Der Hofladen ist Geschichte – aber Julia Hausladen lebt die Idee vom Boierhof weiter

Von Tanja Fenzl · 15. Juni 2024 um 19:00

Der Boierhof ist Geschichte, es lebe der Boierhof? Irgendwie schon. Denn nach dem Ende des Hofladens am Ortsrand von Willmering im Landkreis Cham geht es auf dem landwirtschaftlichen Betrieb selbst durchaus weiter. Und zwar in mehrerlei Hinsicht.

Zwei neue Bewohner grasen entlang der Erdbeerreihe unterhalb des Boierhofs. Die fetten Schafe hat Bäuerin Julia Hausladen Anfang der Woche von einem befreundeten Hof geholt. Der Bio-Bauernhof, den Mathias Hausladen eigenständig betreibt, läuft ebenso weiter wie die Kurse seiner Frau rund um Lebensmittelkonservierung, Gärtnern und Handarbeiten. Nur der Hofladen ist seit Anfang des Jahres dauerhaft geschlossen. Für das Gebäude sucht Hausladen nach wie vor einen Pächter. Oder eine Folgenutzung für eine Genossenschaft, wie Julia Hausladen seit Monaten hofft.

Umfrage läuft nicht gut

Doch eine entsprechende Umfrage für Interessenten, die Hausladen schon im Januar auf verschiedenen sozialen Kanälen gestartet hat, lief bis dato nicht allzu gut. „Als ich zuletzt geschaut habe, hatten wir 155 Teilnehmer“, bedauert sie, während sie saftige rote Früchte von den gereihten Pflanzen zupft. Am nächsten Tag kommt eine Besuchergruppe für eine Hofführung, da serviert die Bäuerin gerne frische Lebensmittel vom Hof.

Das Landratsamt stehe nach wie vor hinter ihrer Idee, Zulieferer, Produzenten und Verbraucher in einer Bürgergenossenschaft zusammenzuschließen, um die Grundidee des Boierhofs von einer nachhaltigen Versorgung der Bevölkerung mit regionalen Produkten weiterzuführen. „Aber dafür bräuchten wir um die tausend Interessenten, damit 300 am Ende übrigbleiben“, schätzt Hausladen. Allein, um einen entsprechenden Infoabend zu organisieren, bedürfe es größeren Interesses, „das ist ja auch alles mit Kosten verbunden“.

Das Ladengebäude möchte Hausladen deshalb so schnell wie möglich verpachten, rund 2000 Euro könnten so pro Monat in den Betrieb fließen. „Das Gebäude mit der Wirtschaftsküche würde sich für Caterer anbieten“, meint Hausladen.

Führungen und Kurse finden statt

Derzeit halten Führungen und ihre beliebten Kurse den angemeldeten Betrieb am Leben. „Ich glaube, viele meinen, mit dem Ende des Hofladens gibt es auch die Kurse nicht mehr“, vermutet Hausladen, weil sich im laufenden Jahr deutlich weniger für die verschiedenen Themengebiete angemeldet haben. „Ab fünf bis 15 Teilnehmer biete ich Kurse an, gerne auch auf Nachfrage für ganze Gruppen“, sagt die gelernte Gärtnermeisterin, die auch im Bereich Gärtnern eine Kursreihe anbietet. „Wir hatten schon eine Mädelsgruppe für einen Junggesellenabschied da, das war ein großer Spaß“, erinnert sich Hausladen. Erst habe man gemeinsam Antipasti zubereitet, danach eine Flasche Wein geköpft.

40-Stunden-Woche

Die Themen ihrer Kurse sind aber breit gefächert: Alles rund ums Fermentieren, aus dem Gartenbaubereich. und zum Bereich Selbstversorgung.

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Das Leben der Boierin hat sich seit dem Ende des Hofladens deutlich verändert. „Die Kinder sind ja oft bei der Arbeit dabei. Früher musste alles schnell, schnell gehen, weil man ständig unter Zeitdruck war. Jetzt habe ich eine 40-Stunden-Woche, die sich entspannter anfühlt. Und ich habe auch mal Zeit, mit meiner Tochter übers Feld zu gehen und ihre Fragen in Ruhe zu beantworten. Eigentlich habe ich jetzt das Landleben, was ich mir immer vorgestellt habe.“

Und trotzdem: Der Traum, dass man vom Boierhof aus die Idee von einer nachhaltigen Produktionsweise für alle in der Region im Einklang mit der Natur umsetzen kann, lebt noch weiter. Die Umfrage läuft noch auf der Boierhof-Homepage...

Breit gefächertes Kursprogramm

Themen: Selbstversorgung aus dem Gemüsegarten: Samstag, 24. August; Liköre aus süßen Früchten: 26. September; Antipasti & Tapas: 28. September; Fermentieren: 12. Oktober. Julia Hausladen hält aber auch außer der Reihe Kurse für Gruppen ab fünf Personen zu verschiedenen Themenbereichen rund ums Haltbarmachen von Lebensmitteln oder aus dem Bereich Gartenbau. Auch Wurst- und Fleischverarbeitung gibt es im Kursprogramm

Kontakt: www.boierhof.com, 0163/1641572

Das Wirtschaftsgebäude am Boierhof, in dem auch der Hofladen untergebracht war, steht zur Pacht ausgeschrieben. Fotos: Fenzl