Transportfirma Georg Mayer GmbH aus Maxhütte-Haidhof setzt auf neuen Bio-Diesel

Von Norbert Wanner · 1. Juni 2024 um 15:00

Fuhrunternehmer Georg Mayer aus Maxhütte-Haidhof ist überzeugt von HVO 100. Für ihn ist es der neue Bio-Diesel das beste Mittel, um einen Großteil der durch den Straßenverkehr erzeugten CO2-Emissionen zu vermeiden. Doch durch die Politik sieht er sich ausgebremst.

HVO 100 – das ist Diesel aus alten Speiseölen und anderen Abfällen, der normalen Diesel eins zu eins ersetzten kann. Gegenüber herkömmlichem Diesel könnten damit 90Prozent an Kohlendioxid, aber auch 33 Prozent Feinstaub eingespart werden.

Dazu hat dieser Treibstoff laut Mayer keinerlei Nachteile, er ist für ihn sogar besser als normaler Diesel. Eine Aussage, die nicht auf Werbeversprechen oder theoretischen Diskussionen beruht. Mayer ist der Seniorchef des Transportunternehmens Georg Mayer GmbH. Im Januar 2023 begann nach seinen Worten ein Versuch mit zwei Lastwagen, die nur mit HVO 100 betankt wurden. Die Erfahrungen waren so gut, dass im April der gesamte Fuhrpark umgestellt wurde.

Einziger Nachteil, der für einen Unternehmer allerdings besonders ins Gewicht fällt, sind die Mehrkosten von rund 0,15 Cent je Liter gegenüber herkömmlichem Diesel. Das müsste allerdings nicht sein, denn würde HVO 100 mehr nachgefragt, würde der Preis sinken. So hat es sich Mayer zur Mission gemacht für die neue Spritsorte zu werben, war beispielsweise schon in der Abendschau des BR zu sehen. Denn für ihn ist klar: „HVO 100 ist eine vernünftige Übergangslösung, bis batterieelektrische Lkw praxistauglich sind oder Wasserstoff in genügender Menge mit einem entsprechenden Tankstellennetz bereit steht. Es funktioniert ab sofort.“ In Europa gebe es jetzt schon freie Kapazitäten, die genutzt werden könnten.

Sprit-Verbrauch fällt etwas geringer aus

Seit 2016 beschäftigt sich der Transportunternehmer mit dem Thema, seit der IAA damals, als er sich über Gas als Alternative zu Diesel informierte. Dabei kam es zu einem Gespräch mit einem Techniker von Scania, der auf den neuen Sprit hinwies. Neuer Schwung kam in die Angelegenheit als Mayer in der Fachpresse, im Juli 2022 gelesen hatte, dass die Deutsche Bahn die Emissionen der Dieselloks mit HVO 100 reduzieren wolle. So kam es schließlich zum Betriebsversuch. Der brachte auch zutage, dass der Verbrauch gegenüber normalem Diesel um ein bis zwei Prozent sinkt, was die Mehrkosten etwas geringer ausfallen lässt.

Folgt man den Worten des Seniorchefs, könnten so problemlos bei Nutzfahrzeug in ganz Deutschland Emissionen eingespart werden, egal ob Lastwagen, Bagger oder Traktor. Das würde auch für Privatfahrzeuge gelten – einfach jedes Fahrzeug, das einen Dieselmotor hat. Die Emissionsersparnis kommt nach den Worten des Unternehmers aus einem alternativen Herstellungsprozess. Dieser sorgt dafür, dass weniger Abgas aus dem Auspuff kommt, verbunden mit einer viel besseren Verbrennung.

Auch Oldtimer fährt mit Bio-Diesel

Tatsächlich ist der Unterschied von Diesel zu HVO 100 zu riechen und zu sehen, wie Mayer demonstrierte. Der Sprit aus Altölen ist klar wie Wasser, fast geruchsneutral und könnte problemlos mit normalem Diesel gemischt werden, wenn einmal normal nachgetankt werden muss. Dazu ist HVO 100 unbegrenzt haltbar und versulzt im Winter nicht. Und er hat keinen Bioanteil, der zu Bakterien im Tank führen könnte. Wie sehr Mayer vom HVO 100 überzeugt ist, illustriert die Tatsache, dass der Sprit auch in seinem Oldtimer Verwendung findet, einem Mercedes 170 SD Typ 136. Baujahr 1954. Hier ist seine Erfahrung: „Der Motor läuft ruhiger, stößt weniger Ruß aus.“

Was das Ganze bringt, hat der Unternehmer im April fein säuberlich zusammengetragen. Von seinen 20 Lastwagen laufen vier mit Gas. 151 345 Kilometer betrug die addierte Kilometerleistung für diesen Monat. Das hätte zu einem Ausstoß von 120 Tonnen CO2 geführt. Mit der Umstellung auf HVO 100 und unter Einrechnung der mit Gas betriebenen Lkw konnten 108 Tonnen eingespart werden.

Kritik: E-Autos von der Politik bevorzugt

Bleibt die Frage, warum der neue HVO 100 kaum Verwendung findet. Mayer sieht darin ein politisches Thema. Offenbar würden batterieelektrische Fahrzeuge den Vorzug genießen. Das treibe aus seiner Sicht „skurrile Blüten“. Obwohl Straßen und Brücken vielerorts in einem schlechten Zustand seien, sei für Lastwagen mit elektrischem Antrieb das zulässige Gesamtgewicht von 40 auf 43Tonnen erhöht worden, um überhaupt Batterien nutzen zu können, die zu halbwegs brauchbaren Reichweiten führten. Gleichwohl gebe es in ganz Deutschland aktuell gerade einmal 190 elektrische Sattelzugmaschinen. Dazu ärgert ihn massiv, dass er CO2-Maut zahlen muss, als würde normaler Diesel genutzt, obwohl seine Fahrzeuge kaum noch Kohlendioxid ausstoßen.