Alarm im Waldmünchner Feriendorf: Großer Polizeieinsatz besorgt Bürger

Von Tanja Fenzl · 18. Juni 2024 um 19:00

Dienstagabend vergangene Woche, kurz nach 18 Uhr, geht bei der Polizei Waldmünchen ein Anruf ein. Eine Streife fährt daraufhin nach Ulrichsgrün (Landkreis Cham) ins Feriendorf. Was dann folgt, ist nahezu filmreif. Ein großes Aufgebot an Polizei aus sämtlichen umliegenden Polizeiinspektionen wird in der beschaulichen Wohnanlage zusammengezogen. Was war los?

„Da bekommt man es schon mit der Angst zu tun, wenn man mitbekommt, dass da so viel Polizei in der Nähe unterwegs ist“, sagt eine zweifache Mutter aus Ulrichsgrün. Nirgends habe man Näheres zu dem Vorfall gehört oder gelesen – das sei schon fast verdächtig.

Rasende Polizeiwagen

„Sonst liest man ja auch jeden Schmarrn in der Zeitung, und dann passiert etwas, wo so viel Polizei anrückt, und man liest nichts...“, macht sie ihrer Angst und ihrem Ärger Luft. Eine Frau aus Geigant wundert sich ebenfalls noch eine Woche später, wieso durch Geigant zwei Streifenwagen gerast sind. „Voll Karacho auf der Hauptstraße entlang, und dann hört man nichts weiter... das ist doch verdächtig.“

Ein dauerhafter Resident der Ulrichsgrüner Ferienanlage hat aus nächster Nähe beobachtet, was im Nachbarhaus vor sich geht – und es weitererzählt. Jetzt machen sich auch seine Freunde Sorgen, „dass da womöglich irgendein Psychopath frei herumläuft“. Mit einem Messer, so heißt es in der Gerüchteküche der Trenckstadt. Die Phantasie etlicher Bürger treibt bunte Blüten.

Frau greift sich Messer

Josef Weindl, derzeit Leiter der Polizeiinspektion Furth im Wald, wurde an dem Tag aus dem Feierabend geholt, war dann vor Ort als Einsatzleiter eingeteilt, und klärt auf. Vorab: Niemand müsse sich Sorgen machen. „Es hat zu keiner Zeit irgendwelche Gefahr für die Bevölkerung bestanden“, versichert er.

Eine Frau, die dauerhaft in der Feriensiedlung residiert, habe die Polizei gerufen, weil ihre Tochter, die bei ihr zu Besuch war, einen psychotischen Schub bekommen habe. Als die Waldmünchner Streife in Ulrichsgrün ankommt, sitzt die 34-Jährige auf der Hausschwelle – mit einem Messer in der Hand. Daraufhin sei einfach eine Alarmierungskette in Gang gebracht worden – man wollte auf Nummer Sicher gehen.

Einsatzkräfte aus Furth im Wald und Cham seien hinzugerufen worden, und selbst ein Einsatzzug aus Weiden mit sechs Mann Besatzung wurde alarmiert. Am Ende war ein Aufgebot von 15 Polizeibeamten vor Ort. „Letztendlich konnte die Frau aber durch die ersten Polizeibeamten so weit beruhigt werden und durch Reden dazu gebracht werden, dass sie sich ins Haus begab und das Messer ablegte“, schildert Weindl den weiteren Ablauf.

Nicht an Öffentlichkeit

Das, und die Tatsache, dass die 34-Jährige es ohnehin sehr schwer gehabt habe in ihrem Leben und ein schweres Los trage, schon allein durch ihre Krankheit, habe die Polizei dazu veranlasst, erst einmal nicht an die Öffentlichkeit zu gehen.

Weindl erklärt, man habe natürlich nicht gewusst, dass Bürger den Vorfall mitbekommen und sich Sorgen gemacht hätten.

Andernfalls, lässt er durchblicken, hätte er die Öffentlichkeit über einen Pressebericht über den Hergang informiert.

Aber in solchen Fällen, wo krankheitsbedingt bestimmte Einsätze ausgelöst würden, sei es, ähnlich wie bei einem Suizidversuch, durchaus üblich, nicht direkt gleich an die Öffentlichkeit zu gehen und darüber offen zu berichten. „Selbst bei einem Suizid berichten wir eigentlich nur, wenn es besonders öffentlich oder Aufsehen erregend passierte. Und auch dann nur mit einem Dreizeiler.“

Frau in Bezirksklinikum eingewiesen

Die Frau mit dem Messer, die aus Sachsen stammt, habe sich am Ende widerstandslos in Gewahrsam nehmen lassen und sei in ein Bezirksklinikum eingeliefert worden, bestätigt auch das Polizeipräsidium Oberpfalz. „Die Bevölkerung hatte und hat nichts zu befürchten“, wiederholt Weindl.

Auch ein Einsatzzug aus Weiden wurde angefordert. Foto: Archiv