Großeinsatz am Kraftwerk Bad Abbach: Kajakfahrer drohte in die Tiefe zu stürzen

In einer spektakulären Rettungsaktion ist am Montagvormittag ein Kajakfahrer gerettet worden, der am Wehr bei Bad Abbach-Poikam (Landkreis Kelheim) in die Tiefe zu stürzen drohte. Es war der dritte Großeinsatz in diesem Bereich der Donau binnen drei Tagen.
Der Kajakfahrer, Teilnehmer der „Tour International Danubien“ (TID), hatte Riesenglück am Montag: Unterwegs im TID-Tross von Kelheim nach Regensburg, verpasste er am Montag kurz nach 9 Uhr offenbar den so genannten Borstenpass, also die Wassergasse, die kleine Sportboote und auch Fische um das Kraftwerks-Wehr bei Poikam herumlotst. Das Kajak geriet viel zu weit nach links und direkt in den Strömungsbereich des Wehres. Dafür reiche eine kurze Unaufmerksamkeit schon, erklärt Ellen Menzinger, Organisatorin des deutschen TID-Abschnitts.
Ein Sturz übers Wehr in die Tiefe hätte für den Sportler aus Bulgarien höchste Lebensgefahr bedeutet, wegen der Fallhöhe und der mächtigen Wasserwalze am Fuß des Wehrs. Aber der Mann hatte riesiges Glück im Unglück, schildert Theodoros Reumschüssel, Pressesprecher beim Kraftwerksbetreiber Uniper: Wegen der extrem starken Wasserführung der Donau war die linke Wehrklappe „gelegt“, lag also horizontal. In der Position ist sie nur von wenig Wasser überströmt. So konnte sich der Fahrer daran festklammern. Und hatte dann nochmal Glück.
Mitarbeiter einer vor Ort tätigen Firma bemerkten den Schiffsbrüchigen und schlugen Alarm; daraufhin signalisieren Kraftwerksmitarbeiter sofort der zuständigen Leitwarte, am Wehr keinerlei Veränderungen mehr vorzunehmen, schildert Pressesprecher Reumschüssel. Dann warf die Crew vom Wehrhaus aus einen Rettungsring zum Kajakfahrer und setzte einen Notruf ab.
Höhenretter im Einsatz
Umgehend rückten die Feuerwehren aus Bad Abbach und Poikam an, dazu die Höhenretter der Berufsfeuerwehr Regensburg, wie Abbachs Vizekommandant Benedikt Hartmann vor Ort schilderte. Auch Polizei und Rettungsdienst waren vor Ort. Die Höhenretter konnten, gesichert auch per Drehleiter, Mann und Boot auf die Brücke hieven – beide unversehrt und nicht mal durchnässt, ergänzt Ellen Menzinger, selbst noch ganz erstaunt.
Der Gerettete habe seine Fahrt guter Dinge fortgesetzt; „mittlerweile kam er wohlbehalten in Regensburg an“, wusste Menzinger am Nachmittag. Wie es zu dem Beinahe-Unfall kam, hatte sie da noch nicht recherchieren können.
„Wir geben zu Beginn, in Ingolstadt, immer eine Sicherheitsbelehrung, und jeden Abend eine Fahrtenbesprechung für den nächsten Tag auf Deutsch und Englisch, mit Schaubildern, wo man fahren soll und wo nicht“, so Menzinger. Aber allgemein gebe es bei der TID immer einige Teilnehmende, die solche Hinweise ignorierten. Indes sehen Donaukenner derzeit ein erhöhtes Risiko für Wassersportler, weil der Fluss nach dem Hochwasser immer noch fast doppelt so viel Wasser führt wie im Durchschnitt und weiterhin noch Treibgut mitschwimmt.
Zumindest den vorherigen Rettungseinsatz zu Wasser, am Sonntagabend, hat offenbar eine Kombination aus mächtigem Fluss und menschlichem Versagen ausgelöst. Ein Gütermotorschiff geriet, flussaufwärts, gegen 17 Uhr an der „Abzweigung“ des Schiffskanals beim Kraftwerk Bad Abbach aus der Fahrspur, samt angedocktem Schwimmcontainer, einer sogenannten Barge. Das Gespann, etwa 190 Meter lang und mit 2000 Tonnen Bentonit an Bord, drohte mit der Eisenbahnbrücke zu kollidieren, konnte aber gesichert werden.
Lesen Sie mehr: Zweiter Schiffsunfall am Wochenende in Bad Abbach: Strafverfahren gegen Bootsführer


