Tägliche Nachfrage nach Öko-Diesel: Erste Regensburger Tankstelle bietet bald HVO an

Von Marion Koller · 26. Juni 2024 um 17:00

Die erste Regensburger Tankstelle bietet bald HVO an – Armin Mayer steht in den Startlöchern.

Armin Mayer wartet nur noch auf die Genehmigung der Stadt. „Ich hoffe, dass das jetzt schnell geht. Der Tank, alles ist da. Wir könnten morgen anfangen.“ Dem 66-Jährigen gehört die Avia-Tankstelle in der Landshuter Straße, die als erste in Regensburg den Öko-Diesel HVO100 bekommen wird. „Er wird anscheinend ein Knaller“, glaubt Mayer.

In Deutschland ist der neue Treibstoff seit Mai erlaubt. Er soll eine Alternative zu fossilem Diesel bieten und wird aus erneuerbaren Rohstoffen gewonnen. Dabei fällt die „Teller-oder-Tank“-Diskussion flach, denn HVO100 wird mit Hilfe von Wasserstoff allein aus Speiseresten, Ölen, Fetten und Pflanzenölen gewonnen.

Im Vergleich zu Erdöl-basiertem Diesel wird bis zu 90 Prozent weniger CO2 ausgestoßen. Das sagt der Hersteller Neste, der auch die Tankstellenkette Avia beliefert. Auch der Feinstaub sinkt um 30 Prozent. Um wie viel der Treibstoff die Ökobilanz eines Diesels gegenüber Benzinern, Hybriden oder Elektroautos verbessert, ist noch unklar.

Palmöl sollte nicht drin sein

Hans-Peter Rabl ist Professor für Verbrennungsmotoren an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH). „HVO ist für mich schon ein Teil der Lösung“, sagt er zur Mediengruppe Bayern. Rabl bestätigt: „Wenn biogene Abfall- und Reststoffe wie Altspeisefette für die HVO-Produktion eingesetzt werden, kann man damit eine CO2-Reduzierung um rund 90 Prozent im Vergleich zu Standard-Diesel realisieren.“ HVO trägt also zum Klimaschutz bei. Aber nur unter einer Voraussetzung: Der Ausgangsstoff muss Altspeisefett sein, nicht Palmöl. Stammt HVO aus tropischen Pflanzen, für deren Anbau Regenwälder gerodet wurden, ist er nicht klima- und umweltfreundlich.

Michael Sterner, Professor für Erneuerbare Energien an der OTH, hält es für einen guten Schritt, neben Biodiesel und E-Mobilität weitere klimafreundliche Alternativen wie HVO einzuführen. Allerdings ist ein mit dem neuen Kraftstoff betankter Wagen für ihn keine Alternative zum E-Auto. Sein Argument: HVO sei nicht in großen Mengen verfügbar. „Die Herstellung ist auf Reststoffe begrenzt. Der elektrische Antrieb im E-Auto ist zudem viel effizienter als ein Verbrennungsmotor. HVO ist also nur in der Beimischung eine begrenzte Alternative.“ Aus seiner Sicht sollte er eher in Baumaschinen und Traktoren, also für Schwerlast-Aufgaben eingesetzt werden, wo es noch keine hinreichenden Alternativen wie E-Fuels oder Elektroantriebe gibt.

Stefan Schedel, Technischer Leiter bei der A.F. Bauer GmbH in Regenstauf, freut sich auf HVO100. Firmenflotten könnten umweltfreundlicher fahren. Das Unternehmen ist im Bereich Mineralölhandel mit dem Schwerpunkt Vertrieb von Kraftstoffen über das firmeneigene Avia-Tankstellennetz tätig. Dazu gehören 126 Tankstationen in der Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Oberfranken und Thüringen.

Nach Eintreffen der Genehmigung wird A.F. Bauer noch rund vier Wochen bis zum Verkaufsstart benötigen. Die Avia-Tankstelle in der Landshuter Straße ist eine Pilotstation. „Abhängig von den Erfahrungen, die wir dort sammeln, werden wir weitere Planungen vornehmen“, sagt Schedel. Der Prokurist verrät auch den Preis: „HVO100 wird sich anfangs circa 15 Cent über Diesel bewegen, was den höheren Logistikkosten geschuldet ist und im Laufe der Zeit abschmelzen sollte.“

Test mit Linienbussen

Das Stadtwerk hat HVO100 bereits bei zwei Dieselbussen im Linienbetrieb getestet. Die Fahrzeuge haben jeweils 7000 Kilometer damit zurückgelegt. „Wir haben ganz positive Ergebnisse erzielt“, bilanziert Thomas M. Edenharder, Betriebsleiter von Stadtwerk.Fahrzeuge & Technik. „Das ist eine gute Brückenlösung Richtung E-Mobilität.“ Die Motorenleistung hat sich nicht verschlechtert. Auch die Befürchtung, dass die Busse „nach Fritten riechen“, hat sich nicht bewahrheitet.

Einen Wermutstropfen aber gibt es: den geringen Mehrverbrauch. „Der schlechtere Bus schluckte sechs Prozent mehr.“ Das hänge von der Fahrweise und der Strecke ab. Fazit: Wenn der Aufsichtsrat zustimmt, wird das Stadtwerk künftig HVO einsetzen.

Für alle DieselInhaltsstoffe: HVO bedeutet Hydrotreated Vegetable Oils (mit Wasserstoff behandelte Pflanzenöle). Neben Pflanzenölen werden Abfälle sowie Öle und Fette aus Reststoffen wie gebrauchtes Speiseöl in der Produktion eingesetzt.

Einsatz: HVO100 oder HVO in Reinform kann man in jedem Dieselmotor einsetzen, ohne dass Anpassungen erforderlich sind.

Thomas M. Edenharder vom Stadtwerk findet, der Öko-Diesel sei eine gute Brückentechnologie Richtung E-Mobilität. Foto: Edenharder
Stefan Schedel von A.F. Bauer erwartet, dass das HVO anfangs 15 Cent mehr als der herkömmliche Diesel kosten wird. Foto: Schedel