Stationäre Notfallversorgung in Mainburg: unverzichtbar oder unrettbar?

Von Martina Hutzler · 14. Juni 2024 um 11:00

Ist ein Grundversorgungs-Krankenhaus samt stationärer Notfallversorgung in Mainburg unverzichtbar „um jeden Preis“? Oder ist es wegen politischer, finanzieller und personeller Hürden gar nicht mehr halten? Darum kreiste gut vier Stunden lang die Debatte im Kreistag am Mittwoch, 13. Juni.

Darin unterstützten mehrere Redner von CSU und Junger Liste ihren Parteifreund Landrat Martin Neumeyer, dessen Beschlussvorschlag (siehe Info am Textende) letztlich eine knappe Mehrheit fand. Die Alternative zu „Level 1i“ (siehe Info am Textende) sei nicht der Status quo, „sondern die Schließung des Krankenhauses“, warnte Simon Steber (JL); Petra Högl (CSU) ergänzte, diese „unangenehme Wahrheit“ müsse man aussprechen. Level 1i sei aber eine „Chance für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung für die Region Mainburg“, in der rund um die Uhr ambulante Notfälle versorgt werden könnten, und ebenso die meisten Arbeits-, Schulweg- und landwirtschaftlichen Unfälle.

Das war u.a. für FW-Sprecher Christian Nerb keine Perspektive für „die Gesundheit von rund 40.000 Menschen“ in und um Mainburg. Mit Level 1i bzw. Variante E im Ingolstadt-Verbund verliere man die Notfallversorgung, innere und chirurgische Abteilung, den Notarztdienst und mindestens 50 von 90 Betten, prophezeite er – all dies müsse erhalten bleiben, auch wenn es teuer sei. Er forderte, anderswo zu sparen, etwa beim „Kexi“, an Stellen wie der Gesundheitsregion-Managerin und per Hinausschieben von Schulbau-Projekten. Für Grünen-Sprecherin Maria Krieger war das ein realitätsferner Ansatz: Der Status quo sei in Mainburg einfach nicht mehr finanzierbar, und es fehle dafür künftig auch das Personal. Man müsse daher mit Level 1i „die Hängepartie in Mainburg beenden“.

„Level 1i kostet auch eine Menge Geld und verschlechtert die Versorgung“, bis hin zu höheren Todesraten, hielt Michael Schöll (FDP) dagegen. Andreas Fischer (SLU) kritisierte, Mainburg sei jetzt in der Ilmtalklinik schon der kleine Partner, und diese werde im Ingolstadt-Verbund selbst zum Zwerg. „Augenhöhe sieht anders aus!“ Obendrein brächten die künftigen Verbundpartner ein Gesamt- Defizit von rund 74 Millionen Euro mit. SPD-Sprecher Willi Dürr stieß sich daran, dass man auf Basis eines Gutachtens entscheide – denen vertraue er, aus Erfahrung heraus, eh nicht – und dass aus diesem Gutachten nur die Variante E verfolgt werde.

Das „Mainburger Dilemma“ wurde bei Hannelore Langwieser und Maureen Sperling, beide CSU, deutlich. Langwieser erklärte, „die Angst der Menschen in Mainburg“ und der Appell der dortigen Hausärzte hätten sie letztlich bewogen, gegen den Landrats-Vorschlag zu stimmen, wobei Neumeyer aber „seit Jahren für das Krankenhaus kämpft“, betonte sie. Maureen Sperling bekannte, „als Bürgerin von Mainburg bin ich exakt derselben Meinung“ wie die BI mit der Forderung, die Notfallstufe zu erhalten. Aber „frustrierender Weise“ sei das aufgrund der gesundheitspolitischen Vorgaben aussichtslos. Schweren Herzens stimme sie für Level 1i, damit wenigstens „ein Krankenhaus mit 70, 80 Prozent der heutigen Leistungen“ übrig bleibe. Das man nun sofort bestmöglich gestalten müsse.

Das Krankenhaus samt Notaufnahme „ist bedarfsnotwendig aufgrund seiner Lage“, und müsse erhalten werden, betonte hingegen Annette Setzensack (ÖDP). Ansonsten sei die Kreispolitik verantwortlich, „wenn künftig mehr Menschen Langzeitschäden erleiden und sterben“ – eine Wortwahl, vor der BKG-Geschäftsführer Engehausen eindringlich warnte.

Es gelte, so Setzensack, die nächsten Jahre den bundesweiten „Bereinigungsprozess“ bei Krankenhäusern zu überstehen. Dafür brauche Mainburg starke Partner – Pfaffenhofen oder eben andere. Alternativen habe Landrat Neumeyer trotz Kreistagsauftrag nicht entschlossen genug gesucht: „ein Affront!“ kritisierte die Kreisrätin und BI-Sprecherin.

Die Vertreter von AfD und Bayernpartei enthielten sich der Debatte.

Nach der Abstimmung pro Level 1i zeigte sich Landrat Neumeyer „begeistert, dass wir nun diese Chance für die Zukunft haben.“ Die BI will laut Annette Setzensack erst einmal die Sitzung und das knappe Ergebnis analysieren.

Von Naben, Speichen und Zentren

Verbundlösung: Die Ilmtalklinik Mainburg soll laut Kreistagsbeschluss Teil eines Verbunds mehrerer Krankenhäuser („Speichen“) rund ums Klinikum Ingolstadt („Nabe“) werden. In diesem Modell der Beraterfirma PwC, genauer: in Variante E, verliert Mainburg den Status als Grundversorgungs-Krankenhaus und wird „Erweitertes medizinisches Versorgungszentrum“.

Haus-Plan: Auf Bundesebene hießen solche Nicht-mehr-wirklich-Krankenhäuser erst „Level 1i-Krankenhaus“, nun „sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung“. Als solche soll die ITK-Geschäftsführung das Mainburger Haus laut Beschluss nun entwickeln.

Fragezeichen: Weil die Lauterbach’sche Krankenhausreform noch läuft, sind die Begriffe und Ausgestaltungen noch nicht final geklärt.

Vor dem Sitzungssaal demonstrierten weit über hundert Menschen für das Mainburger Krankenhaus.
Vor Sitzungsbeginn debattierten Zuschauer mit den eintreffenden Kreistagsmitgliedern.
Neben Landrat Neumeyer (3. v. re.) stellte sich auch ITK-Geschäftsführer Christian Degen (re.) der Debatte. BKG-Geschäftsführer Engehausen war online zugeschaltet.