Hochwasser-Lage im Landkreis Kelheim: Hoher Flutpegel bereitet weiterhin Probleme

Die Pegel sinken – aber im Kreis Kelheim gilt weiterhin die höchste Meldestufe. Deiche und Grundwasser bereiten Probleme, das THW erhielt einen Spezialauftrag.
Die Worte von Kreisbrandrat Nikolaus Höfler klingen eindringlich. „Es ist zu früh für eine Entwarnung“, sagt er zur Hochwasser-Lage im Landkreis Kelheim. Weiterhin hohe Pegelstände und steigendes Grundwasser bereiten Probleme. Das THW Kelheim hilft über einen Spezialauftrag der Region Pfaffenhofen.
Alle Neuigkeiten zum Hochwasser finden Sie in unserem Newsblog.
Immer noch über Meldestufe 4
Gemessen am Höchststand der Donau von 7,56 Meter am Mittwoch, 12 Uhr, in Kelheim hatte sich die Flut am Freitag zum selben Zeitpunkt auf 6,65 zurück gezogen. „Aber wir liegen immer noch über Meldestufe 4“, verdeutlichte Höfler, der seit dem am Sonntag ausgerufenen Katastrophenfall auch als örtlicher Einsatzleiter fungiert. Dieser Katastrophenfall „gilt auch weiterhin“. Da das Hochwasser nur langsam zurück geht, bleibt auch die Belastung für die Deiche hoch. „Wir beobachten und befliegen die Dämme nach wie vor“, so der Kreisbrandrat. Auch der mobile Flutschutz steht an verschiedenen Orten weiterhin. „Einzig an der Abens, beispielsweise in Bad Gögging, konnten wir ihn wieder abbauen“, erklärte Höfler.
An „Tag sieben des Hochwassers“, so der Kreisbrandrat, mahnte er: „Wir dürfen nicht leichtsinnig werden. Die Deiche haben einiges mitgemacht.“ Aufgrund des hohen Pegelstandes der Donau seien auch einige Wasserablässe zu, was bei neuerlichem Regen den gewohnten Abfluss behindere. „Wir müssen Geduld beweisen“, ergänzte er.
Viel Grundwasser in Mauern
Mit der anhaltenden Flut steigt auch der Grundwasserpegel. So lag der Schwerpunkt der Einsatzkräfte in Neustadt a. d. Donau auf Mauern und der dortigen Grundwassersituation an den Häusern. Insbesondere wurden Pumpenkapazitäten deutlich aufgestockt, damit im Fall eines erneuten Niederschlags der Regenwasserkanal unmittelbar abgepumpt werden kann. Die Lage beim Oberflächenwasser entspannte sich. Die Pegel in der Goldau fielen. Die Entwässerung erfolgt über den offenen Ilmschieber.
Bei der Kelheimer Schifffahrt geht zumindest bis Montag auf der Donaudurchbruch-Linie weiterhin nichts, teilten die Betriebe mit (siehe auch Info-Kasten). Gäste, die Urlaub in der Region gebucht haben, „erkundigen sich immer wieder nach der Situation“, erklärt Florian Best, Geschäftsführer des Tourismusverbandes im Landkreis Kelheim. Es käme aber nur vereinzelt zu Stornierungen. „Alle Unterkünfte sind erreichbar, mit Ausnahme des Gästehauses im Kloster Weltenburg.“ Dort sind auch Schenke und Laden geschlossen. Man versuche die Urlauber darauf zu „sensibilisieren, dass Radtouren entlang der Donau nicht möglich sind. Das wird auch ein, zwei Wochen nach Rückzug des Wassers so sein“, sagte Best. Am Freitag wurden Ausschilderungen an Radwegen zwischen Bad Gögging und Kelheim angebracht. „Es lässt sich gut in Richtung Altmühltal ausweichen“, schlägt er als Alternative vor.
Teils gelten noch Sperrungen
Vom Hochwasser betroffene Orte sollten auch mit Autos nicht angefahren werden. „Teils gelten noch Sperrungen, teils arbeiten Einsatzkräfte auf Hochtouren.“ Und man weise über Soziale Medien auch auf das Betretungsverbot für Dämme hin. „Auch wenn der Begriff ,Deich-Tourismus’ lautet, glaube ich nicht, dass es in erster Linie Urlauber sind, die verbotenerweise auf Deichen herum spazieren“, so der Tourismusverbands-Chef.
In der Gegend rund um die Firma Bayernoil in Neustadt zeugt derweil ein unangenehmer Geruch von den Folgen des Hochwassers. In einer Spezialanlage trennt das Technische Hilfswerk Kelheim Öl-Wasser-Gemische aus dem Landkreis Pfaffenhofen. Bei der Hochwasser-Katastrophe sind dort zahlreiche Heizöltanks ausgelaufen, die sich mit dem Oberflächenwasser vermischt haben. Damit es zu keiner Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt kommt, wendet die Fachgruppe Öl des THW ein aufwendiges Trennungsverfahren an.
Öl schwimmt oben auf
Wie Zugführer Andreas Reichl berichtet, sei das Gemisch in zehn Tanklastern angeliefert worden. „Das Gemisch kommt dann in fünf Aufrichtebehälter, die insgesamt 250000 Liter fassen.“ Anschließend fließt das Gemisch in einen Grobfilter, um etwa Unrat zu entfernen. Danach wird es in ein Becken gefüllt, wo es ruhen soll. „Dann haben wir ganz unten den Schlamm, in der Mitte das Wasser und ganz oben das Öl. Das funktioniert im Prinzip wie bei einer Salat-Sauce“, erklärt Andreas Reichl.
Ist das Öl auf der Oberfläche rein, wird es abgeschöpft. Ist es noch zu stark mit dem Wasser verbunden, kommt es in einen weiteren Tank, wo es bestmöglich vom Wasser getrennt werden soll. Wie viel Liter Wasser-Öl-Gemisch insgesamt getrennt werden, konnte Reichl nicht genau sagen. Die Flüssigkeiten werden in der Raffinerie zurückgenommen, den Schlamm entsorgt das THW.

