200 Kilometer die Deiche auf und ab marschiert

Seit Tagen ist die Deichwache ein wichtiges Instrument, um Neustadt a. d. Donau von ganz schlimmen Auswirkungen des Hochwassers zu schützen. 24 Stunden am Tag wird dabei auf jede Kleinigkeit geachtet.
Thomas Bäumler und Jan-Patrick Hölzlwimmer gehen den Donaudeich Richtung Irnsing entlang. Sie lassen das Wasser nicht aus den Augen. Plötzlich bleiben sie stehen. Ein wenig Treibholz hat sich an einer Stelle angesammelt. Sie markieren den Bereich.
Die beiden Mitglieder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) gehören zu den Einsatzkräften, die die Donau- und Polderdeiche bei Neustadt zwischen Pförring und Irnsing kontrollieren. Die übrigen Strecken werden laut DLRG-Einsatzleiter Stephan Reimer von den Ortsteilfeuerwehren übernommen.
Auf den ersten Blick sieht das angeschwemmte Material ungefährlich aus. Es sind einige wenige kleine Äste. Es könne laut Bäumler auch harmlos sein. Man sei aber vorsichtig. Es gehe darum, keinen möglichen Gefahrenherd zu übersehen.
Was jetzt geschieht, ist ein genormter Vorgang. Bäumler steckt einen Metallpflock an der Stelle ins Erdreich, befestigt eine kleine Tafel mit der Zahl Neun daran. So ist sichergestellt, die Stelle wiederzufinden. Währenddessen macht sein Kollege ein Foto und ein Video, um die Strömungsgeschwindigkeit des Wassers festzuhalten. Schließlich wird der Bereich in einer digitalen Karte eingetragen.
Telefon wichtiges Hilfsmittel
Dass Reimer mit dabei ist wie an diesem Donnerstagvormittag, ist nicht der Regelfall – komme aber vor. „Vieles kann man per Videotelefonat abklären“, berichtet der 38-jährige Neustädter. Die Stelle mit dem Treibholz werde weiter beobachtet – je nachdem könne es aber auch sein, dass sich ein Fachmann von Feuerwehr oder Wasserwirtschaftsamt den Bereich ansehen und dann über Maßnahmen entscheiden muss.
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Treibholz sei laut Reimer ein Thema für die Deichwachen. Ansonsten gehe es vor allem um austretendes Wasser oder auch Rasensoden, die am Deich abgerutscht sind. All das könnte auf einen Schaden hinweisen. Bei ihrem Rückweg Richtung Donaubrücke bei der B 299 werden Bäumler und Hölzlwimmer den Deichhinterweg nehmen, um auf solche Schadstellen zu achten.
Bisher sind laut Reimer 50 DLRG-Kräfte bei der Deichwache eingesetzt gewesen – täglich seien es neun zur gleichen Zeit. Es waren bisher 800 Stunden – „und das alles von Ehrenamtlichen“.
Auch in den Nachtstunden
Bäumler und sein Kollege sind seit dem Morgengrauen im Dienst, der noch bis 15 Uhr dauern wird. Ein Kontrollgang dauere tagsüber rund 90 Minuten – in der Nacht sei es wegen der Dunkelheit länger. Danach ist erst einmal Pause.
Seit Montag sei man laut Reimer im Einsatz, wobei es möglich ist, zwischendurch daheim durchzuschnaufen und zu schlafen. Er geht davon aus, dass seine Leute bei ihren Kontrollgängen bisher 200 Kilometer hinter sich gebracht haben. Dabei wird der Donaudeich zu Fuß oder per Fahrrad begutachtet, bei den Polderdeichen gehe es auch mit dem Auto über die Deichhinterwege. Denn da müsse man nicht auf fließendes Wasser achten, das man nur kontrollieren könne, wenn man auf dem Deich steht.
Reimer äußerte am Donnerstag die Hoffnung, dass die Deichwache nach dem Wochenende bei gleichbleibenden Bedingungen eingestellt werden könne. Die angekündigten Regenfälle würden im Blick behalten, aktuell sei aber eine Einschätzung, inwiefern diese den Pegel noch einmal beeinflussen können, nicht möglich. Immerhin gibt es mit Blick auf die vom Hochwassernachrichtendienst veröffentlichten Pegelstände leichte Entspannung. Und so wird in Hienheim die zusätzliche Deichsicherung zurückgebaut und das Sickerwasser in die Donau zurückgepumpt.

