Der Boierhofladen könnte ein Höfeladen werden – Konkrete Pläne für den Weiterbestand

Endgültiges Aus für ein Herzensprojekt? Den Boierhof in der jetzigen Form wird es wohl bald nicht mehr geben. Auch die Lichterfeste der vergangenen Wochen haben das Ruder im Öko-Hofladen vor den Toren Chams in Willmering nicht herumreißen können. Die wirtschaftliche Situation konnte in den letzten Wochen des Jahres nicht mehr so verbessert werden, dass sich ein Weiterführen des Geschäfts für die alteingesessene Bauersfamilie lohnen würde. „Licht aus“ soll es aber dennoch nicht heißen am Boierhof. Vielmehr sieht Jungbäuerin Julia Hausladen ein helles Licht am Ende des Tunnels.
Letztes Lichterfest findet am 5. Januar statt
Das letzte geplante Lichterfest wird noch am 5. Januar stattfinden, bis dahin wird der Boierhof auf jeden Fall auch wie gewohnt geöffnet bleiben. Am 5. Januar wird ausgeräuchert, kündigt Hausladen an – um einen hoffentlich folgenden Neubeginn quasi ohne Altlasten zu ermöglichen. Und für diesen Neubeginn hat Hausladen bereits in den letzten Tagen viele Fühler ausgestreckt, zahlreiche Gespräche geführt, Anfragen gestellt. Im Mittelpunkt aller Überlegungen: Die Idee des Projekts, ökologisch produzierte Biowaren aus der Region für die Region in einem Laden zusammenzuführen, soll weitergeführt werden. „Auch wenn das Projekt unsere familiären Möglichkeiten übersteigt, wie sich leider gezeigt hat, öffnet sich gerade dadurch jetzt vielleicht die Tür für ein Upgrade“, ist Hausladen überzeugt.
Die Lösung: Genossenschaft von und mit Verbrauchern?
Im Idealfall könnte der Hofladen als eine Art Verbrauchergenossenschaft weitergeführt werden. Die Idee: Ein genossenschaftlicher Verein könnte auch in Krisenzeiten wie jetzt Hilfsmittel und EU-Gelder abgreifen. Der zweite große Vorteil: „Gerade junge Menschen, von denen viele sagen, Bio ist mir zu teuer, könnten bei einer Verbrauchergenossenschaft auch ihre Arbeitskraft einbringen.“ Damit könnte auch das Personalproblem dauerhaft gelöst werden. Hausladen ist guter Dinge, dass ihre Bestrebungen Erfolg haben. „Wir haben ja auch eine wertvolle Kundenbasis, 1000 Kunden in der Datei, viele Helfer und Zulieferer.“
Am Ende wäre auch der Boierhof nur noch das: Verpächter und Zulieferer. Denn Hausladen schwebt kein Hofladen vor, sondern ein Höfeladen, in dem verschiedene Produzenten gemeinsam mit den Verbrauchern die Idee von gesunden Produkten aus der Region für die Region verwirklichen könnten. Damit wäre auch ihre Familie künftig deutlich entlastet.
Investoren und Ideengeber und Mitstreiter gesucht
Nun braucht es noch Investoren, Fachleute, und Politiker, die mit dem Boierhof an einem Strang ziehen. Eine Konsumentengemeinschaft, wie sie Hausladen im Kopf hat, wird von vielen Schultern getragen. Sie könnte sich zum Beispiel einen Landgenuss-Höfeladen vorstellen, sagt Hausladen. Vorbild und Vordenker für das Führen ihres Herzensprojektes in eine etwas veränderte Zukunft ist Öko-Pionier Rudolf Bühler, der mit der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall ein funktionierendes Modell installiert hat, um Regionales regional zu vermarkten.
Bei einem Besuch des Boierhofs war auch Bühler davon überzeugt, dass der Hofladen alles hätte, was für ein Erfolgsprojekt notwendig wäre. Allein – die Verbraucher spielen (noch) nicht in der Form mit.
Wendepunkt für die Region in Sachen Bio?
„Das wäre vielleicht anders, wenn Verbraucher in der Genossenschaft als Kunden Kunden werben. Das wäre dann auch ein wichtiger Wendepunkt für die ganze Region in Sachen Bio“, sagt Hausladen. Und der Boierhof, ein Leuchtturmprojekt für die Bioregion Landkreis Cham, könnte im neuen Jahr noch viel stärker leuchten. „Es ist einfach nicht die Zeit, um ein solches Projekt aufzugeben. Im Gegenteil. Menschen müssen viel mehr Eigeninitiative ergreifen, es braucht neue Ideen und Impulse. Jeder sollte morgens aufstehen und sich überlegen, was er der Menschheit und dem Planeten geben könnte.“ Da könnte man eigentlich im Landkreis vor der Haustür ganz gut anfangen.