Wiederaufbau des zerstörten Tors in Gnadenberg verzögert sich – Problem mit Lkw weiter ungelöst

Es war ein Schock für die etwa 200 Bewohner des Klosterdorfes Gnadenberg im Landkreis Neumarkt: Am Morgen des 6. September 2023 riss ein unvorsichtiger Lastwagenfahrer eines der beiden historischen Stadttore ein. Der geplante Wiederaufbau hat bisher nicht stattgefunden – aus einem besonderen Grund.
Mehr dazu: Wollte Stau auf der A3 ausweichen: Lastwagen zerstört historisches Tor im Landkreis Neumarkt
Dass das Tor in seiner alten Form rekonstruiert werden sollte, stand bereits am Tag des Unglücks fest. „Es ist ein wichtiger Bestandteil des Ensembles der Klosterruine Gnadenberg“, stellte Thomas Gruber von der Unteren Denkmalschutzbehörde damals fest.
Steine gesammelt und sortiert
Die Steine wurden deshalb von einer Spezialfirma geborgen, sortiert und sicher gelagert. Die Dorfbewohner sammelten Fotos des intakten Tors, um einen Plan zu erstellen, welcher Stein an welche Stelle kommen sollte. Ein Anwalt der Gemeinde Berg klärte mit der Versicherung des Unfallverursachers, dass diese die Baukosten übernimmt.
Als letzten Schritt vor dem Wiederaufbau prüfte ein Architektur-Büro die Pläne – und kam zu dem Schluss, dass das Tor in Zukunft stabiler sein werde als vorher. „Wir bauen einfach nicht mehr wie vor 200 Jahren“, sagt Bürgermeister Peter Bergler. „Die Statik wird deshalb besser werden.“
Besseres Tor, höhere Kosten
Das ergab ein überraschendes Problem: Denn das Tor erhält dadurch eine Wertverbesserung. Und die Versicherung zahlt eigentlich nur die Wiederherstellung des ursprünglichen Gebäudes.
„Die Gemeinde zahlt die Wertverbesserung nicht – denn wir haben das Tor ja nicht kaputt gemacht.“ Peter Bergler, Bürgermeister Berg
Um welche Summen es geht, will Bergler nicht sagen, da darüber aktuell noch mit der Versicherung verhandelt wird. Eines ist aber klar für ihn: „Die Gemeinde zahlt die Wertverbesserung nicht – denn wir haben das Tor ja nicht kaputt gemacht.“ Er ist aber zuversichtlich, dass sich das Problem im Lauf der nächsten Wochen lösen wird: „Es gibt keinen Streit, nur eine Klärungsphase.“ Nach dieser könne es dann wirklich an den Aufbau gehen.
Lkw-Umleitung für Gnadenberg?
Weiterhin offen ist, wie das Dorf in Zukunft mit dem Lkw-Verkehr umgehen wird. Der wird bei Staus auf der A3 regelmäßig durch Gnadenberg geleitet. Der Heimat- und Brauchtumsverein forderte, eine alternative Strecke zu finden. „Wir haben darüber intensiv mit allen Fachbehörden diskutiert“, sagt Bergler. Das Problem sei, dass die Kosten für eine neue LED-Beschilderung in Höhe von 500.000 Euro von Berlin getragen werden müssten und da gäbe es noch keine Rückmeldung. Zudem würden die meisten Lkw-Fahrer sich ohnehin nicht an Schildern, sondern an ihren Navis orientieren.