Hundetrainerin Annette Augustin aus Freystadt verrät, wie artgerechte Erziehung geht

Von Peter Romir · 13. Juni 2024 um 15:00

Mensch und Hund sind seit Jahrhunderten ein eingespieltes Team. Doch gerade dort, wo die Auslaufflächen gering sind, sorgen die Vierbeiner immer wieder für Streitigkeiten. Wie sich Ärger vermeiden lässt, erzählt Hundetrainerin Annette Augustin aus Forchheim bei Freystadt.

Frau Augustin, wie sind Sie auf den Hund gekommen?

Annette Augustin: Im Jahr 2004 haben wir uns eine Hündin aus dem Tierheim geholt, die uns mit ihrer Aggressivität massive Probleme gemacht hat. Ich habe vieles ausprobiert, aber helfen konnte mir nur das Canis-Zentrum für Kynologie in Bad Bramstedt. Das hat mich so inspiriert, dass ich gesagt habe: das ist mein Ding! Und die dreijährige Ausbildung zur Trainerin gemacht habe.

Was ist das Besondere an diesem System?

Augustin: Wir trainieren in erster Linie die Menschen. Da geht es viel um das eigene Verhalten. Der Hund ist selten das Problem – gerade junge Hunde warten auf jemand, der ihnen Grenzen zeigt und Führung übernimmt.

Und wie sollten die Menschen sich verhalten?

Augustin: Das Wichtigste ist die Kommunikation. Ein Hund kommuniziert ja permanent – auch wenn es nicht so scheint. Er beobachtet einen ganz, ganz viel. Deswegen sollte, wer sich einen Hund ins Haus holt, auch ein wenig dessen Körpersprache annehmen.

Mit dem Hund kommunizieren

Wie soll das gehen? Wir Menschen können ja nicht wedeln...

Augustin: Hunde kommunizieren auf der analogen Ebene. Sie machen viel über Körpersprache, wie zum Beispiel Imponierverhalten. Wir Menschen hingegen kommunizieren auf der digitalen Ebene, wir achten wenig auf unsere Körperhaltung, dafür reden wir oftmals zu viel.

Wie setzt man das in der Praxis um?

Augustin: Es funktioniert über Imponierverhalten. Wenn ich in den Raum komme, mache ich mich groß und sage „Bleib“ – dann wissen die Hunde, dass sie ruhig bleiben müssen. Erst wenn ich mich locker mache, wissen auch die Hunde, dass sie aufstehen können. Der Hund soll mich respektieren.

Fehler bei der Hunde-Erziehung

Viele behandeln den Hund eher wie ein knuddeliges Familienmitglied…

Augustin: Ja, vor allem seit Corona hat der Hund oft einen unwahrscheinlich hohen Stellenwert. Aber wenn sie zu sehr vermenschlicht und in den Mittelpunkt gestellt werden, dann ist das gar nicht gut für die Tiere. Der Hund will nicht im Mittelpunkt stehen, er will geführt werden.

Gibt es einen typischen Fehler, den viele bei der Hundeerziehung machen?

Augustin: : Ein unreflektiertes Beutefangverhalten sehe ich als kritisch. Etwa einen Ball zu schmeißen und der Hund rennt sofort hinterher. Dies kann das jagdliche fördern und im schlimmsten Fall verwechselt der Hund sein Beutespektrum und läuft dann womöglich einem Fahrradfahrer hinterher.

Ist Hundespielzeug sinnvol?

Also besser nichts werfen?

Augustin: Wenn, dann als apportieren. Dabei wartet der Hund vor dem Werfen. Erst wenn der geworfene Gegenstand zum Liegen gekommen ist, darf der Hund ihn auf Kommando suchen und dem Besitzer bringen.

Ist denn Hundespielzeug generell sinnvoll?

Augustin: Der Hund kann selbstverständlich ein Spielzeug haben. Ich selbst habe natürlich auch für meine Hunde Spielsachen zu Hause. Der immense Druck von außen, den Hund zu beschäftigen, ist aber meiner Meinung nach zu viel. Für mich ist es Beschäftigung und Auslastung, wenn mich mein Hund viel begleiten darf und dabei freilaufen kann. Natürlich nur dort, wo es erlaubt ist. Solange er in einem guten Radius bleibt, abrufbar ist und niemanden belästigt.

Hundeführerschein gefordert

In manchen Bundesländern gibt es auch eine Art Hundeführerschein mit Prüfungen für Mensch und Tier. Eine gute Idee?

Augustin: Der Hundeführerschein ist absolut sinnvoll. Ich selbst bin im DZKB e.V. dabei, einem Verein, der den Hundeführerschein in Bayern einführen möchte.