H&M und Sadlite verlassen Schwandorfer Marktplatz: Was nun, Herr Oberbürgermeister?

Der Einzelhandel ist im Umbruch – auch in der Großen Kreisstadt. Jüngste Beispiele sind die Ankündigungen von H&M und Sadlite, den Marktplatz zu verlassen. Wie soll es in Schwandorf nun weitergehen? Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) äußert sich im Interview.
Herr Oberbürgermeister, H&M und Sadlite wollen ihre Geschäfte schließen oder innerhalb der Innenstadt verlagern. Kippt damit der Marktplatz?
Andreas Feller: Es wird mit Sicherheit eine Herausforderung, die Ladenlokale wieder mit veritablen Geschäften zu belegen. Aber von einem Kippen würde ich nicht sprechen.
Wie war Ihre erste Reaktion auf die Ankündigung der beiden Geschäfte?
Feller: Es ist schade, dass sie den Marktplatz verlassen.
Wie war denn Ihre Beobachtung in den vergangenen Monaten? Wie steht es um die Kundenfrequenz am Marktplatz – auch bei H&M und Sadlite?
Feller: Uns liegen dazu weder positive noch negative Zahlen vor. Wir messen die Frequenz regelmäßig, signifikante Unterschiede sind jedoch nicht erkennbar. Auch vonseiten der Kaufleute ist dazu nichts an uns herangetragen worden.
Der Onlinehandel macht sich doch bestimmt auch in der Kundenfrequenz bemerkbar.
Feller: Die Frequenz sagt darüber nichts aus, ob jemand, der in der Stadt ist, auch hier etwas kauft. Es ist aber natürlich bekannt, dass der Onlinehandel boomt. Das sieht man ja auch an den vielen Paketdiensten, die in der Stadt herumfahren. Warum sollte diese Entwicklung akkurat den Schwandorfer Einzelhandel verschonen? Das ist ein ganz allgemeines Phänomen, mit dem übrigens alle Städte kämpfen.
Was tut die Stadt konkret, damit der Marktplatz nicht verwaist? In den Sozialen Netzwerken prophezeien Kommentatoren genau das.
Feller: Wir unterstützen alle. Der, der Hilfe bei der Wirtschaftsförderung oder der Citymanagerin Sonja Zindel sucht, wird an die Hand genommen und positiv begleitet. Die Ankündigung, dass die beiden Leerstände am Marktplatz entstehen könnten, ist erst wenige Tage alt. Noch haben sich bei uns keine Interessenten für die Flächen gemeldet. Das H&M-Gebäude ist von der Fläche her aber natürlich schon gewaltig.
Welche Ideen haben Sie ganz persönlich für die entstehenden Leerstände? Als OB wollen Sie die Stadt ja bestimmt aktiv mitgestalten.
Feller: Prinzipiell ist alles, was die Innenstadt verträgt, erlaubt. Konkrete Ideen habe ich aber derzeit auch nicht. Wie gesagt: Bei mir hat sich dazu noch niemand gemeldet. Wir werden das positiv begleiten. Ansonsten sind natürlich in erster Linie die Eigentümer gefordert, hier tätig zu werden. Jeder ist zunächst willkommen. Dann werden wir sehen, ob es passt oder nicht.
Liegen denn der Stadt generell derzeit Anfragen von Händlern vor, die sich für ein Geschäft in der Innenstadt interessieren?
Feller: Es gibt immer wieder Anfragen, auch ganz aktuell.
Und die wären?
Feller: Ganz unterschiedlich. Das geht von Gastronomie über Textil bis hin zu anderen Einzelhandelsgeschäften. Die Citymanagerin ist stets in der Stadt unterwegs, auch um Leerstände zu ermitteln. Sie knüpft Kontakte mit den Eigentümern, um einen Austausch zu schaffen. Doch schlussendlich liegt es am Eigentümer, ob und an wen er seine Fläche vermieten möchte.
