Sicherer Hafen: Das Queercafé Sternchen wird am 29. Juni in Neumarkt eröffnet

Von Peter Romir · 19. Juni 2024 um 17:00

Es soll ein sicherer Hafen für Menschen außerhalb traditioneller Geschlechterrollen werden: Das neue Queercafé Sternchen, das am 29. Juni um 14 Uhr im Café Immergrün, Pulverturmgasse 4, eröffnet wird.

„Die Idee gärte schon lange in mir, da ich selbst Teil dieser Community bin“, sagt Organisator Marco Winkler. „Beim Verein Safe Space wurde ich dann gleich mit offenen Armen empfangen. Der Verein betreibt seit 2022 das Schutzcafé im Immergrün, das sich als sicherer Ort für Menschen, die von Gewalt betroffen sind, versteht.

Da der Verein das Schutzcafé aus Personalgründen aktuell nur viermal pro Jahr anbieten kann (das nächste Mal am 2. Juli um 15.30 Uhr) sei man dort froh gewesen, das Konzept um ein ähnlich gelagertes Angebot erweitern zu können.

Sichtbarkeit schafft Hass

Denn obwohl vielerorts Regenbogenfahnen für Toleranz werben würden, hätten queere Personen häufig mit Hass zu kämpfen: „Es stimmt, dass die Sichtbarkeit queerer Menschen in den letzten Jahren zugenommen hat“, sagt Winkler. „Aber mit der größeren Öffentlichkeit stieg auch die Ablehnung und die Aggressivität uns gegenüber.“ Deshalb sei es wichtig, eine Anlaufstelle zu haben, in der man sich in einem geschützten Rahmen austauschen kann. „So etwas hat in Neumarkt bisher noch gefehlt und die Menschen mussten nach Nürnberg oder Regensburg ausweichen“, sagt Winkler.

Erster LGBTQIA+ Treff in Neumarkt

Gedacht ist das Café als offener Treff für alle Menschen, die sich selbst als LGBTQIA+ empfinden. Das Kürzel steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, genderqueer, intersexuell, asexuell und in der Erweiterung + für andere marginalisierte und diskriminierte Gruppen.

Ergeben so viele Minderheiten zusammen nicht langsam eine Mehrheit? „Das glaube ich nicht“, sagt Winkler. „Das klassische Mann-Frau-Bild wird immer vorrangig sein.“ Denn nach wie vor würden Jungs und Mädchen in relativ starre Geschlechterrollen gepresst werden. „Wir wollen für ein Verständnis werben, dass Liebe auch andere Formen annehmen kann und Identitäten nicht immer so knallhart definiert sind“, sagt Winkler.

Regenbogenfahne mit Zitrone

Symbolisiert wird die Vielfalt im Logo des Cafés durch die Progressive-Pride-Regenbogen-Flagge, die neben den sexuellen Minderheiten auch rassistisch diskriminierte Gruppen einschließt. In der Mitte des Logos befindet sich schließlich eine Zitrone in einem Becher. Dieses Symbol, dürfte selbst Szene-Kennern Rätsel aufgeben: Welche Minderheit wird denn damit repräsentiert? „Das stellt einfach eine Tasse Tee mit Zitrone dar“, lacht Winkler. „Ich habe sie reingemalt, weil ich etwas wollte, was aufs Café verweist, ich aber selbst keinen Café trinke.“

Keine Beratungsstelle

Das gesellige Beisammensein und das Knüpfen von Kontakten soll dann auch im Mittelpunkt der ersten Ausgabe des Cafés stehen. Ein Programm oder eine übergeordnete Zielsetzung gibt es nicht. Denn eines ist das Café nicht: Eine fachliche Beratung bei rechtlichen, medizinischen oder psychologischen Fragen, die im Zusammenhang mit queeren Lebensentwürfen auftauchen können: „Das würden wir dann an die entsprechenden Stellen weitergeben“, so Winkler.

Zutritt ab 18 Jahren

Aus diesem Grund hat das Café auch eine Altersbeschränkung ab 18 eingeführt – denn obwohl die geschlechtliche Identität besonders unter Jugendlichen ein wichtiges Thema ist, sieht sich der Verein hier nicht als fachlich kompetent genug an, um echte Beratungsarbeit leisten zu können. Hier verweist Winkler auf das Jugendhaus G6, das immer wieder Angebote für queere Jugendliche macht.