Familienunternehmer zeichnen düsteres Bild der Wirtschaftlichen Lage – Ampel als Desaster

Die Familienunternehmer haben am Donnerstag im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg getagt. Nicht nur Unternehmer wie Prinz Luitpold von Bayern blicken mit größter Sorge auf die Rahmenbedingungen für ihre Firmen: Auch ein Ex-Wirtschaftsweiser belegte mit Daten, dass sich die deutsche Wirtschaft in eine Abwärtsspitale bewegt.
Am Anfang steht ein Stabwechsel: Der Unternehmer Prinz Luitpold von Bayern gab an diesem Donnerstag im Haus der Bayerischen Geschichte das Zepter an seine Nachfolgerin Eva Vesterling weiter. Der Wittelsbacher, der in schwierigsten Zeiten in den 70er Jahren erst die Brauerei des Adelsgeschlechts, später dann die Porzellanmanufaktur Nymphenburger übernahm, tut dies in schwierigsten Zeiten: Der Mittelstand leidet.
„Deutschland hat eine Erfolgsgeschichte hingelegt, weil wir hart gearbeitet haben“, sagte der Prinz. „Wir haben keine Rohstoffe und müssen davon leben, dass unser Land Wertschöpfung schafft.“ Doch als Unternehmer, der in der ganzen Welt unterwegs ist, stelle er fest: „Die lachen alle über uns.“ Deutschland sei in den OECD-Ländern am unteren Ende der Lebensarbeitszeit. „Wir arbeiten im schnitt 20 Prozent weniger als die Schweizer. Es ist geradezu lächerlich, dass die Schweiz günstiger produziert als wir.“Das Fazit des Unternehmers: „Wir bluten das Land mit immer mehr Sozialleistungen aus, die wir uns nicht leisten können“ – so die bittere Diagnose über den „kranken Mann Europas“.
„Teure Migrationspolitik“
Ähnlich sah das auch der Straubinger Unternehmer Walter Sennebogen, seines Zeichens Bezirksvorsitzender der Familienunternehmer Niederbayern-Oberpfalz. „Wir erleben eine gigantische Abwanderung von Betrieben und Kapital.“ Die Energiepolitik der Ampel-Regierung sei von Ideologie getrieben, die Ergebnisse aber grotesk: „Wir haben den schmutzigsten Energiemix in ganz Europa“, behauptete Sennebogen. Zudem leiste sich Deutschland eine Migrationspolitik, „die viel Geld kostet, den sozialen Frieden kostet und zu wenige Arbeitskräfte produziert“. Eine Atmosphäre des Staatsdirigismus sei entstanden, wie der niederbayerische Unternehmer skizzierte, übrigens Teil des Titels der Veranstaltung: Demnach wollen die Familienunternehmer in Bayern wieder zurück zu mehr Marktwirtschaft.
Dass diese Einschätzungen eine wissenschaftliche Grundlage haben, belegte Christoph M. Schmidt in seinem Vortrag. Bis 2020 war der Wirtschaftsprofessor Vorsitzender der Wirtschaftsweisen, ein völlig unabhängiges Gremium von Experten, das noch heute ganz im Sinne von Ludwig Erhard die Regierung berät. Schmidt zeigte auf, wie schlecht es steht um die deutsche Wirtschaft. „Wir stehen vor einem weltweiten Dilemma.“ Einerseits gelte es, die noch bestehende weltweite Armut zu bekämpfen. Andererseits führe wachsender Wohlstand zu mehr CO2-Ausstoß und Raubbau an den Ressourcen. Schmidt skizzierte, dass der Aufstieg Chinas und die Befreiung aus bitterer Armut zunehmend zum Problem für den Planeten wird.
Der Wirtschaftswissenschaftler stellte infrage, dass Deutschland mit seiner rigiden Umweltpolitik das Problem lösen würde. „Wir glauben, wir sind moralisch wertvoll, wenn wir verzichten.“ Das sei aber ein Weg in den Wohlstandsverzicht, so der frühere Wirtschaftsweise. Dabei müsse die Lösung sein, „mit mehr Leistungswillen und Innovationsfreudigkeit die Teile dafür zu liefern, um das Problem der Umweltverschmutzung zu lösen“.
Welche beeindruckende Innovationen Unternehmen nach wie vor vorantreiben, das erfuhren die Gäste in Regensburg von jungen Gründern. Janik Altenhöfer und Ruben Gerrit Scheuring präsentierten das Biofabrication-Startup RevoBITS, das mittels 3D-Druck Zellen herstellt und damit beispielsweise Tierversuche vermeiden hilft. Der große Traum, das verrieten sie dem Publikum und Moderator Marc Beise (Süddeutsche Zeitung): Ein Herz aus dem 3D-Drucker, das irgendwann in einem Patienten schlägt.
Jüngster Gründer ist 80
Hoffnung trotz der bitteren Klagen über die Politik und die gesellschaftliche Atmosphäre im Hinblick auf die Marktwirtschaft machte dann aber auch das Panel, auf dem Start-up-Unternehmer saßen, die ihre Ideen aus dem Wissenschaftsbetrieb heraus beziehen. Dr. Martin Pensold vom Max-Planck-Institut für Biochemie und biologische Intelligenz beschrieb, wie sie Gründer-Kompetenz zu den Forschern bringen. Ein Beispiel nannte Pensold auch, etwa einen Forscher, der eine spezielle Methode zur Zertrümmerung von Nierensteinen mit Lasern entwickelte. Der älteste Gründer sei übrigens 80, die Jungen seien aber nicht fauler und oftmals besonders engagiert. Und 50 Prozent der Gründer haben keinen deutschen Pass.



