Neue Verkehrszeichen in Regensburg: Grüne Schilder gegen das E-Scooter-Chaos

Von Rainer Wendl · 28. Juni 2024 um 10:00

In den vergangenen Wochen wurden im Regensburger Zentrum zahlreiche neue, grüne Verkehrsschilder samt Bodenmarkierungen angebracht. Was hat es damit auf sich?

Achtlos auf dem Bürgersteig geparkte oder bisweilen sogar hingeworfene E-Scooter zählen zweifellos zu den Ärgernissen der Verkehrswende. Mittels eigens ausgewiesener Stellplätze für solche Roller sowie für E-Bikes und E-Mopeds will die Stadt Ordnung in das Chaos bringen. An insgesamt 39 Standorten im Bereich Altstadt/Stadtamhof weisen jetzt grüne Schilder mit der Aufschrift „Sharing“ sowie gleichfarbige Bodenmarkierungen auf die neu geschaffenen Abstellflächen für Leihfahrzeuge hin.

Den entsprechenden Auftrag hatte der Stadtrat im September vergangenen Jahres erteilt. Die Notwendigkeit der Maßnahme, für deren Umsetzung ein Betrag zwischen 30.000 und 50.000 Euro eingeplant wurde, war in der Beschlussvorlage deutlich genannt. Angesichts von mittlerweile rund 1200 in Regensburg mietbaren Scootern hieß es da: „Mit den zunehmenden Flottengrößen stieg auch die Zahl der Beschwerden und Konflikte.“

Kunden müssen es wissen

Klaus Steiner, der Vorsitzende des städtischen Seniorenbeirats, kann dies nur bestätigen. Wiederholt habe sein Gremium bei der Stadt interveniert, weil ein mitten auf dem Gehweg liegender Scooter gerade für alte Menschen mit Rollator oder Rollstuhl ein nur schwer überwindbares Hindernis darstellt. „Wir haben die Ausweisung und Beschilderung der Abstellplätze schon vermisst. Schön, dass sich jetzt was bewegt“, sagt er.

Allerdings betont Steiner auch, dass es mit den grünen Tafeln und Bodenmarkierungen allein längst nicht getan ist: „Das ist ein erster Schritt, aber das reicht noch nicht.“ Jetzt müsse sichergestellt werden, dass die in Regensburg tätigen Verleiher ihre Kunden auch zuverlässig über die Stellflächen informieren und ein „wildes“ Parken geahndet wird.

Weil es das klar formulierte Ziel der Stadt ist, alle sonstigen Bereiche in der Altstadt und in Stadtamhof künftig konsequent von den Scootern freizuhalten, gibt sich Steiner zuversichtlich: „Es wäre super, wenn die neu ausgewiesenen Plätze zum Abstellen wie geplant angenommen werden.“

Flächen derzeit oft zugeparkt

Wirklich „scharf gestellt“ ist das neue System indes noch nicht. „Die Abstell-/Parkverbotszone wird aktiviert, sobald mindestens zwei Drittel der Abstellpunkte zur Verfügung stehen“, hieß es zwar in der im September beschlossenen Vorlage – doch eine Stichprobe am Donnerstagmittag ergab ein anderes Bild:

Auf dem Stellplatz für Scooter, E-Bikes und E-Mopeds an der Ecke Stadtamhofer Hauptstraße/ Andreasstraße machte sich ein Lieferwagen breit, auf der Scooter- und E-Bike-Fläche bei der Alten Linde am Oberen Wöhrd stand ein schweres Motorrad und auf dem für Scooter reservierten Fleckchen in der Kalmünzergasse „parkte“ eine Biomülltonne.

Dass derlei Missbräuche nicht auszuschließen sind, ist der Stadt bewusst. Daher steht bereits die Ankündigung, dass Gegenmaßnahmen ergriffen werden, sollten die neu ausgewiesenen Flächen beispielsweise regelmäßig von Autos belegt werden.

Nicht für E-Lastenräder

Eine Kontrolle durch den Verkehrsüberwachungsdienst könne jedoch allenfalls sporadisch und nur bezogen auf Fahrzeug mit Kennzeichen erfolgen, lautet die Einschränkung bereits vorab. Und: „Kaum zu verhindern sein wird jedoch das Abstellen von privaten Fahrrädern, Scootern oder Mopeds.“

Nicht gedacht sind die grün beschilderten Abstellplätze übrigens für E-Lastenräder. Für das von der Stadt unterstützte Sharing-Programm „Donau Donkeys“ gibt es nämlich bereits Sondernutzungserlaubnisse, die unverändert gelten. Für private E-Lastenräder bestehen seit gut eineinhalb Jahren sieben ausgewiesene Parkplätze am Alten Kornmarkt. Weitere Standorte sind in Prüfung.

Welche Fahrzeuge sollen auf welche n Flächen stehen?

Insgesamt gibt es 39 Standorte für die neu markierten Abstellflächen. Davon sind 19 für E-Sccoter und E-Bikes, 13 für E-Scooter, E-Bikes und E-Mopeds und sieben allein für E-Scooter. Welche Stellflächen für welche Fahrzeugart(en) vorgesehen sind, ist auf den grünen Schildern per Piktogramm dargestellt.

Um den nötigen Platz zu erhalten, mussten insgesamt 17 Kfz-Stellplätze (davon fünf Anwohnerparkplätze) „geopfert“ werden. Alle anderen Abstellflächen wurden auf Gehwegen, auf der Fahrbahn oder in sonstigen Bereichen eingerichtet.