Wolle zu kurz für die Witterung? Schafherde sorgt in Wackersdorf für Aufregung

Von Hubert Heinzl · 20. Januar 2024 um 05:00

Für Aufregung bei Tierfreunden in Wackersdorf (Landkreis Schwandorf) sorgte in den vergangenen Tagen ein Schäfer, der zurzeit mit seinen Tieren bei Frost, Eis und Schnee durch den Landkreis Schwandorf wandert – samt trächtigen Muttertieren und Jungschafen. Anwohner sahen darin einen Verstoß gegen das Tierwohl und schalteten das Veterinäramt ein.

Vor einer guten Woche wurde eine Wackersdorferin auf die Schafherde aufmerksam, die am Holzberg Richtung Alberndorf unterwegs war – darunter „zahlreiche Jungtiere und auch trächtige Tiere“. Das Thermometer zeigte minus neun Grad bei stärkerem Wind, und die Wolle der Tiere war nach Angaben der Wackersdorferin auffallend kurz.

Das Lamm war bereits tot

„Ich habe mich gefragt, weshalb die Schafherde sich bei diesen Temperaturen überhaupt noch draußen aufhalten muss und keine Schutzmöglichkeit vor der Witterung hat“, sagt sie. Am nächsten Morgen sah sie dann „vom Schlafzimmerfenster aus, wie sich einzelne Schafe um einen Fleck auf dem Boden versammelten“. Es war ein neugeborenes Lamm, das bereits tot war.

Die Anwohnerin alarmierte die Polizei, die ihrerseits das Veterinäramt am Landratsamt Schwandorf verständigte. Vor Ort bestätigten sich die Angaben aus der Nachbarschaft, wie Pressesprecher Manuel Lischka auf Anfrage erklärt: „Ein totes Lamm wurde vorgefunden, das offensichtlich frisch geboren war und kurz nach der Geburt verendet ist. Zudem war mindestens ein Mutterschaf zu sehen, das allem Anschein nach hochträchtig ist“, heißt es in der Mitteilung. Dabei müsse beim Treiben einer Wanderschafherde im Winter der Schäfer eigentlich dafür Sorge tragen, „dass keine Geburten vorkommen“. Darüber hinaus habe man festgestellt, dass einige Schafe hinkten.

Ermahnungen vom Veterinäramt

Weitere Beanstandungen gab es nach Angaben Lischkas nicht. Bei der Kontrolle seien auch „keine Schafe aufgefallen, bei denen die Wolle zu kurz gewesen wäre“. Das Schwandorfer Veterinäramt forderte den Schäfer aber dazu auf, trächtige Muttertiere in den Stall zu bringen und hinkende Schafe zu behandeln und bei Bedarf ebenfalls aufzustallen.

Die Wackersdorferin war nicht die einzige, die sich meldete. Unserer Zeitung liegen zwei E-Mails vor, die ebenfalls an das Veterinäramt gerichtet sind. Der Tenor ist der gleiche: der fehlende Windschutz wird moniert, von trächtigen und hinkenden Schafen ist die Rede. „Ich bin mir sicher, dass hier eine Verletzung des Tierwohls vorliegt“, schreibt ein Anwohner.

Auch an den Tierschutzverein Stadt und Landkreis Schwandorf haben sich die Wackersdorfer gewandt. Doch Vorsitzende Gabi Hahn winkt ab: „Natürlich können wir einzelne Schafe vorübergehend aufnehmen. Aber für Fragen des Tierwohls ist einfach das Veterinäramt zuständig.“

Tiere auch für den Winter gewappnet

Nachfrage bei einem ausgewiesenen Experten: Dass Wanderschäfer ihre Tiere auch im tiefsten Winter auf die Weide treiben, ist nicht ungewöhnlich, wie Andreas Kosel vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regensburg-Schwandorf erläutert. Als Fachberater Schafe, Ziegen und Gehegewild ist er zuständig für die ganze Oberpfalz und hält auch selber Schafe.

Für die Wanderungen bei Wind und Wetter sind die Tiere nach seinen Worten gut gewappnet – vorausgesetzt, sie verfügen mindestens über die sogenannte Dreimonatswolle von ein bis zwei Zentimeter Länge, sind also nicht zu spät geschoren worden. Auf ihren Streifzügen hätten sie „acht, neun Stunden Zeit, um Futter aufzunehmen“. Der Nachtpferch diene dem Wiederkäuen und Ausruhen. „Aus Sicht des Tierschutzes“, ergänzt Kosel, „sollte kein trächtiges Schaf, das zur Lammung ansteht, auf der Winterweide bleiben“. Es gehöre in den Stall, sagt er, ohne den konkreten Fall kommentieren zu wollen.

Halter: Geschoren wurde Mitte August

Der Schäfer selbst weist auf Anfrage die Vorhaltungen der Anwohner zurück. Die Schafe seien Mitte August geschoren worden und damit vor der Kälte ausreichend geschützt. „Den Schafen fehlt überhaupt nichts von der Wolle her“, sagt er. Das verendete Lamm war nach seinen Worten eine Totgeburt nach einer Infektion. Und sobald die Muttertiere gelammt hätten, kämen sie „natürlich sofort in den Stall“. Überhaupt: „Für die Schafe ist das gar kein richtiger Winter, so wie früher mit 20, 25 Grad minus. Das ist doch eher eine Lachnummer.“