Zwischen Filiale und Online-Service: Regionale Banken in Cham im Spagat

Banken und Sparkassen sind überall auf dem Rückzug, wie jetzt zu lesen war, zumindest was die Filialen betrifft. Bedingt ist diese Entwicklung auch, weil immer mehr Menschen aufs Online-Banking umsteigen. Auch im Landkreis wurden die vergangenen Jahre Filialen abgebaut wie auch Öffnungszeiten geschrumpft. Doch wie ist die aktuelle Entwicklung? Wir haben nachgefragt.
Die beiden Platzhirsche in Sachen Geld – die Sparkasse im Landkreis Cham und die Raiffeisenbank Chamer Land – sehen durchaus weiter eine Berechtigung für ihr Filialnetz. „In absehbarer Zeit ist nichts an Strukturmaßnahme bei unseren Filialen geplant.
Mit dem Ende der Negativzinsen sind die Filialen wieder ein wichtiges Kundenbindungsinstrument geworden“, sagt etwa Franz Wittmann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse im Landkreis.
22 Sparkassen-Filialen
Aktuell hat die Sparkasse noch 22 Geschäftsstellen und sechs Geldautomatenstandorte im Landkreis Cham. „Mitte des Jahres 2020 haben wir zwölf Geschäftsstellen mit Mitarbeiterbesetzung eingestellt und diese umgestellt auf reine Bargeldversorgungslösungen“, erläutert Franz Wittmann die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre.
Davon seien sechs als reine Geldautomatenstandorte und weitere sechs Standorte als Gemeinschaftslösung mit der Geldautomatennutzung bei den Filialen Raiffeisenbank vor Ort. Ein weiterer Filialabbau sei nicht geplant. Auch hätten sich derzeitigen Öffnungszeiten bei den Kunden etabliert: „Hier ist ebenfalls keine Änderung vorgesehen.“
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Die Onlineentwicklung geht derweil auch bei der Sparkasse rasant: „Von 70000 Girokonten sind zwischenzeitlich bei uns 40000 Online-Banking, also 57 Prozent.“ Das meiste Finanzgeschäft werde online abgewickelt.
„Die Filialen dienen immer mehr nur der Finanzberatung auf Termin“, so Wittmann. Und weiter: „Wir setzen auf das persönliche vertrauliche Gespräch unseres Kundenberaters mit dem Kunden.“ Wenn man seinen Kundenberater kenne, finde das vielfach auch telefonisch statt.
„Zudem haben wir eine interne Online-Filiale, die über eine Videokonferenz das Gespräch mit den Kunden führt“, erklärt Wittmann moderne Wege zwischen Bank und Kunde. Das werde vielfach von Kunden genutzt, die außerhalb des Geschäftsgebietes wohnen, da sie zwischenzeitlich etwa weggezogen seien, aber den Kontakt zu ihrer Sparkasse noch halten wollten.
Für der Raiffeisenbank Chamer Land ähneln sich die Antworten, die hier Reinhard Paulus gibt. Auch er ist Vorstandsvorsitzender der Chamer Genossenschaftsbank.
„Aktuell haben wir elf personenbesetzte Filialen“, sagt er. 2019 seien es noch 17 personenbesetzte Filialen gewesen. „Aktuell gibt es keine Überlegungen bezüglich eines Filialabbaus. Für die Zukunft hängt dies davon ab, wie stark die einzelne Filiale von unseren Kunden frequentiert wird“, betont Paulus. Auch die Öffnungszeiten seien in einigen Filialen zuletzt 2020 an die tatsächliche Kundenfrequenz angepasst worden.
Es gebe auch hier keine Erkenntnisse, die einen Anpassungsbedarf erforderlich machen, insbesondere keine, die für eine Ausweitung der Öffnungszeiten sprechen würden.
„Wobei ich hier etwas weiter ausholen möchte: Wir sprechen hier immer nur von den Schalteröffnungszeiten in den Filialen, das heißt, zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs.“ Die Servicezeiten habe die Bank seit 2018 durch den Aufbau eines KundenServiceCenters (KSC) aber deutlich ausgebaut.
In dieser Abteilung seien langjährige Mitarbeiter und ausgebildete Bankkaufleute beschäftigt, die sich von Montag bis Freitag durchgehend von 8 bis 18 Uhr telefonisch um die Anliegen der Kunden kümmern würden: „Hier können alle Anliegen, die auch in der Filiale rund um den Zahlungsverkehr abgewickelt werden, schnell und unkompliziert telefonisch erledigt werden.“ Das werde durchaus gut genutzt: „Wir sprechen hier von 7500 bis 10000 Anrufen pro Monat!“
Service eher ausgebaut
Des Weiteren seien auch die Beratungszeiten eher ausgeweitet worden. Eine Terminvereinbarung mit dem persönlichen Berater sei Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr jederzeit möglich. „Wenn gewünscht, kann der Beratungstermin auch von zu Hause per Videoberatung erfolgen“, so Paulus.
In allen Filialen seien die Berater auch außerhalb der Schalteröffnungszeiten für Beratungen anwesend – nur der Schalter für Serviceanliegen sei dann nicht geöffnet. Der Blick nur auf die Anzahl der Filialen oder der Schalteröffnungszeiten sei daher zu einseitig, meint der Vorstandsvorsitzende.
Gerade regionale Banken wie Raiffeisenbanken oder Sparkassen müssten den Spagat zwischen angemessener Präsenz mit Filialen für die nicht Online-Affinen Kunden, einem umfassendes Online-Angebot um mit den reinen Online-Banken wettbewerbsfähig zu sein und Kosteneffizienz schaffen. „Man kann sich aber hier auch den Realitäten nicht verschliessen. Im Vergleich vor zehn oder 20 Jahren haben wir unser Serviceangebot und unsere Erreichbarkeit trotz weniger Filialen in der Gesamtheit betrachtet, deutlich ausgebaut. Die Nutzungszahlen sprechen für sich.“
Bei der Raiffeisenbank Chamer Land liege die Online-Quote aktuell bei 72,45 Prozent, „kontinuierlich steigend!“ 2019 habe der Anteil bei 55,27 Prozent gelegen. Rund 23 Prozent würden zudem die Banking-App, also Mobile Banking, nutzen. Etwa 250000-mal pro Monat würden sich Kunden in ihr Konto einloggen.
Auch weitere Nutzungsquoten seien interessant: 98 Prozent der Auszahlungen würden heute über Automaten erfolgen, 80 Prozent der Einzahlungen ebenso und 85 Prozent aller getätigten Überweisungen kämen online – „nur 15 Prozent aller Überweisungen werden in den Filialen getätigt“, so Paulus.