Chiphersteller Infineon: Profitiert Regensburgs Werk vom KI-Boom?

Der weltweite Boom rund um Künstliche Intelligenz erreicht immer neue Höhenflüge – und damit auch die Aktie des wichtigsten Hersteller von Hochleistungschips. Regensburg hat mit Infineon eine Chipproduktion und viele fragen sich, ob auch der Standort von den Höhenflügen der Branche in Sachen KI profitieren wird. Eine Anfrage ergab: Man ist zuversichtlich.
Das Unternehmen Nvidia hatte sich bei seiner Gründung auf Chips für Grafikprozessoren (GPU) spezialisiert. Jetzt kündigte der Nvidia-Chef Jensen Huang an, eine neue Plattform für Künstliche Intelligenz zu installieren, die ein Vielfaches der Rechenleistung bisheriger Rechenzentren weit übertreffen soll.
Jörg Recklies, Sprecher der Betriebsleitung in Regensburg, antwortete auf Anfrage der Mediengruppe Bayern: „Ganz klar, Künstliche Intelligenz ist für Infineon in der Tat ein wichtiges Wachstumsfeld.“ Der Energiebedarf von KI-Rechenzentren sei hoch. „Je nach Szenario, könnten bis 2030 bis zu sieben Prozent des weltweiten Stromverbrauchs auf Rechenzentren entfallen“, so Recklies weiter. Das sei eine Größenordnung, die mit dem derzeitigen Stromverbrauch Indiens vergleichbar sei.
Weniger Stromverbrauch
„Leistungshalbleiter von Infineon tragen dazu bei, diesen Anstieg zu begrenzen“, so Recklies Auskunft. Die sogenannten Power Module von Infineon verringerten den Stromverbrauch und den Ausstoß von CO2-Emissionen, was zu geringeren Betriebskosten über die gesamte Lebensdauer führe.
Infineon-Werkleiter Recklies spricht dabei sogenannte Power-Supply-Units an. Übersetzen würde man diesen Begriff mit Netzversorgungs-Einheit. Umso mehr Rechenleistung beispielsweise für das weitere Training von Künstlicher Intelligenz oder aber für Anfragen an diese benötigt wird, desto effizienter muss das Stromnetz sein. Schon heute liegt der CO2-Ausstoß der IT-Branche weltweit bei etwa zwei Prozent, was dem Ausstoß des Flugverkehrs entspricht – Tendenz massiv steigend. Infineon ist in Geschäftsbeziehungen mit den drei größten Anbietern von Rechenzentren. Doch nicht nur auf diesem Sektor ist man in Sachen KI unterwegs. „Darüber hinaus ermöglicht Infineon aber auch Künstliche Intelligenz mittels leistungsstarker und stromsparender Mikrocontroller“, erläutert Recklies. Beispiele hierfür seien Mikrocontroller von Infineon der neuesten Generation, die speziell für „Edge AI“ und Machine-Learning-Anwendungen optimiert sind.
Unter „Edge KI“ wird die Installation von KI-Anwendungen direkt auf Endgeräten wie Smartphones verstanden, statt die KI-Anwendungen über sogenannte Clouds anzusteuern. Auch der Bereich „Internet of Things“, zu Deutsch Internet der Dinge, in dem beispielsweise Haushaltsgeräte oder Industriemaschinen miteinander vernetzt werden, spielt in dem Bereich eine Rolle. Auch hier kommen Produkte aus Regensburg zum Einsatz.
Bislang rechnete man von Seiten der Experten damit, dass durch KI auch ein Wirtschaftsaufschwung einsetzt. Dem haben allerdings Volkswirte in einer jetzt bekannt gewordenen Studie der Internetbank ING einen Dämpfer verpasst. Die Nutzung von KI ging mit der Erwartung einher, dass sich die Produktivität dadurch steigern ließe - der einzelne Arbeitnehmer also produktiver arbeiten würde als bisher. Doch die Ökonomen der ING rechnen damit, dass sich der jährliche Produktivitätszuwachs lediglich in einer Größenordnung zwischen 01, und 0,5 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts bewegen werde.
„Deutschland dürfte, wie das übrige Europa, am unteren Ende dieser Spanne von 0,1 bis 0,5 Prozent liegen“, sagte die leitende Ökonomin von ING, Inga Fechner. Hauptsächlich würden von KI die USA profitieren, wo die größten Investitionen und mithin auch Entwicklungen getätigt werden.
Infineon stellt derzeit aus
Inwieweit der Chipproduzent Infineon also am Ende von dem KI-Boom profitieren kann, wird im Unternehmen optimistisch eingeschätzt, ist aber noch offen. Derzeit arbeitet sich das Unternehmen noch an den für die Branche schwierigeren Rahmenbedingungen ab. Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass am Standort Regensburg zwischen 400 und 600 Stellen abgebaut werden müssen. Der Kostendruck und der Rückgang an Bestellungen seien dafür verantwortlich, hieß es. Man wird sehen, ob der KI-Boom ein Wendepunkt sein kann.
