Bachlauf zu führen, habe es nicht gegeben.
Der beschuldigte Schäfer ärgert sich über die Vorwürfe seitens der Behörden. „Solche Behauptungen können nur Leute aufstellen, die das ganze Jahr kein Schaf sehen“, meint er. Es sei immer das gleiche Theater mit den Beamten. „Ich fühle mich zu Unrecht als Verbrecher hingestellt“, konstatiert der Schäfer. Ihm komme es so vor, als würde der zuständige Amtsveterinär seit Jahren „einen Privatkrieg“ gegen ihn führen wollen. Um künftig mehr Argumente gegen diesen in der Hand zu haben, wolle er nun seine Herde von einer unabhängigen Fachkraft begutachten lassen.
Es ist nicht das erste Mal, dass es der betroffene Schäfer mit den Behörden zu tun bekommt. Laut Landratsamt wurden dem Mann in der Vergangenheit mehrfach Verstöße gegen das Veterinärrecht vorgeworfen. Speziell sei es dabei um das Tierschutzrecht und die Viehverkehrsverordnung gegangen.
Anwohner in Sorge
Bereits im Januar hatte seine Herde für Aufregung bei Anwohnern in Wackersdorf gesorgt. Damals wanderte er mit seinen Schafen bei Minusgraden, Eis und Schnee durch den Landkreis – samt trächtigen Muttertieren und Jungschafen. Anwohner sahen darin einen Verstoß gegen das Tierwohl und schalteten das Veterinäramt ein. Sie gingen davon aus, dass die Tiere erst kürzlich geschoren worden seien.
Die Amtstierärzte stellten bei ihrer Kontrolle unter anderem ein totes Lamm fest, das wohl kurz nach der Geburt verendet war. Mindestens ein Mutterschaf war zudem hochträchtig, und mehrere Tiere hinkten, wie das Landratsamt damals mitteilte.
Die Folge: Das Veterinäramt forderte laut Landratsamt den Schäfer auf, trächtige Muttertiere in den Stall zu bringen und hinkende Schafe zu behandeln und bei Bedarf ebenfalls aufzustallen. Die Vermutung der Tierfreunde, dass die Wolle zu kurz war, bestätigte sich indes nicht.
