Evangelische Pfarreien Cham, Furth im Wald und Waldmünchen werden zusammengelegt

Von Holder Hierl · 13. Juni 2024 um 11:00

„Es ist immer spannend, wenn man was verändert“, sagte am Samstagvormittag beim Pressegespräch zur Neustrukturierung der evangelischen Gemeinden im Landkreis Cham im Chamer Gemeindehaus Pfarrer Dr. Michael Rummel aus Furth im Wald. „Da gibt es die Leute, mit denen man schon lange zusammenarbeitet, die alles bewahren wollen, auf der anderen Seite gibt es neue Leute, die man in die Gemeindearbeit integrieren kann, etwa zum Ausbau des Besuchsdienstes.“

Ja, es wird sich was verändern. Die evangelischen Gemeinden Cham, Furth im Wald und Waldmünchen werden zu einer einzigen vereint, werden aber weiter im Pfarrnamen bleiben. Gründe sind die schwindende Zahl der Gläubigen wie auch von Pfarrern, aber auch eine effizientere und zentrale Verwaltung.

Ein Pfarrer – 3000 Gläubige

Für den derzeitigen Pfarrer Rummel freilich ist diese Neustrukturierung alles andere als einfach, rund viermal so viele Gläubige hat er in Zukunft zu betreuen, statt etwa 750 in der Gemeinde Furth im Wald werden es nun circa 3000 sein. Mit zwei Pfarrerstellen sei dies gut zu bewältigen, fand Rummel, aber die sind nicht beide besetzt.

Denn in Cham geht Pfarrer Roland Böhmländer im Herbst in Ruhestand, und Dekanin Dittmar wechselt an den Sitz des neuen Großdekanats nach Sulzbach-Rosenberg, wenn sie auch weiterhin das Dekanat Cham leitet. Auf seine Kollegin aus Bad Kötzting oder den Pfarrer aus Neunburg v. Wald hofft Rummel, wenn es mit Terminen für ihn zu eng würde, etwa wenn Beerdigungen anstehen, „eine intensive Seelsorge“. An sich wären für die Großpfarrei zwei Pfarrerstellen vorgesehen. Für die bald vakante Pfarrstelle in Cham hat sich bis jetzt aber noch niemand gemeldet.

Seit einem Jahr werde die Pfarreien-Zusammenlegung in mehreren Projektgruppen vorbereitet, berichtete Dekanin Dittmar. Derzeit werde ein gemeinsamer Gottesdienstplan erarbeitet, im August werde der erste gemeinsame Gemeindebote herauskommen, ab Oktober solle der Kirchenvorstand für die Gesamtpfarrei gegründet werden. Aus jeder der drei bisherigen Gemeinden sollen bei der Wahl des neuen Kirchenvorstands drei Vertreter gekürt werden.

Neuer Gesamtvorstand

Jede jetzige Gemeinde solle also sechs Anwärter für das Amt des Kirchenvorstands aufbieten können, damit die jeweils drei mit den meisten Stimmen den neuen Gesamtkirchenvorstand bilden. Diese neun Personen würden die Dinge beraten und beschließen, die alle drei Teilgemeinden betreffen, wie Termin- und Gottesdienstplanung oder gemeinsame Veranstaltungen. Was vor Ort passiert, das werden Ortsausschüsse regeln.

Entscheidend für den Erfolg des Zusammenschlusses sei auch die Vereinfachung in der Kommunikation innerhalb der größeren Einheit, wozu auch ein s Cloud-Telefonieren zähle. So sei während der ganzen Woche immer ein Ansprechpartner der Pfarrei zu erreichen, auch wenn er nicht gerade in seinem Büro sitze. Und es würden halt auch gleiche Verwaltungsvorgänge eingespart.

Pfarreien-Zusammenführung mit Gottesdienst feiern

Eine Kirche wäre nicht Kirche, wenn sie so ein einschneidendes Ereignis wie die Pfarreien-Zusammenführung nicht mit einem feierlichen Gottesdienst begehen würde. Deshalb wird am Sonntag, 30. Juni, im LBV-Zentrum Mensch und Natur in Nößwartling um 11 Uhr die neue Großpfarrei mit einem Gründungsgottesdienst gefeiert (siehe Textende).

Am 20. Juli soll es eine Wanderung von der Kirche in Furth im Wald zu der Friedenskirche in Waldmünchen geben, „damit wir zusammenwachsen“, wie Pfarrer Rummel betont. „Wir werden zeigen, dass wir kreativ über Grenzen hinweg denken – und denken können, weil wir hier schon immer in der Minderheit waren.“

Trotzdem hoffe er natürlich, dass nach dem Umbruch bald wieder eine gewisse Kontinuität entstanden sein wird und sich die neuen Strukturen etabliert haben– um einfach neue Wege zu finden, den guten Glauben weiterzugeben und die neuen Herausforderungen zu meistern.

Termin

Gründungsgottesdienst: Am Sonntag, 30. Juni, wird im LBV-Zentrum Mensch und Natur in Nößwartling um 11 Uhr die neue Großpfarrei mit einem Gründungsgottesdienst gefeiert. Als Ort für diesen Gottesdienst wurde bewusst keine der drei Kirchen gewählt, um nicht eine davon herauszustellen, sondern die Idylle am Chamb.

Kennenlernen: Nach der Messfeier ist Beieinandersein und vor allem auch gegenseitiges Kennenlernen vorgesehen – bei gutem Essen und Trinken und Spielen für die Kinder.