Partyvolk bangt um Zukunft der Disco „Pearls“ in Nabburg – Stadt will Lebensmittler auf dem Gelände

Von Hubert Heinzl · 25. Juni 2024 um 19:00

Läuft für die bekannteste Disco im Kreis Schwandorf bald der Countdown? Nach einer Sitzung des Bauausschusses könnten die Tage des Nabburger „Pearls“ gezählt sein – irgendwann. Denn das Gremium fasste kürzlich den Beschluss für eine Nutzungsänderung auf dem Gelände.

Lebensmittel statt Gastronomie, lautet die neue Zielrichtung, wie Nabburgs Bürgermeister Frank Zeitler auf Anfrage bestätigte. Anlass zur Diskussion war eine Bauvoranfrage der Weidener LPF 1 Asset 1 GmbH & Co. KG auf Errichtung eines Lebensmittelmarkts mit Backshop auf einer Fläche an der Schlörstraße 1a – genau das ist auch die Postanschrift der Nabburger Kult-Disco.

Erst einmal stehen viele Gespräche an

Laut Rathauschef Zeitler wurde in der Sitzung das gemeindliche Einvernehmen zu dem Projekt erst einmal verweigert, weil die Stadt auf der genannten Fläche ein Gewerbe- und Industriegebiet ausgewiesen hat. Und da passt Handel nicht hin. Zugleich fasste der Bauausschuss einstimmig den Beschluss, dass sich das zeitnah ändern soll, um die Ansiedlung des Lebensmittlers zu ermöglichen.

In trockenen Tüchern ist das Projekt aber noch lange nicht. Zeitler will nach eigenen Worten jetzt erst einmal Gespräche mit allen Beteiligten führen, um die jeweiligen Interessen und Vorstellungen unter einen Hut zu bringen. Eine wichtige Voraussetzung ist nach seinen Worten bereits gegeben: Die Eigentümer seien grundsätzlich bereit, das rund 7500 Quadratmeter große Grundstück an Nabburgs Peripherie zu veräußern.

Stadt liebäugelt mit Vollsortimenter

Aber auch die Stadt hat klare Vorstellungen: An der Schlörstraße soll sich nach dem Beschluss des Ausschusses nicht ein Discounter, sondern ein großer Vollsortimenter ansiedeln. Von der guten Erreichbarkeit ist der Bürgermeister überzeugt, könnten nicht nur Ortsteile wie Diendorf oder Neusath profitieren, sondern auch die vielen Einpendler und überhaupt die ganze Stadt. Der Bedarf sei gegeben, sagt Zeitler, die Einwohnerzahl habe sich in den vergangenen Jahren von 6040 auf rund 6350 erhöht.

Wenn sich die Projektpartner einig sind, muss die Stadt auch im Baurecht die erforderlichen Weichen stellen. Der Flächennutzungsplan muss geändert, ein neuer Bebauungsplan für ein Sondergebiet „Einzelhandel“ beschlossen und auch das Einzelhandelsentwicklungsgutachten fortgeschrieben werden. Denn die Regierung der Oberpfalz hat ein Auge darauf, dass die Kommunen nicht über Gebühr Verkaufsflächen ausweisen.

Als Bremsklotz könnte sich dabei erweisen, dass der Mietvertrag für den ehemaligen Rewe im Gewerbegebiet am Angerweiher bis 2027 verlängert wurde. Die nicht genutzten Verkaufsflächen zählen mit beim Kontingent der Stadt und könnten dazu führen, dass mit einer weiteren Ausweisung auf der anderen Seite der A93 der Bogen überspannt wird. Doch Zeitler zeigt sich optimistisch, dass auch dieses Problem gelöst werden kann.

Aussagen über die mögliche Zeitspanne bis zur Realisierung will der Bürgermeister ausdrücklich noch nicht treffen. „Einen Zeitplan werden wir ab dem Zeitpunkt entwickeln, an dem sich alle einig sind“, sagte er.

Geschäftsführer: Noch ist nichts entschieden

Eines steht fest: Allein das Verfahren zur Änderung der städtischen Bauleitplanung wird sich über Monate hinziehen, gleiches gilt für die Fortschreibung des Einzelhandelsentwicklungsplans.

Pearls-Geschäftsführer Alfred Keller kann sich also entspannt zurücklehnen, und er tut es auch. „Ich kann nur sagen: Noch ist nichts entschieden. Das Ganze dürfte sich durchaus länger hinziehen“, sagte er auf Anfrage. Bis auf weiteres werde sich am Programm nichts ändern. Die „2Euro Party“ am 29. Juni bleibt also ebenso gesetzt wie der „Crazy Club“ oder die Salitos-Aktion im Juli.

Muss die bekannteste Diskothek im Landkreis einem Einzelhandelsprojekt weichen? Foto: Martin Kellermeier, Archiv