Hochwasser drückt Böden hoch – Die neue Regensburger Straße in Kelheim wölbt sich

Nach dem Hochwasser kommt die Drecksarbeit. Und unter dem Schlamm zeigen sich die Schäden. Betroffene Anwohner in Kelheimer Ortsteilen machen sich sichtlich mitgenommen ans Aufräumen. In der Kreisstadt selbst wirft ein Schaden in der Regensburger Straße Probleme auf – sie bleibt gesperrt.
Erschöpfung und Verzweiflung stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. Die Donau-Anrainer in Staubing hat das Hochwasser wieder einmal schlimm erwischt. „Ich bin fix und alle“, sagt Mathilde Klupp (72). Sie und ihr Mann Alfred (73) versuchen die Spuren der Flut zu beseitigen – was Tage und Wochen dauern wird.
Bei den Klupps stand das Wasser „einen halben Meter in der Wohnung“, sagt er. Zunächst schien es, als könnte man mit Unterstützung der Feuerwehren – „alle haben Großartiges geleistet“, so Mathilde Klupp – das Haus vor der Flut retten. „Plötzlich aber hat das Wasser die Kellertür aufgedrückt und es stieg bis in die Wohnung.“ Die Böden sind in Mitleidenschaft gezogen, Mauern und Türstöcke mit Wasser vollgesogen. „Bis das trocken ist, vergeht ein halbes Jahr.“
In der Küche klafft ein Loch
Wenige Häuser weiter blicken Eduard (62) und Inge Buchner (60) in ihrer leer geräumten Küche auf ein klaffendes Loch im Boden. „Das Wasser hat den Estrich und die Fliesen hoch gedrückt, alles hin.“ Der Druck ließ den Boden wie bei einem Erdbeben aufplatzen. „Alles muss neu gemacht werden. Wir wissen nicht, wann wir die Küche wieder einräumen und nützen können.“
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Dass der Hof von zentimeterdickem Schlamm gereinigt werden muss, kennt das Ehepaar Buchner von jedem größeren Hochwasser. „Ich weiß nicht, wie oft wir das noch mitmachen müssen. Mir geht die Kraft aus“, sagt Inge Buchner. „Solange du am Arbeiten bist und nicht nachdenken kannst, geht es“, ergänzt ihr Mann.
Kampf gegen das Wasser um Zentimeter
Nebenan konnte Thomas Ramler zumindest sein Haus durchs Verbarrikadieren mit Sandsäcken vor dem Wasser bewahren – fast. „Einen Zentimeter ist es drin gestanden. Das reicht, dass die Türstöcke voll Wasser sind“, erklärt der 57-Jährige bitter. Drinnen liefen fünf Pumpen und zwei Nasssauger. Ramler versucht den Schaden zu taxieren: „10.000 bis 15.000 Euro – wenn’s langt.“ Die Nebengebäude gingen bis auf eine Höhe von fast zwei Metern unter. „Mit einem Deich wäre das alles zu verhindern“, spricht er vielen Staubingern aus der Seele. „Jetzt dürfen wir wieder von vorne anfangen.“
Auch Johann Eichhammer aus Herrnsaal fühlt sich manchmal als „Bürger zweiter Wahl“. Sein Bauernhof ist eines der ersten Anwesen im Dorf, das von Hochwasser getroffen wird. So auch heuer. 30 Stunden habe er das Wasser im Wohnhaus gehabt. Mittlerweile sind dort sieben Bautrockner im Einsatz. Im Garten sieht man genau, wie hoch das Wasser gestanden hatte. Alles unterhalb ist von einer gräulichen Schlammschicht bedeckt. Es sieht aus, als hätte man bei einem Bild die Farbsättigung nach unten geschraubt.
Flutschutz für Herrnsaal?
Wie hoch der materielle Schaden ist, wird sich noch zeigen. Klar ist: „Das macht noch lange Arbeit“, so Eichhamer. Er wünscht sich entweder einen Flutschutz, ob als Damm oder mobil – oder staatliche Unterstützung bei der Absiedelung. So wie es in anderen Ortsteilen auch gehandhabt wurde.
Mussten Donau-Anwohner mit Flutfolgen rechnen, so kommt ein Schadensereignis unerwartet: In der Regensburger Straße hat es die Asphaltdecke vor der Tankstelle von Robert Niederl angehoben. „Nach einem Wolkenbruch in der Nacht auf Donnerstag ist das passiert“, sagt Kelheims Feuerwehr-Kommandant Bernhard Kleiner. Offensichtlich konnte die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr fassen und drückte nach oben.
Nach Ursache wird noch gesucht
Die genauen Gründe untersucht das Staatliche Bauamt Landshut, weil es sich um eine Staatsstraße handelt. „Wir können noch keine konkrete Ursache nennen“, hieß es am Montag auf Anfrage aus der Behörde. Zwei Mal gab es einen Lokalaugenschein vor Ort.
Die Regensburger Straße – die erst vor zwei Jahren saniert wurde – war mit Beginn des Hochwassers vor zehn Tagen mit einem mobilen Flutschutz versehen und von Kreisverkehr Donaupark bis Abzweigung Hohenpfahl gesperrt worden. Die Sperre dauert laut Stadt bis Sonntag, 16. Juni, an. „Dies ist bewusst so geplant, um die Sicherheit zu gewährleisten und die Straße nicht weiter zu belasten“, so die Kommune.
Tankstellen-Inhaber ist bedient
Der Rückbau des Hochwasserschutzes soll zeitnah beginnen, das ramponierte Straßenstück wird mit Stahlplatten abgedeckt. Robert Niederl stöhnt nach dem Schadensfall vor seiner Tankstelle: „Jetzt können die Kunden wegen der gesperrten Straße weiterhin nicht anfahren. Und dann bekomme ich vermutlich eine Straßenbaustelle vor die Haustür.“
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