Der Donaupegel im Landkreis Kelheim sinkt – aber wird das Grundwasser zum Problem?

Der Hochwasserpegel im Landkreis Kelheim geht zurück. Bad Abbach ist laut Bürgermeister Benedikt Grünewald mit einem „hellblauen Auge“ davongekommen. Sorgen bereitet ihm aber das Grundwasser.
Zugleich müssen er und die Einsatzkräfte vor Ort teils üble Beleidigungen ertragen. Es handelt sich um Zentimeter, aber die Richtung stimmt: Langsam – und doch stetig – sinkt das Hochwasser der Donau im Landkreis Kelheim. Passiert nichts Unerwartetes, könnte der Pegel am heutigen Freitag wieder unter die Meldestufe 4 fallen. Dann werden auch die Einwohner im Bad Abbacher Ortsteil Oberndorf aufatmen können. Bis es so weit ist, bewachen Einsatzkräfte die Donau dort mit Argusaugen.
Bildergalerie: Das Hochwasser zwischen Staubing und Bad Abbach
„Die Lage bei uns ist stabil. Die Situation war schon angespannter“, sagen der Oberndorfer Feuerwehrkommandant Daniel Feil, der stellvertretende Bad Abbacher Kommandant Benedikt Hartmann und der kommunale Katastrophenschutz-Sachbearbeiter Stefan Franz, während sie am Donnerstagmittag den Hochwasserschutz begutachten.
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Mit 6,86 Metern hat der Pegel in Oberndorf am Mittwochabend seinen Scheitel erreicht, teilt das Landratsamt mit. Seitdem gehe das Wasser langsam zurück. Darum konnte auch die Straßensperrung, die über Nacht galt, wieder aufgehoben werden. „Da war der Pegel arg an der Grenze. Fast wäre das Wasser übergeschwappt.“
Grundwasser sinkt versetzt
Doch bei allem vorsichtigen Optimismus – eine Sache bereitet den Einsatzkräften nach wie vor Sorgen: der Grundwasserpegel. In Oberndorf selbst und in der Kaiser-Karl-V.-Allee wurden gestern Abend bereits mehrere Keller durch Grundwasser geflutet. Für Entwarnung ist es hier also zu früh: „Es kann sein, dass bei manchen der Grundwasserpegel noch zum Problem wird“, sagt der stellvertretende Kommandant Benedikt Hartmann. Denn je länger die Donau Hochwasser führt, desto länger liegt auch das Grundwasser auf hohem Niveau. „Der Grundwasserspiegel sinkt zeitversetzt“, erklärt der Oberndorfer Kommandant Daniel Feil.
Von einer angespannten Lage in Sachen Grundwasser in Oberndorf und im Kernort spricht auch Bürgermeister Benedikt Grünewald: „Ich hoffe sehr, dass das keine größeren Schäden mehr anrichtet.“ Denn bislang würden sich Sachschäden in Grenzen halten und die Einsatzkräfte hätten die Lage im Griff. „Wir sind mit einem hellblauen Auge davongekommen“, sagt Grünewald. Die Menschen in Oberndorf seien zwar angespannt, aber ruhig. Auch an einem anderen kritischen Ort, der Kanalstraße bei Poikam, seien nur kleinere Bereiche des Campingplatzes überflutet worden.
Zwischen Bad Abbach und Oberndorf habe der Schutzwall übrigens seine Feuertaufe bestanden. „Den haben wir zum ersten Mal. Beim Hochwasser 2013 war alles überflutet“, erzählen Benedikt Hartmann und Daniel Feil vor Ort. Immer wieder werden die Einsatzleute von Passanten angesprochen. „Ich mache mir Sorgen, aber die Feuerwehr gibt mir ein sicheres Gefühl. Der Zusammenhalt ist sehr gut“, sagt ein älterer Herr. Auch Feil lobt, dass die Oberndorfer die Feuerwehrler unterstützen – und auch Kuchen bringen.
Allzu oft erleben die Einsatzkräfte allerdings das Gegenteil: „Familien, Angler oder ältere Leute ignorieren oftmals die Verbote und wir müssen uns rechtfertigen“, ärgert sich Benedikt Hartmann. Weisen die Feuerwehrler darauf hin, hagele es üble Beleidigungen. „Was wollt jetzt ihr Hanswursten?“, gehört noch nicht einmal zu den schlimmsten Beschimpfungen.
Polder für Bad Abbach?
Eine solche Erfahrung musste auch Bürgermeister Grünewald mit drei jüngeren Männern machen – nur wenige Stunden, bevor ein 17-jähriger Radfahrer dann in allerhöchster Not aus den Fluten gerettet werden musste (wir berichteten). „Dieser Fall sorgt in Bad Abbach für fassungsloses Kopfschütteln“, sagt er.
Aktuell sind Grünewald und die Einsatzkräfte noch gut beschäftigt. Gibt es aber schon Lehren, die sie aus diesem Hochwasser für die Zukunft ziehen können? „Ich weiß, es klingt unpopulär. Aber ich glaube, dass wir uns über Polder unterhalten müssen“, sagt der Bürgermeister. Zu möglichen Standorten konnte er bislang allerdings nichts sagen.
So ist die aktuelle Lage im Landkreis Kelheim
Pegel: Am Donnerstag um 17 Uhr lag der Donaupegel in Kelheim bei 7,20 Metern. Am Freitagabend oder am Samstag könnte der Pegel merklich abfallen. Positiv ist laut Kreisbrandrat Nikolaus Höfler, dass in der Nacht auf Donnerstag die Maximiliansbrücke wieder freigegeben werden konnte.
Orte: In Neustadt wurde der Donaupegel am Donnerstagnachmittag mit 6,85 Metern angegeben. Auch bei der Goldau in Mauern fällt der Pegel leicht. Bei der Abens in Mainburg und Aunkofen liegt der Pegel wieder unterhalb der Meldestufen. Es wird kein neuer Anstieg erwartet.
Grundwasser: Der hohe Grundwasserpegel ist laut Kreisbrandrat Nikolaus Höfler ein Thema in der ganzen Region. Wann eine Normalisierung eintritt, kann er nicht sagen. Viele Bewohner an kritischen Orten würden mit Pumpen vorsorgen. Höfler hofft zudem, dass die Deiche halten.
Wettervorhersage: Ab dem Wochenende könnte es in der Region erneut zu Starkregen kommen. Laut Höfler würden die Einsatzkräfte die Situation genau beobachten. „Wir werden unsere Maßnahmen mit Weitblick planen und notfalls gar nicht zu sehr zurückfahren“, sagt er.
