Den Wald der Zukunft erkunden: 22 Interessierte beteiligten sich an Führung am Schwarzerberg

Von Josef Schaller · 9. Juni 2024 um 19:00

Der Wald am Schwarzerberg ist derzeit noch gut gegen den Klimawandel gerüstet. Das war das Resümee einer gemeinschaftlichen Exkursion der Ortsgruppe Städtedreieck des Bund Naturschutzes (BN) und des LBV Schwandorf am vergangenen Freitagabend.

22 Interessierte begleiteten den Waldökologen Christian Stierstorfer (LBV) und Isabella Weingärtner (BN) bei der knapp dreistündigen Wanderung. Dabei wurde auch das Gebiet am Fuße des Bergs unter die Lupe genommen, wo das geplante Teublitzer Gewerbegebiet entstehen soll. „Eigentlich ein Zukunftswald“, so die Einschätzung von Stierstorfer, der es als fatales Signal sähe, wenn so ein Wald wirtschaftlichen Interessen geopfert werden würde.

Am Schwarzerberg, mit seinem Gneis und Granitgestein bereits ein Vorposten des Bayerischen Waldes, ragen teils hohe Buchenwälder gen Himmel. Oben auf dem gut 500Meter hohen Plateau angelangt, traf die Exkursions-Gruppe auf großflächige Versumpfungen, die weiter unten am Hang ihr Wasserreservoir freigeben. Wasserläufe rinnen auf Pfaden den steilen Abhang hinunter.

Ergebnis der letzten Niederschläge

Teilweise war auch zu beobachten, wie das Wasser an kleinen Quellen aus dem Boden sprudelte. Das sei auch eine Folge der zahlreichen Niederschläge der vergangenen Wochen, stellte Stierstorfer fest. Besonders gut lässt sich dieses Phänomen in der Steinklamm, die sich am Mittelhang befindet, beobachten. Zwischen großen Granitblöcken sucht sich das Wasser einen Weg hinunter zum Hangfuß.

In diesem letzten Rest eines Naturwaldes sei eine Forstwirtschaft nicht möglich. „Hier können Bäume noch sehr alt werden und in Würde sterben“, so der Waldökologe. Junge Tannen und Buchen könnten hier auch mal 30 bis 40 Jahre verharren, bis sie wieder mehr Licht bekämen und weiterwachsen könnten. Für Linden sei dieser steinige Bereich des Schwarzerberges wegen ihrer flexiblen Wurzeln ideal, betonte Stierstorfer. Auf dem sauren, nährstoffarmen Boden gedeihen Heidel- und Preiselbeeren. Ebenso weit verbreitet ist die Hainsimse, ein Sauergrasgewächs.

Entwicklung zum Mischwald

Weiter unten, am Hangfuß, wird der Wald lichter. Hier haben auch junge Birken und Kiefern Chancen, um groß zu werden. Auch Stieleichen kann man dort finden. Stierstorfer bezeichnet den dortigen Kiefernwald als „Stangerlwald“, der aber auf dem Weg zum Mischwald ist.

Die Bodenvegetation setzt sich hier aus Heidekraut und viel Moos zusammen. Sogar das geschützte Weißmoos ist dort zu finden. Ganz unten in der Ebene, auf der anderen Seite der Straße, wo die Stadt Teublitz ihr Gewerbegebiet plant, fächern sich die Wasserläufe breit auf. Der Boden ist an vielen Stellen weich und feucht. Vereinzelt tritt das Wasser sogar an die Oberfläche. Diese Stellen frieren auch bei strengem Frost nie zu. Riesige Hügel aus Torfmoos speichern die Feuchtigkeit. Eine Vielfalt von Baumarten ist hier zuhause: Fichten, Kiefern, Rotbuchen, Eichen, Birken, sogar Bäume, die in Sumpfgebieten vorkommen, wie die Schwarzerle. Hier fließt die kühle Luft weiter ins Naabtal, was auch die Wandergruppe zu spüren bekam.

Durch die vielen Moose und die Feuchtigkeit kann sich der Boden nicht so schnell aufheizen. „Wir stehen hier in einem Zukunftswald mit einem fantastischem Jungwuchs. Dieser Waldboden ist nicht ausgleichbar“, betonte Stiersdorfer.

Zu sehen bekam die über 20-köpfige Gruppe hier unter anderem Schwarze Schnegel, eine harmlose Nacktschneckenart, die sich gerne in alten Laub- und Mischwäldern aufhalten, sowie Fledermäuse und Waldschnäpfen, die sich bei Einbruch der Dunkelheit einen Weg durch den dichten Wald suchten. Sogar einen blauen Laufkäfer konnte man bewundern. Das seltene Insekt steht auf der internationalen roten Liste der gefährdeten Tierarten.

Waldökologe Christian Stierstorfer leitete durch die Besichtigung.