Hochwasserlage in Regensburg: An der Werftstraße atmen Helfer und Rückkehrer erstmal auf

Die Hochwasserlage in Regensburg entspannt sich weiter: An der Werftstraße, wohin die Anwohner am Freitag zurückkehren durften, stehen nun die nächsten Arbeiten an.
Handtasche, Sporttasche, zwei schwere Einkaufsbeutel: Astrid Zier war voll bepackt, als sie am Freitag kurz vor 14 Uhr bei strahlendem Sonnenschein an der Werftstraße eintraf. „Ich bin einfach so froh, dass wir wieder heimdürfen“, sagte die Anwohnerin etwas außer Atem, „wenn man das eigene Zuhause verlassen muss, ist das eine Katastrophe“.
Insgesamt 200 Menschen hatten am Montag aufgrund des steigenden Grundwassers evakuiert werden müssen. Für Zier, die seit vier Jahren in der Werftstraße lebt, war es das erste große Hochwasser. „Wenn die Feuerwehr vor der Tür steht und man das Nötigste zusammenpacken muss, denkt man an ungefähr überhaupt nichts“, sagte sie, „nicht an die Brille, nicht an die Medikamente“.
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Am Durchgang zur Straße angekommen, musste Zier die Taschen dann erst einmal ablegen. Einsatzkräfte kontrollierten ihren Ausweis und hielten sich strikt an die noch nicht erreichte 14-Uhr-Grenze, die am Donnerstag von der Stadt vorgegeben worden war. Für die Anwohnerin war das kein Problem. Sie wollte sowieso noch auf ihre Tochter warten, die ebenfalls in Kürze eintreffen sollte. „Die war zusammen mit den Katzen bei der Oma.“
Bauzaun statt Stege
Allzu große Sorgen vor Schäden am Haus mache sie sich nicht, erzählte Zier während der Wartezeit noch. Die Erleichterung würde überwiegen. „Ich habe Kameras am Haus und konnte die Lage halbwegs im Blick behalten. Ich glaube, ich bin am Schlimmsten vorbeigeschrammt.“
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Neben Zier warteten zu diesem Zeitpunkt nur wenige weitere Anwohner auf Einlass. Der Großteil würde wohl erst im Laufe des Nachmittags eintrudeln, schätzten die Einsatzkräfte. Vorbereitet hatten die Helfer dennoch schon alles. Zahlreiche Kräfte hatten die kurzzeitig kontrolliert geflutete Zone wieder begehbar gemacht. Stege waren zurückgebaut, ein Bauzaun aufgestellt worden.
Hochwasser in Regensburg: 250 Helfer im Einsatz
THW, Wasserwacht, Rotes Kreuz, Malteser, Johanniter, Freiwillige Feuerwehr, Berufsfeuerwehr: An der Spitze bis zu 250 Helfer hatten in den letzten Tagen und Nächten alles gegeben, um Regensburg und die Häuser an der Werftstraße zu schützen. „Ein großes Dankeschön an alle Profis und Ehrenamtler, die zusammen mit Mitarbeitern der Stadt, der Polizei und dem Wasserwirtschaftsamt im Einsatz waren und sind“, sagte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, die am Mittag zu einem Pressegespräch an die Werftstraße gekommen war. In Hinblick auf die Hochwasserlage habe Regensburg „großes Glück“ gehabt, betonte die Oberbürgermeisterin.
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Stefan Neudert, Leiter des Regensburger Wasserwirtschaftsamtes, war dabei ebenfalls vor Ort und bestätigte, dass sich die Lage entschärfe. „Der Wasserspiegel sinkt immer weiter. Im Moment unterschreiten wir wahrscheinlich gerade Meldestufe 4“, sagte er. Auch, dass für die kommenden Tage erneut Niederschläge angekündigt seien, ändere daran nichts.
Hochwasser Katastrophenfall bleibt in Regensburg bestehen
„Wir werden die Wetterlage sorgfältig beobachten. Am Montag oder Dienstag kann es noch einmal einen leichten Anstieg der Donau geben – aber bei weitem nicht mehr mit den Pegelständen, die wir jetzt haben.“ Da es sich dabei trotz aller Zuversicht nur um Prognosen handle, bleibe der Katastrophenfall zunächst allerdings bestehen.
Grundsätzlich gebe es weiterhin viel zu tun, wenn das Hochwasser zurückgegangen sei, fügte Neudert noch hinzu. In der Werftstraße müsse eruiert werden, wie stark der Untergrund durch das Hochwasser beschädigt wurde. Im weiteren Verlauf werde dann geprüft, wie stabil Straße und Kaimauer noch seien. Für den Auto- und Radverkehr muss die Straße deshalb weiterhin gesperrt bleiben. „Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagte er.
Kriseninterventionsteam für Anwohner
Für Anwohner, die am Freitag zurückkehrten und deren Häuser Schaden genommen haben, steht auch in den kommenden Tagen das fünfköpfige Kriseninterventionsteam um Reiner Fleischmann bereit. „Das ist ein sehr niederschwelliger Ansatz“, sagte er, „wir fallen nicht mit der Tür ins Haus. Doch wenn jemand Redebedarf hat, bleiben wir“.
Wie der Leiter des Dienstes erklärte, würde das Gedankenkarussell bei Betroffenen oft erst beginnen, wenn die restliche Bevölkerung wieder in den normalen Alltag zurückgekehrt sei. „Die Anwohner sollen wissen, dass jemand da ist, mit dem sie Kontakt aufnehmen können und der ihnen zuhört.“



