Jeder Chamer im Landkreis kann den Boierhof-Laden retten

Nur noch zwei Tage Abverkauf – dann ist der Boierhof in Willmering, so wie er war, Geschichte. Die Enttäuschung über das nahende Ende des Bio-Hofladens in Willmering ist groß, aber Hand aufs Herz – haben Sie schon einmal Ihren Wocheneinkauf im Boierhof getätigt? Jungbäuerin Julia Hausladen kämpft jetzt dafür, dass ihr Herzensprojekt in einer anderen Form weitergeführt wird.
Dafür sucht sie nun 300 Mitstreiter, die sich in einer Bürgergenossenschaft zusammentun möchten – Zulieferer, Produzenten, Verbraucher. „Unser Hofladen steht zur Pacht aus“, sagt Julia Hausladen. Im Falle einer Folgelösung könnte hier ein Genossenschaftsladen entstehen. Der Vorteil einer Genossenschaft: „Auch Verbraucher, die meinen, sich regionale Produkte nicht leisten zu können, können Mitglied werden – und ihre Arbeitskraft einbringen.“
Leuchtturmprojekt?
Hausladen denkt dabei auch weiter: Ein solcher Genossenschafts-Laden könnte möglicherweise ein weiteres Leuchtturmprojekt innerhalb der Ökomodellregion (ÖMR) Naturpark Bayerischer Wald werden – und dadurch möglicherweise auch finanzielle Unterstützung bekommen. Oder sie könnte zumindest mit der ÖMR zusammenarbeiten – in jedem Fall würde das Projekt, mit dem von Anfang an Gesundes aus der Region für die Region umverteilt werden sollte, nicht mehr nur auf den Schultern einer einzigen Familie stehen, die das „auf Dauer nicht mehr leisten konnte“, wie Hausladen bereits mehrmals eingeräumt hat.
Zeit der Bauernproteste
„Vielleicht ist jetzt auch genau die Zeit für solch eine Genossenschaft“, meint Hausladen. Die Bauernproteste hätten, so ihr Eindruck, Öko- und konventionellen Landbau wieder näher zusammengebracht.
Ein Genossenschaftsladen hätte zunächst nicht nur Biowaren im Angebot. Aber langfristig, glaubt Hausladen, könnten sich von Willmering aus der Öko-Landbau weiter verbreiten. Derzeit werden rund fünf Prozent der Flächen ökologisch bewirtschaftet. Insgesamt gibt es derzeit noch rund 2400 Landwirtschaftsbetriebe im Landkreis – 1600 davon im Nebenerwerb.
Auch eine Zusammenarbeit mit verschiedenen anderen Anbietern und bestehenden Organisationen strebt Hausladen an. Momentan eruiert sie in einer Online-Umfrage auf der Homepage des Boierhofs das Interesse an einer Verbrauchergenossenschaft; Gespräche mit dem Landratsamt und ein Infoabend sollen die Idee konkretisieren und der Bevölkerung nahebringen. „Jeder hat es eigentlich selbst in der Hand, wie es weitergeht“, sagt Hausladen.
Vom Landratsamt verlautet, zwar sei „nicht angedacht, den Boierhof (weder den Hof noch den Verkaufsladen) durch die Ökomodellregion Naturpark Oberer Bayerischer Wald (ÖMR) selbst zu betreiben.“ Doch könnte man sich vorstellen, der geplanten Verbrauchergenossenschaft mit der ÖMR als „Netzwerker“ zur Seite zu stehen.
Hilfe vom Landratsamt
„In dieser Funktion haben wir der Familie Hausladen aktiv in zwei Besprechungen unsere Unterstützung z. B. bei Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit angeboten. Es könnten sowohl einzelne Veranstaltungen beworben werden, als auch einzelne Projekte gemeinsam umgesetzt werden, z.B. Kochkurse oder eine Bio-Marktmeile“, heißt es.
Voraussetzung dafür sei, dass für die angedachte Verbrauchergenossenschaft eine tragfähige Basis gefunden wird und eine oder mehrere Personen Verantwortung übernehmen und die Pläne konkret vorantreiben.
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Hausladen ist optimistisch: „Ich glaube, ein Genossenschaftsprojekt ist ein Upgrade zu unserem bisherigen Hofladen. Und jeder hat es in der Hand, mitzumachen.“
So geht’s weiter
Umfrage: Unter https:// www.boierhof.com/ blog kann jeder Interessierte Ideen zu einer möglichen Genossenschaft einbringen.
Infoabend: Für eine Genossenschaft werden mindestens 300 Mitglieder gesucht. Ist die Resonanz auf die Umfrage entsprechend groß, soll zeitnah ein Infoabend organisiert werden.