Es scheint, als hätten die großen Marken wie H&M kaum eine Verbindung zu den kleinen Städten. Ist es am Ende also egal, wer der Nachfolger ist? Oder sollte man lieber auf regionale Unternehmen setzen?
Feller: Das haben wir nicht zu entscheiden. Ich kenne die Umsatzzahlen von H&M in Schwandorf nicht. Es hat in der Stadt aber schon ganz andere Geschäfte gegeben, die trotz kleinerer Einwohnerzahl bessere Umsätze generiert haben, als Filialen in der Großstadt.
Was sind Sie denn eigentlich für ein Kauftyp: lieber stationärer Handel oder Onlineshops?
Feller: Jeder muss für sich entscheiden, wo und wie er einkauft. Wenn der Kunde online bestellt, darf er nicht überrascht sein, wenn vor Ort das eine oder andere Geschäft schließt. Persönlich bin ich ein Ladenkäufer. Ich möchte einfach das Einkaufserlebnis und eine fachkundige Beratung haben und überzeuge mich gerne vor Ort von der Qualität eines Produktes.
Lassen Sie uns nicht nur über den Marktplatz sprechen, beleuchten wir doch einmal die gesamte Innenstadt. Was sind für Sie deren Zugpferde?
Feller: Namen zu nennen, wäre an dieser Stelle falsch. Die Geschäfte, die es gibt, sind gut für unsere Innenstadt. Egal ob das Gastronomie, Einzelhandel oder auch Apotheken und Ärzte sind: Sie alle sind Multiplikatoren für die Innenstadt. Gleichzeitig müssen wir einen großen Wandel in der Innenstadt akzeptieren. Das ist ein allgemeiner Wandel, mit dem wir umgehen müssen. Hier sind wir alle gefordert.
Wenn es um die Innenstadt geht, wird auch gern das Stichwort Fußgängerzone genannt. Liegt die aktuelle Entwicklung am Marktplatz auch an einer fehlenden Fußgängerzone?
Feller: Ich denke nicht, dass das der Grund ist. Wie bereits erwähnt, sind die Schließungen von immer mehr Geschäften in der Innenstadt ein Problem, mit dem sich auch größere Städte auseinandersetzen müssen.
Würde sie nicht mehr Leute in die Geschäfte ziehen?
Feller: Das weiß ich nicht. Wir haben es ja nicht einmal probiert.
Bereuen Sie diese Entscheidung?
Feller: Hierzu möchte ich mich nicht äußern.
Die Pläne für das Schmidtbräu-Areal sehen vor, hier künftig auch die Stadtbibliothek zu integrieren. Könnten Sie sich vorstellen, dass die Stadt bei den beiden möglichen neuen Leerständen selbst als Mieter auftritt und hier zum Beispiel eine Bücherei unterbringt?
Feller: Nein. Wir haben ein fertiges Konzept, das weit mehr vorsieht. Das hat der Stadtrat auch so verabschiedet. Nun werden wir es umsetzen. Die Abstimmungen mit den Fördergeldgebern laufen bereits.
Werden Sie die Leerstände am Marktplatz zum Thema im Stadtrat machen?
Feller: Einen Tagesordnungspunkt in der nächsten Stadtratssitzung wird es – Stand jetzt – hierzu nicht geben. Künftig wird es aber wohl Thema sein. Vielleicht füllt sich der ein oder andere Leerstand ja bis dahin auch von selbst wieder. Jeder, der etwas Sinnvolles zum Thema beitragen kann, ist herzlich eingeladen, sich bei der Stadtverwaltung zu melden und seine Ideen einzubringen.
Gibt es zu wenig Parkplätze, um die Attraktivität der Innenstadt zu fördern?
Feller: Wir haben im Zentrum ausreichend (Kurzzeit-)Parkplätze und mehrere Parkhäuser, in denen man sogar die erste Stunde kostenlos parken kann. Jeder, der zentrumsnah einen Parkplatz sucht, findet auch einen.
