Fleiß zeichnet ihn aus: Dr. Thomas Strauß ist neuer Direktor des Chamer Amtsgerichts

Von Sabrina Kauer · 10. Juni 2024 um 17:37

„Auf nimma Wiedersehen“ sind die letzten Worte von Dr. Thomas Strauß am Ende einer Gerichtsverhandlung, obwohl er oftmals schon weiß, dass ein weiteres Aufeinandertreffen mit dem Angeklagten folgen wird. Sein spezielles Wiedersehen lief für Strauß erfreulicher. Denn er kehrte als Richter und Stellvertreter des Direktors am Amtsgericht nach Cham zurück. Nun hat er dort das Sagen. Für ihn geht damit ein Wunsch in Erfüllung.

Am 19. Juni beginnt Dr. Thomas Strauß’ neue Amtszeit. Die Ernennung zum Direktor des Amtsgerichts Cham erfolgte am Montag. Alfred Huber, Präsident des Landgerichts Regensburg, war im Nebengebäude des Amtsgerichts in Cham zu Gast, um Strauß die Ernennungs-Urkunde zu überreichen. „Erst wenn er diese in seinen Händen hält, ist es offiziell“, sagte Huber.

Erst Volontär bei der Kötztinger Umschau, dann MZ-Redakteur

Thomas Strauß folgt auf Amtsgerichtsdirektor Erich Vogl, der Ende Februar in den Ruhestand gegangen ist. Strauß ist 56 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Blaibach und wohnt in Regensburg. Von 1987 bis 1989 absolvierte er ein Volontariat bei der Kötztinger Umschau, bis September 1990 war er MZ-Redakteur. „So bin ich überhaupt erst zur Justiz gekommen“, sagte Strauß. Denn sein Steckenpferd sei damals schon die Gerichtsberichterstattung in Bad Kötzting gewesen. Je mehr er damit zu tun hatte, desto mehr habe er dahinter blicken wollen.

Gefallen daran gefunden

Bevor er jedoch ganz in die Welt der Justiz eintauchte, absolvierte er ein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt. Danach folgte ein Jurastudium, „weil ich gemerkt habe, dass mir das wirklich gefällt“, so Strauß. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits 26 Jahre alt.

Nach einer kurzzeitigen Beschäftigung bei einer großen Wirtschaftskanzlei in München begann seine Laufbahn in der bayerischen Justiz. 2002 war er Richter an der Zweigstelle Dinkelsbühl des Amtsgerichts Ansbach. Es folgte ein Wechsel zur Staatsanwaltschaft Regensburg. Von 2006 bis 2007 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesverfassungsgericht Karlsruhe tätig. Danach war er Richter am Landgericht Regensburg (Zivil- und Strafkammer). 2012 übernahm Thomas Strauß als hauptamtlicher Arbeitsgemeinschaftsleiter die Ausbildung von Rechtsreferendaren. „Das heißt, ich habe die jungen Juristen mit ausgebildet. Da wird bei der bayerischen Justiz viel Wert darauf gelegt, dass die gut ausgebildet werden, deswegen werden dafür extra Richter abgestellt“, sagte Strauß.

2018 erfolgte die Ernennung zum Richter des Oberlandesgerichts. Im September 2021 kehrte er als ständiger Vertreter des Direktors nach Cham zurück.

Bis 2023 war er zusätzlich am Landgericht Regensburg im Rahmen des Projekts „Rechtsbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber“ für Verwaltungsaufgaben zuständig.

Für ihn geht ein Wunsch in Erfüllung

„Direktor des Amtsgerichts – am besten in Cham: Das ist tatsächlich meine Wunschstelle. Die wollte ich immer schon haben, eigentlich schon, als ich bei der Justiz angefangen habe“, sagte Strauß.

Was ihm am meisten am Richteramt gefällt? „Gerecht sein müssen und dafür Geld bekommen, das ist toll. Mehr muss man eigentlich nicht machen. Man muss nicht für den einen oder für den anderen reden. Man muss sich das anhören und schauen, ob man jetzt das für vernünftig hält, was die Staatsanwaltschaft sagt, oder das, was der Verteidiger sagt, und dann kann man entscheiden. Im Leben ist das sonst schwierig, weil man immer eine Loyalität zum Beispiel zum Arbeitgeber hat“, so Strauß.

„In der ganzen Justiz haben wir eine Unabhängigkeit, wie glaube ich sonst in keinem Unternehmen oder Bereich. Das ist einfach toll. Man muss sich an’s Gesetz halten, aber ansonsten kann man doch relativ frei entscheiden – und das ist super. Und ich glaube, Gerechtigkeit zeichnet sich hauptsachlich dadurch aus, dass man ständig auf der Suche danach ist. Das ist mehr ein Prozess als ein Ergebnis – und auf der Suche sind wir immer.“

Fotografisches Gedächtnis?

Eine Sache wird dem 56-Jährigen nachgesagt: Sein ausgeprägtes Aktengedächtnis. Als wir ihn darauf ansprachen, blickte er erst einmal verwundert drein, lachte und fragte: „Wirklich?“. Die Frage, ob er denn ein fotografisches Gedächtnis habe, verneinte er sofort. „Tatsächlich war mir diese Fähigkeit bisher gar nicht bekannt. Wenn das so gesehen wird, dann schmeichelt es mir“, sagte Strauß und grinste.

Ein Richter muss seine Akten kennen

„Ich gehe davon aus, dass das auf Fleiß zurückzuführen ist. Es ist eine zentrale Aufgabe des Richters, in die Verhandlung zu gehen und seine Akten zu kennen. Dann liest man sie von vorne bis hinten und wieder von vorne. Ich war zwar noch nie in einer Sitzung von ihm, aber man bekommt ja so einiges mit, und ich würde schon sagen, dass er ein akribischer Arbeiter ist“, sagte Präsident Alfred Huber.

„Es ist nett, wenn das so gesehen wird, aber ich lasse mich auch ungern von einem Verteidiger oder dem Staatsanwalt in einer Sitzung überraschen, die dann sagen ,Aber auf Seite 367 steht das und das’ – das möcht’ ich nicht und das geht auch nicht“, so Strauß.

Genau das ist laut Huber eine der großen Qualitäten, die Thomas Strauß mit sich bringt. „Wenn man ein Amtsgericht leiten will, braucht man im Prinzip zwei Qualitäten“, so Huber. Zum einen müsse man ein sehr guter Jurist sein. „Das ist er“, ist sich der Präsident sicher. Zum anderen müsse man in der Lage sein, eine Behörde zu führen und zu verwalten. „Das hat er sich alles durch seine Ausbildung, aber auch durch seine Tätigkeit als Stellvertreter erarbeitet“, sagte der Präsident. Zudem habe Strauß auch die Führungsfähigkeiten, die man zwingend braucht, um ein Gericht leiten zu können.

Welche Aufgaben der künftige Direktor und zudem Fußballtrainer der Justizmannschaft zusätzlich zu seiner Verwaltungstätigkeit ausführen werde, verriet er noch nicht. „Ich habe schon meine Pläne, aber ich werde nicht darüber reden, bevor es das Präsidium entschieden hat“, sagte Strauß.