Donau-Hochwasser: Führt ein neuer Deich zu neuen Problemen in Eining?

Bei Hochwassern an der Donau richtet sich der Blick regelmäßig auf Staubing (Landkreis Kelheim). Bei nahezu jeder Flut werden dort Straßen überschwemmt und Häuser stehen im Wasser. Nur ein paar Kilometer weiter stromauf in Eining sieht es nicht anders aus. Dort könnte es sogar noch schlimmer kommen.
„Immer wieder wird nur über Staubing mit Hochwasserschäden berichtet, doch auch wir als Oberlieger in Eining sind genauso betroffen“, sagt Lothar Ziegler aus Eining. Ihn hat das jüngste Hochwasser besonders schlimm erwischt. „Ich muss nun mein komplettes Haus entkernen, die Küche ist auf der Veranda und die Zähne putzen wir uns mit Mineralwasser.“
Tatsächlich sieht es bei Ziegler aus wie auf einer Baustelle. Der Boden im Erdgeschoss seines Wohnhauses ist demontiert. Das Wasser hat die Dielenbretter aufquellen lassen. Sie liegen zum Trocknen im Schuppen. Ob sie noch zu irgendwas zu gebrauchen sind, ist fraglich. Überall ist die Feuchtigkeit im Wohnhaus zu spüren. Fünf Trockner laufen, um die Feuchtigkeit aus dem Haus zu vertreiben und das Gebäude wieder bewohnbar zu machen. Sohn Julian und dessen Freunde haben mitangepackt, um die Einrichtung zu bergen.
Versicherung zahlt nicht
Wie hoch der finanzielle Schaden ist, steht noch nicht fest. Eine Summe von 108.000 Euro hat ein Gutachter ermittelt. Grundsätzlich würde dafür die Versicherung aufkommen, doch die weigert sich und versucht mit dem Argument aus der Zahlungspflicht zu kommen, das Anwesen sei unter einer falschen Adresse gelistet.
Für Lothar Ziegler, den Berufsfischer, dessen Familie seit 1472 die Fischereirechte auf der Donau hat, könnte es noch dicker kommen. „Wird nun die Hochwasserfreilegung in Staubing wie geplant umgesetzt, werden unsere Probleme durch den Rückstau deutlich mehr“, sagt er. „Wir als Oberlieger werden ,absaufen‘.“
„Wir“ – das sind auch die Nachbarn Zieglers. Sie kennen die Probleme mit den Hochwassern der Donau. Nur ein paar Schritte von Zieglers Anwesen entfernt, befinden sich die Fähre und der bekannte Biergarten. Regelmäßig wird der Biergarten fotografiert, wenn die Donau in Eining über die Ufer getreten ist.
Ziegler kennt die Donau. Er weiß um die Gefahren, die vom Fluss ausgehen. Er hat alte Karten vom Flussverlauf. Sie zeigen, wie sich die Donau im Laufe von Generationen verändert hat. Altwasser, Nebenarme und Überschwemmungsgebiete sind verschwunden. Der Plan, den Nachbarort Staubing durch einen Deich zu schützen, schaffe neue Probleme, sagt er. Der Deich würde dazu beitragen, dass sich das Wasser oberhalb von Staubing staut. „Überall soll die Donau Platz bekommen und mit diesen Planungen wird gerade das Gegenteil erreicht“, argumentiert Ziegler. „Die Donau wird noch mehr eingeengt und natürliche Abflussflächen mit einem Volumen von 800 bis 1000 Kubikmeter pro Sekunde stehen nicht mehr zur Verfügung.“
Das Wasserwirtschaftsamt sieht die Situation anders. Dem Fischer aus Eining liegen Schreiben der Behörde vor, in denen es heißt, es gebe keine Veränderungen in Eining, wenn der Deich in Staubing gebaut werde. Es würden „keine höheren Wasserstände“ für Eining, Sittling, Bad Gögging und Neustadt a.d. Donau erwartet.
Deutlicher Anstieg erwartet
Lothar Ziegler hat nachgerechnet, was der Deichbau bedeuten kann. Er hat unter anderem die Flussbreiten und die Tiefe der Donau berücksichtigt und kommt zu einem erschreckenden Ergebnis. Der Wasserstand der Donau könnte um 90 Zentimeter gegenüber dem letzten Hochwasser steigen. Verschärfen würde sich die Situation dadurch, dass eine große Kiesbank auf Höhe von Staubing „wie eine Bremse“ auf die Fließgeschwindigkeit der Donau wirken würde.
Hochwasser in Eining? Lothar Ziegler hatte bisher erst zweimal Wasser in seinem Haus – beim „Jahrhunderthochwasser“ Pfingsten 1999 und in diesem Sommer. In Zukunft könnte es öfter dazu kommen, befürchtet er und sagt ja zu Deich und Schutz für Staubing, „aber mit Hirn und den Gegebenheiten angepasst“, sagt Ziegler.


